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Sportmix Martin und die Tour: Alles andere als die wahre Liebe
Sportbuzzer Sportmix Martin und die Tour: Alles andere als die wahre Liebe
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02:36 05.07.2013
Tony Martin wird nach seinem Sturz behandelt. Foto: Joel Saget
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Bastia

Das ärztliche Bulletin liest sich wie das eines Schwerstkranken: Lungenprellung, Fleischwunde am Ellenbogen bis auf den Muskel, Abschürfungen und Hämatome am gesamten Körper. Trotzdem entschieden Martin und Teamarzt Helge Riepenhof: Es geht weiter. „Seine großen Ziele sind das Teamzeitfahren am Dienstag in Nizza und das erste Einzelzeitfahren am 10. Juli“, erklärte der Mediziner, der nach ersten Bedenken am Samstagabend doch Grünes Licht für eine Fortsetzung gegeben hatte.

Im Vorjahr war der 28-Jährige ähnlich zuversichtlich wie diesmal zur Tour gestartet. Nach einem Platten im Prolog stürzte er ebenfalls auf der ersten Etappe und quälte sich anschließend mit gebrochener Hand noch zehn Tage. 2012 lockte London mit dem olympischen Zeitfahren als großes Ziel. Sein Durchhaltevermögen mit eisernem Willen wurde mit Silber belohnt. Seine Krankenakte 2013 soll bei der Tour im besten Fall mit zwei Siegen mit dem Team in Nizza und dem Solokampf gegen die Uhr nach Mont-Saint-Michel im Atlantik geschlossen werden. Dazu will er seinem Teamkollegen Mark Cavendish zu Etappensiegen verhelfen.

„Tony wollte unbedingt weiterfahren und aus medizinischer Sicht spricht nichts dagegen“, erklärte Riepenhof der Nachrichtenagentur dpa. Martin war am Vortag Hauptleidtragender eines Sturzes fünf Kilometer vor dem Ziel der chaotischen Auftaktetappe des großen Tour-Jubiläums, die in die Historie eingehen wird. Der am Bodensee wohnende Wahlschweizer war nach einem kurzen Krankenhausaufenthalt, bei dem Brüche ausgeschlossen worden waren, am Abend zur Mannschaft zurückgekehrt und hatte verkündet: „Ich lebe noch“! Trotzdem hatte Riepenhof dreimal in der Nacht nach ihm geschaut. „Er ist fast am ganzen Körper verpflastert“, hatte der Arzt („die Verletzung der Lunge behindert ihn beim Atmen“) am Morgen vor dem Start erklärt.

Martin saß bis zur letzten Minute im gekühlten Teambus. Dann trat er unter die sengende Sonne auf den Place Saint-Nicolas in Bastia. Der Verband um den Ellenbogen war leicht durchgeblutet, genauso die Bandage unterhalb des Knies. „Ich hab die Nacht besser überstanden als gedacht. Als ich gestern aus dem Krankenhaus kam, war mir klar, dass ich weitermache. Alles tut weh, bis auf vielleicht mein Ohrläppchen“, sagte Martin der dpa. Nachdem er sich am Vortag ins Ziel geschleppt hatte, verlor er kurz das Bewusstsein. Martin hat kein Erbarmen mit sich.

Die besondere „korsische Eröffnung“ der 100. Tour („L'Équipe“) wird nicht nur Martin in Erinnerung bleiben. Nach Meinung vieler Fahrer und Teamchefs war auch das mangelhafte Krisenmanagement der Organisatoren mitverantwortlich für den fürchterlichen Massensturz fünf Kilometer vor der Ziellinie, dem auch der zweifache Toursieger Alberto Contador und Altmeister Andreas Klöden zum Opfer gefallen waren. Der Busfahrer des australischen GreenEdge-Teams hatte das Kunststück fertiggebracht, mit seinem Gefährt kurz vor dem Einlauf der mit etwa 65 Stundenkilometer heranrasenden Fahrermeute den Überbau der Zielmarkierung zu rammen.

15 dramatische Minuten lief nichts mehr - das riesige Fahrzeug blockierte die Straße und ließ sich keinen Zentimeter mehr bewegen. In der Hektik gab die Rennleitung über Funk bekannt, dass das Ziel drei Kilometer vorverlegt werde. Das erfuhren die Fahrer - wenn sie es in der Hektik denn hörten (Etappensieger Marcel Kittel wusste nichts davon) - neun Kilometer vor dem Ziel. 2000 Meter weiter hieß es dann plötzlich: Kommando zurück. Alles sollte beim Alten bleiben, der Teambus war weggeschafft worden. „Das absolute Chaos“, schimpfte FdJ-Teamchef Marc Madiot und bepöbelte den spanischen Jurychef.

Ein gefakter Twitter-Account nahm es von der lustigen Seite und meldete weltweit sich als sprechender Bus: „Ich habe Wachstumshormone genommen, um groß zu werden und eine Chance gegen die anderen zu haben“.

dpa

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