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Sportmix Pechstein beschwert sich beim DOSB
Sportbuzzer Sportmix Pechstein beschwert sich beim DOSB
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09:19 31.10.2013
Claudia Pechstein eckt an. Foto: Marc Müller
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Berlin

Der Konflikt zwischen Claudia Pechstein und dem DOSB spitzt sich zu. In einem Brief an deutsche Sportfunktionäre beschwerte sich die Eisschnelllauf-Olympiasiegerin, dass Sportlern angeblich gedroht werde, wenn sie Pechsteins Erklärung zur Athletenvereinbarung unterschreiben.

Mit ihrer Petition wendet sich die 41 Jahre alte Berlinerin gegen einen Passus in der Athletenvereinbarung, der einen Gang vor ein Zivilgericht ausschließt. „Sie können gewiss sein, dass die Zahl derer, die mit ihrer Unterschrift den Status Quo der Athletenvereinbarung kritisieren, in den nächsten Tagen und Wochen noch steigen wird. Daran werden auch Einschüchterungsversuche einzelner Verbände, die möglichen Unterzeichnern mit Sanktionen drohen, nicht ändern“, schrieb Pechstein an DOSB-Generaldirektor Michael Vesper und Vertreter der deutschen Sportverbände.

Vesper wies die Vorwürfe umgehend zurück. „Das ist eine Verdrehung der Tatsachen“, sagte er der Nachrichtenagentur dpa. „Es ist unmöglich, was Frau Pechstein da behauptet.“ Jedoch solle sich künftig die Athletenkommission des Themas annehmen. Vesper bestätigte, er teile die Argumentation von DLV-Präsident Clemens Prokop, der von dem „ein oder anderen Informationsdefizit“ bei Sportlern ausgehe.

„Jeder Sportler muss in der Athletenvereinbarung die Anti-Doping-Regeln und die IOC-Charta anerkennen. Insofern ist es total widersprüchlich, dass Frau Pechstein auf der einen Seite Verschärfungen der Anti-Doping-Gesetzgebung verlangt und auf der anderen Seite die sofortige Bestrafung durch die Sportgerichtsbarkeit aushebeln will. Das ist absurd“, sagte Vesper.

Andererseits äußerte Vesper Verständnis für die besondere Situation Pechsteins, die ohne einen positiven Befund für zwei Jahre gesperrt worden war und nun vor dem Münchner Landgericht Schadensersatz in Höhe von 3,5 Millionen Euro vom Weltverband ISU erstreiten will. „Ihre Schadenersatzklage ist verständlich. Aber Fehlurteile gibt es im Sport wie auch vor zivilen Gerichten. Uns geht es darum, es darf nicht jahrelang vor staatlichen Gerichten gestritten werden, wenn es gilt, Doping-Sünder zu überführen“, sagte der Funktionär des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).

Bisher haben 55 namhafte Sportler Deutschlands aus 16 Verbänden Pechsteins Aufruf unterschrieben, darunter die Leichtathletik-Weltmeister Robert Harting, Christian Obergföll und Raphael Holzdeppe, Biathletin Andrea Henkel und Ex-Eishockey-Profi Sven Felski. In der Erklärung steht, dass die Schadenersatzklage der fünfmalige Olympiasiegerin den unterzeichnenden Sportlern deutlich gemacht habe, dass sie mit ihrer Unterschrift unter die Athletenvereinbarung auf das Grundrecht verzichten, „selbst in existenziellen Fragen ein deutsches Gericht anrufen zu können“.

Die nun offene Anfechtung der bestehenden Athletenvereinbarung durch einen Großteil deutscher Topsportler versetzt Vesper nicht in Panik. „Ich sehe das ganz gelassen“, meinte er. Um Verständnis warb hingegen Biathlet Andreas Birnbacher, der zu den Unterzeichnern gehört. „Es geht darum, dass man die Möglichkeit hat, solch ein Problem vor deutschen Gerichten zu verhandeln. Deshalb habe ich mich der Aktion angeschlossen. Es ging nicht darum, Partei für irgendjemandem zu ergreifen“, sagte der Nachrichtenagentur dpa am Mittwoch. Von Druck der Verbände, sich der Pechstein-Erklärung nicht anzuschließen, habe er nichts gespürt.

Unterstützung erhält Vesper von DOSB-Vizepräsidentin Christa Thiel, die den bisherigen Rechtsweg verteidigt. „Eine Schiedsgerichtsbarkeit ist in ganz vielen Lebensbereichen vereinbart. Das ist keine Besonderheit, sondern schon lange explizit in der Zivilprozessordnung geregelt“, sagte die Rechtsanwältin. Die Präsidentin des Deutschen Schwimm-Verbandes verwies auf die Vollversammlung der Athletenvertreter vom 22. bis 24. November in Köln, bei der „jeder sich aufklären und informieren“ könne.

Speerwurf-Weltmeisterin Obergföll sieht sich hingegen durch die Athletenvereinbarung ihrer Rechte beraubt. „In so eine Situation, wie Claudia Pechstein geraten ist, will niemand kommen. Aber prinzipiell kann so eine Katastrophe jeden treffen“, sagte sie der „FAZ“. Man müsse eine Dopingbekämpfung unbedingt wasserdicht hinbekommen. „Eben, weil es so viele schwarze Schafe gibt, setze ich mich für ein Anti-Doping-Gesetz ein.“ Die Gewerkschaft der Polizei hatte zu Wochenbeginn die rund 80 Mitglieder der Fördergruppe der Bundespolizei aufgefordert, den Appell zu unterzeichnen.

dpa

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