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Radsport Lennart Matthusen träumt vom Profiradsport
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17:41 03.02.2019
Lennart Matthusen hat einen Traum: Radprofi werden. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

 Es sind null Grad, der kalte Südostwind zerrt an Lennart Matthusens Jacke. Während andere 17-Jährige es sich an diesem Nachmittag vor dem Fernseher bequem machen oder sich mit Freunden treffen, pest der Radrennfahrer vom Radsport Team Lübeck (RST) über die Landstraßen bei Groß Grönau.

Lennart Matthusen trainiert bei Hitze und Kälte und gibt jede Menge Freizeit für seinen Sport auf. Doch der 17-Jährige ist ehrgeizig und geht für seinen Traum bis an seine körperlichen Grenzen.

Seit 2012 sitzt Matthusen im Sattel, fährt im Sommer Rennen und trainiert im Winter auf gefrorenen Straßen. 8000 bis 12 000 Kilometer legt er im Jahr auf dem Fahrrad zurück. Er kennt das Gefühl, wenn die Oberschenkel brennen und die letzten Kilometer an die Substanz gehen. Warum quält er sich so? „Das frage ich mich auch immer wieder – vor allem im Winter“, sagt der 17-Jährige lachend. „Ein Rennfahrer macht sich nicht von allein, man muss an seine Grenzen gehen.“ Und das bedeutet eben hartes Training. Lennart Matthusen hat sein Ziel genau vor Augen: Er will Profi-Radrennfahrer werden.

2018 radelte der 17-jährige Lübecker für die U19-Bundesliga-Mannschaft Peugeot Young Lions aus Schleswig-Holstein. In der U19-Bundesrangliste landete er sogar auf Platz 42 – bester Schleswig-Holsteiner seiner Altersklasse. Dieses Jahr will der 17-Jährige wieder alles geben. „Es ist die vielleicht die letzte Chance, auf dem schnellen Weg Profi zu werden und höhere Rennen zu fahren.“ Er hofft, gesichtet zu werden und für die U19-Nationalmannschaft zu fahren.

Trainingsintensiv, teuer und Doping: Radsport in der Krise

Lennart Matthusen ist einer der wenigen Jugendlichen, die so ehrgeizig im Radsport unterwegs sind. Das liege zum einen daran, dass die Jugendlichen immer länger in der Schule sitzen, sagt Barry Lessentin, Vize-Präsident für Nachwuchs beim Radsportverband Schleswig-Holstein. Er und der ehrenamtliche Trainer Jürgen Mohr haben das Bundesliga-Team Peugeot Young Lions ins Leben gerufen. Er kennt den Alltag von Matthusen: Schule, etwas essen, trainieren und am Abend dann Hausaufgaben – für viele Jugendliche unattraktiv. „Und es hängt auch damit zusammen, dass die Kosten für so ein Sportgerät in die Höhe gegangen sind“, sagt Lessentin. 3000 bis 4000 Euro kann so ein Rennrad schon einmal kosten – ohne Ausrüstung.

Auch der Doping-Skandal Anfang der 2000er um Rennfahrer wie Jan Ulrich haben dem Sport einen enormen Imageschaden zugetragen. Doch Lessentin ist gute zehn Jahre danach wieder optimistisch gestimmt. Die Zahlen im Nachwuchsbereich gehen wieder nach oben. So gab es im Oktober 2016 etwa 90 Lizenzen für Jugendlichen in Schleswig-Holstein, 2018 schon 210. Auch die Radsportvereine stellen sich breiter auf und versuchen über das Mountainbiken junge Mitglieder zu generieren, sagt der Vize-Präsident für Nachwuchs.

Neue Vorbilder im Radrennsport

Aber auch Sportler wie John Degenkolb, Marcel Kittel oder Pascal Ackermann holen der Radrennsport aus der Krise. „Die neue, jüngere Generation sorgt dafür, dass es wieder Vorbilder im Rennsport gibt“, sagt Lessentin. Auch Lennart Matthusen hat ein Vorbild: Nils Pollit, ein 24-jähriger Radprofi, der 2017 erstmals bei der Tour de France startete. „Er hat es auch Schritt für Schritt über kleinere Teams geschafft und wurde schließlich gesichtet“, sagt Matthusen. „Was ich faszinierend finde, er ist genauso groß wie ich.“ Der 17-Jährige ist stolze 1,91 Meter groß – um möglichst wenig Windwiderstand zu haben, muss er sich auf dem Rad ganz schön kleinmachen. „Pollit kann sich da ziemlich gut verstecken“, sagt Matthusen.

Vielleicht trifft der 17-Jährige Lübecker sein Vorbild ja bald an der Startlinie. Vize-Präsident Lessentin rechnet ihm da gar nicht so schlechte Chancen aus. „Wenn er Schule und Radsport koordinieren kann, dann bin ich der Meinung, dass er das packt.“ Wille, Talent und Leidensfähigkeit habe Matthusen genug. „Er lebt für den Radsport.“

Saskia Hassink

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