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20:43 28.11.2018
Noch eine Skizze, bald in der Planung? Das neue Ostsee-Regattazentrum in Travemünde. Quelle: TMH Architekten
Lübeck

Jahreshauptversammlung des Kreisseglerverbandes Lübeck. Unter Punkt fünf schipperte da plötzlich ein Millionenprojekt um die Ecke: „Segelakademie Lübeck, erste Ideen, bisher ermittelte Rahmenbedingungen.“ Was der Kreisvorsitzende Ralf Giercke vorstellte, entpuppte sich indes als Relikt aus der vergangenen Olympia-Bewerbung. Lübeck hatte im April 2015 die Planungen für ein neues Ostsee-Regattazentrum am Travemünder Mövenstein als Überraschungspfund nach oben gespült, um so an der Seite Hamburgs als Segel-Partner in die Olympia-Bewerbung 2024 zu kreuzen. Der Coup war letztlich erfolglos, auch Hamburgs Olympia-Träume wurden bekanntlich von den Einwohnern über Bord geworfen. Doch Lübeck wollte in einem „Jetzt erst recht“ zumindest am Bau des Regattazentrums festhalten. Unter der Federführung des Lübecker Yacht-Clubs (LYC) wurde das Projekt angeschoben, nahm bisher aber nur schwer Fahrt auf.

Pro Akademie: IHK, Hansebelt und Hamburger Seglerverband

Jetzt will ihm Giercke unter neuem Namen neuen Rückenwind einhauchen. „Am Mövenstein soll ein Haus entstehen, in dem Kinder und Jugendliche untergebracht werden können, die wir zu Olympischen Spielen bringen wollen“, erklärte der Verbandschef. IHK, Hansebelt und Hamburger Seglerverband würden die Idee befürworten.

LYC-Vize Jens Kath freut sich über die Unterstützung durch Giercke & Co., stellte aber klar, dass der Lübecker Yacht-Club bei dem Projekt das Heft in der Hand habe: „Zu viele Köche verderben den Brei.“ Und wie weit ist das Projekt? Kath: „Punkt eins: Wir sind gerade dabei, abzufragen, ob Bedarf da ist.“ Vom Seglerverband, auch aus Hamburg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen gebe es Interessenbekundungen, aber keine belastbaren Zahlen. „Und die brauchen wir: Denn solch ein Haus muss man ganzjährig betreiben. Das geht nur länderübergreifend. Wir haben hier zu wenig Talente.“

Kath: „Ohne Wellenbrecher macht das keinen Sinn“

Punkt zwei: Der Bereich für Schule und Sport prüft, ob ein Wellenbrecher und ein Zentrum überhaupt genehmigungsfähig sind. „Wir sind da in Gesprächen“, erklärte Bereichsleiter Friedrich Thorn, „aber ich bin zuversichtlich, dass es genehmigungsfähig ist.“ Thorn sieht das neue Zentrum auch als Anker für den Breitensport, „es macht auch Sinn für Schulen“.

Kath stellte indes klar: „Ohne Wellenbrecher macht das aber keinen Sinn.“ Giercke würde dann an einem anderen Standort planen. Doch auch er stellte heraus: „Akzeptanz für das ganze Unterfangen gibt es nur, wenn wir Lübecker zusammenstehen.“

Babendererde: „Die Akademie wäre ein Magnet“

Doch es gibt Bedenken: „Das darf kein Fass ohne Boden werden“, warnte Michael Vogt vom Seglerverein Herrenwyk. Viele Vereine hätten gar keine leistungssportliche Ausrichtung, auch keine Jugendausbildung. Arnd Babendererde, Vorsitzender des Lübecker Segler-Vereins, findet die Idee einer Akademie gut: „Wir müssen vom Kleinklein wegkommen. Die Akademie wäre ein Magnet. Wir müssen früh mit der Förderung anfangen, um sehr gute Segler in Lübeck zu binden.“ Auch der Turn- und Sportbund unterstützt das„ambitionierte Vorhaben“. Vorsitzender Joachim Giesenberg: „Ohne Heroes gibt es keine Breite. Wir brauchen Leistungs- und Schulungszentren.“

Segel-Akademie im Überblick

Das Regatta- und Ausbildungszentrum ist auf dem Gelände des Lübecker Yachtclubs als zweistöckiger Neubau geplant. In einem ersten Entwurf haben die Lübecker „TMH-Architekten“ 2015 darin 16 Zimmer mit bis zu 60 Betten, Speise-, Fitness- und Multifunktionsraum sowie Terrasse vorgesehen. Der Bau wurde mit 2,2 Millionen Euro veranschlagt. Nur: Was das Zentrum braucht, ist einen gut 50 Meter langen Wellenbrecher vor dem Mövenstein, weil gerade junge Segler bei Ostwind nicht ablegen können. Kosten: eine Million Euro.

Jens Kürbis und Kai Dordowsky

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