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VfL Lübeck-Schwartau Bleibt Käptn Waschul an Bord?
Sportbuzzer VfL Lübeck-Schwartau Bleibt Käptn Waschul an Bord?
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21:55 15.12.2018
Familienglück vorm Zwergenwald: Martin Waschul bummelt mit Sohn Bosse (am 27. Dezember acht Monate alt) und Freundin Josephine Techert über den Schwartauer Weihnachtsmarkt. Quelle: Agentur 54°
Lübeck

Klein-Bosse, dick eingemummelt in Jacke und Strickmütze, kuschelt sich an Papas breite Schultern. Doch plötzlich ist der Wonneproppen hellwach, zeigt Mama Josi, was er auf dem Schwartauer Weihnachtsmarkt entdeckt hat. Er schaut mit großen Fragezeichen in den Augen staunend auf den Zwergenwald. Es sind die Momente, die Martin Waschul genießt, es sind die, die seit knapp acht Monaten sein neues Leben prägen. Dann wird der Käptn, die knallharte Abwehrkante, der „Aggressive Leader“ der Schwartauer Handballer zum handzahmen Kuschelbär. „Die Geburt, die ersten Tage danach, das war schon alles aufregend“, erzählt „Waschi“. Auch die Nächte ohne Schlaf. „Doch wenn er dich morgens anlacht, ist alles vergessen. Es ist richtig schön, spannend und ergreifend. Jeder Tag mit unserem kleinen Wonneproppen bringt Neues.“

Lebt seine Emotionen auf dem Spielfeld aus: Martin Waschul. Quelle: Agentur 54°

Vielleicht auch in Kürze in Sachen Handball. Denn Waschuls Vertrag beim VfL Lübeck-Schwartau läuft zum Saisonende aus. Der 30-Jährige hat Anfragen aus der Schweiz, auch von einem deutschen Zweitliga-Topklub. Geht der Käptn nach sechs Jahren im Sommer 2019 von Bord?

Friedrichs: „Waschi gehört zum VfL wie das Holstentor zu Lübeck

VfL-Chef Michael Friedrichs kann sich das nicht vorstellen: „Waschi gehört zum VfL wie das Holstentor zu Lübeck. Er ist auf und neben dem Platz mega-wichtig. Ich wünsche mir, dass er bleibt.“ Den ersten Schritt hat er getan, Waschul ein Angebot für eine Vertragsverlängerung vorgelegt. Der gebürtige Demminer, der mit seiner Familie in Stockelsdorf wohnt, verhehlt nicht, „dass wir uns hier wohlfühlen. Wir lieben die Ostsee, die Region. Das ist unsere neue Heimat.“ Auch beruflich sind die Wege vorgezeichnet. Ab Januar schreibt er seine Bachelor-Arbeit, will im Frühjahr seinen BWL-Abschluss (Internationales Management) in der Tasche haben. Vieles spricht für eine Verlängerung. Nur: Mit dem VfL ist er sich noch nicht einig.

Freundin Josi Techert: Karriere-Ende nach drei Kreuzbandrissen

Handball ist im Hause Waschul Dauerthema – aber nicht nur aufgrund des VfL. Denn Freundin Josephine Techert ist das Metier bestens vertraut – und das erstklassig. Die 32-jährige Rückraumlinke war bis 2015 Torjägerin in Buxtehude, hat in 73 Spielen insgesamt 253 Tore geworfen, ehe der dritte Kreuzbandriss ihre Karriere jäh beendete. „Die OP war schlimm. Ich habe danach gesagt, ich gehe nur zur Geburt wieder in ein Krankenhaus.“ Es folgte der Entschluss, das gemeinsame Glück in Schwartau zu suchen. Das im Job kam schnell hinzu, als Schifffahrtskauffrau beim Lübecker Unternehmen Oldendorff Carriers. Und jetzt sind sie zu dritt.

Traf gegen Dresden einmal – in dieser Saison in 14 Spielen bisher 19 Mal: Abwehrchef Martin Waschul. Quelle: Agentur 54°

Selbstredend ist Klein-Bosse dabei mittendrin im Handball-Leben. Mit dicken Ohrenschützern ist er stets bei den Heimspielen in der Hansehalle dabei. Auch am Freitag gegen Dresden (26:25). „Ein Zittersieg, am Ende bei ein, zwei Schiri-Pfiffen mit Glück für uns“, gibt Waschul zu. „Aber wir haben nach den vielen Ausfällen das Beste daraus gemacht, uns voll reingehängt.“

„Ich bin nicht der, der den Chef jede Woche anruft“

Das emotionale Spiel, das der Leidenschaft, es ist ohnehin seins. „Das ist für mich wichtig. Mein Job ist es auch, die anderen mitzureißen.“ Nicht nur. Als Käptn sieht er sich zwar als Bindeglied zwischen Team, Management und Trainer, „doch ich bin nicht der, der den Chef jede Woche anruft“. Waschul ist eher bei seinen Jungs. Er ist da, wenn es mal nicht so läuft – auch abseits der Halle. Dass er den Draht zu „Basti“ Damm hat, der nach seinem Autounfall in der Reha in Kassel ist, anfangs kaum laufen konnte, für ihn ist es selbstverständlich.

Weihnachten mit Wild, Feuerzangenbowle und Football

Auch auf dem Spielfeld ist er mehr als der, der früher die Binde trug, er ist der Abwehrboss. Zuletzt ließ er zudem seine Qualitäten als Torjäger aufblitzen, erinnerte an Wilhelmshavener Zeiten, wo er aus dem Rückraum alles kurz und klein schoss. „Das Feuer war erloschen, jetzt flackert es wieder“, sagt er und verhehlt nicht, dass es ihn wurmt, dass er im Angriff nie die Chance erhalten habe. Selbst dann nicht, als es bei Schult & Co. nicht lief. Dabei sind seine Qualitäten als Allrounder unbestritten. Bis auf Torhüter und Rechtsaußen hat er auf jeder Position gespielt.

Doch jetzt freut er sich auf Weihnachten – es ist das erste Fest zu dritt. Und das feiert er mit kleinen Traditionen: selbsterlegtem Wild („Papa ist Jäger“), Feuerzangenbowle und Football. Es ist neben dem Handball seine zweite Leidenschaft. Und vielleicht liegt dann unterm Baum auch der neue Vertrag. Noch ist offen, mit wem.

Jens Kürbis

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