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VfL Lübeck-Schwartau „Es war wie im Bilderbuch“
Sportbuzzer VfL Lübeck-Schwartau „Es war wie im Bilderbuch“
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23:12 11.02.2017
„Podde is back“: Toni Podpolinski inmitten seiner Jungs nach dem Sieg über Leutershausen und am Morgen nach seinem Comeback auf einen Kaffee mit LN-Redakteur Jens Kürbis. Quelle: Fotos: Felix König
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Lübeck

Schwartauer Stadtbäcker, morgens kurz vor neun. Auf dem Tisch vor Toni Podpolinski dampft der Caffé Latte. Die Beine leger übereinander geschlagen, plaudert „Podde“ drauf los. Es ist der Morgen nach dem 30:21 über Leutershausen, seiner Rückkehr im Trikot der Schwartauer Handballer. Dass er eine unruhige Nacht hinter sich hat, aufgekratzt war, es ist ihm nicht anzusehen. Im Gegenteil: Jede Geste, jedes Wort – Freude pur.

Erst recht beim Blick zurück. Mai 2015. Lymphdrüsenkrebs. Die Schock-Diagnose, die ihn aus dem Nichts überfiel. Die Zeit danach. Die Chemotherapie. Die Haare, die ausfielen. Die Tage, an denen selbst ein Spaziergang zu viel war, der Fall in ein tiefes Loch. „Da sitzt du zu Hause, willst in die Faust beißen.“ Er hat es durchgestanden. Dann die erlösende Nachricht im Oktober: „Der Krebs ist besiegt, sie können wieder spielen.“ Doch das hat noch 15 Monate gedauert.

Bis gestern. „671 Tage“ postete Toni Podpolinski noch aus der Halle – und meinte damit sein letztes Heimspiel am 11. April 2015 gegen Saarlouis. „Danach in Rostock saß ich nur auf der Bank, habe mich schlapp gefühlt. Das waren wohl die ersten Anzeichen“, erzählt er. „Podde is back!“ Die Nachricht jagte auch die Schwartauer Facebook-Zahlen nach oben. „Wir hatten 235 Likes, haben fast 15000 Menschen erreicht. Das gab es noch nie“, berichtete Jessica Lembke (Marketing und Vertrieb).

Es war ein Comeback ohne Ansage. „Podde macht sich sonst zu viel Druck“, hatte Torge Greve gemeint. Am Donnerstag weihte der Trainer ihn ein, erklärte, dass er ihn erst hinter der Bank lasse.

Podpolinski gesteht: „Wie es dann gelaufen ist, war wie im Bilderbuch.“ Anders als die Stunden zuvor. „Die waren eine Qual. Ich hab’ den ganzen Tag wie auf Kohlen gesessen.“ Nach 45 Minuten bedeutete ihm Greve, dass er sich im Gang warm laufen solle. In der 50. Minute war es soweit – und eine „Halle“ stand auf. Mittendrin seine Eltern, seine Nichte, die extra aus Cottbus angerollt waren, wie auch Freunde aus Hamburg. Ein besonderer Moment auch für seine Frau, die im vergangenen Jahr ihre Handball-Karriere in Buxtehude beendet hatte, in der Zeit davor immer an seiner Seite gewesen war. „Auch Jana war überwältigt“, erzählt „Podde“. Mit einem „Na toll, jetzt sind unsere freien Wochenenden vorbei“, schloss sie ihren Mann dann glücklich in die Arme.

Dabei war das Handball-Comeback nie sein Ziel gewesen. „Das war unwichtig. Das Kribbeln kam nach und nach.“ Noch nicht nach den ersten Würfen vor einem Jahr. „Da schmerzte der Arm. Die Bälle kamen kaum bis zum Tor.“ Dann folgten die ersten Finten, auch der erste Körperkontakt – und immer wieder die Reise ins eigene Ich. Wie reagiert der Körper? „Irgendwann hörten die Fragen auf, war es Alltag.“ Seit Oktober trainiert er wieder voll mit. Wunderdinge erwartet keiner. „Das Spiel war gut, um reinzukommen“, sagt Greve und ist sich sicher: „Podde kann wieder ein wichtiger Mann für uns werden.“

Der Krebs hat ihn verändert. „Ich genieße bewusster“, sagt er und meint die Zeit mit Familie, mit Freunden, auch das Studium. Seit Sommer büffelt er für BWL. Er hat seine Ernährung umgestellt. „Pizza und Döner sind mal drin, aber die Ausnahme.“ Wenn die Jungs zum Kabinenbier greifen, trinkt er Malz. „Mein Blick aufs Leben hat sich verändert. Vieles ist nicht mehr so wichtig.“ Auch, dass er beim Comeback kein Tor erzielt hat, „obwohl die Jungs das unbedingt wollten“.

Und er geht offen mit dem Thema Rückschlag um. „Mir ist bewusst, dass der Krebs wiederkommen kann, dass ein Restrisiko da ist. Aber ich denke nicht daran, lasse mich nicht nach unten ziehen. Ich stehe wieder voll im Leben.“ Und das Spielfeld gehört jetzt dazu.

Jens Kürbis

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