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Respekt vor der „Hansehölle“

Lübeck Respekt vor der „Hansehölle“

Handball-Bundesligist Hannover-Burgdorf will das Pokal-Duell heute (19.30 Uhr) beim Zweitligisten VfL Bad Schwartau nicht auf die leichte Schulter nehmen.

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Beim Test gegen Hannover-Burgdorf am 8. August 2012 (25:28) traf Henning Quade erstmals für den VfL.

Quelle: sportblitz

Lübeck. - Christopher Nordmeyer saß in der Geschäftsstelle, als ihn die Botschaft aus Wien erreichte. „Die Recken“ spielen im November, wenn sie in der dritten Runde des EHF-Pokals europäisches Neuland betreten, gegen die Schweizer Kadetten aus Schaffhausen. Doch darüber mochte der Burgdorfer Trainer nicht so viel Worte verlieren: „Europa ist noch einen Monat weg, was jetzt zählt ist Schwartau.“

Als lockeres Intermezzo zwischen den Bundesliga-Aufgaben in Emsdetten und Lemgo will er die Pokal-Partie beim Underdog allerdings nicht verstanden wissen. „Wir nehmen es genau so ernst, wie jedes Punktspiel.“ Wenn sich der TSV-Tross heute um 14 Uhr gen Lübeck bewegt, gebe es „keine Ausreden mehr“. Nordmeyer hat seine Hausaufgaben gemacht, will „nichts dem Zufall überlassen“.

Er weiß um die Stärke des VfL-Kaders, die Vor-Pausen-Blackouts, die Aufholjagden, die Pokalsiege (Lemgo, Wetzlar) sowie die „Hansehölle“. „Das begeisterungsfähige Publikum kenne ich noch aus meiner aktiven Zeit. Das ist ein Hexenkessel. Für uns gibt es keinen Grund, Schwartau zu unterschätzen.“ So wird der Erstligist um Nationaltorhüter Martin Ziemer und den estischen Rückraum-Kanonier Mait Patrail auch mit voller Kapelle in der Hansehalle einmarschieren.

Vor vier Jahren begegneten sich der VfL und die TSV noch auf Zweitliga-Augenhöhe, ehe im Relegationsspiel gegen Friesenheim ein zwei Sekunden vor Schluss erzieltes Tor Burgdorf in die Bundesliga schnellen ließ. Nach 26 Jahren. 9581 Tage nach dem Abstieg des PSV Hannover im Jahr 1983 war der Handball an der Leine wieder erstklassig. Bis 2005, bis zum Aufstieg in die 2. Liga, spielte die TSV noch in einer Schulturnhalle vor 400 Zuschauern. Burgdorf, 20 Kilometer östlich von Hannover, hat 30 000 Einwohner — und Bernd Gessert. Der Millionär ist Chef von CP Pharma, einem veterinär-pharmazeutischen Unternehmen, als Hauptsponsor so etwas wie der „Andreas Rudolph von Burgdorf“.

Sein langjähriges Engagement hatte Früchte getragen. Mehr noch: Die TSV hat sich in der Eliteliga etabliert, war mit Vorjahresplatz sechs sogar die Überraschungsmannschaft der Saison. Die Erfolge werden mittlerweile auch in der Landeshauptstadt wahrgenommen. Das „ländliche“ Team spielt nicht mehr in Turnhallen, sondern in der ehemaligen Stadionsporthalle in Hannover. 3465 Zuschauer kamen im Vorjahr im Schnitt. Die „Neue Presse“ wählte Burgdorf zur Mannschaft des Jahres 2012, noch vor den 96-Kickern.

Noch ein Indiz für die Metamorphose: Beim Aufstieg 2009 standen noch hauptberufliche Polizisten und Energieelektriker im Team, jetzt sind es 14 Handball-Profis aus acht Nationen. Auch der Etat hat sich fast verdoppelt, liegt nunmehr bei 2,6 Millionen Euro. Mit dem EHF-Pokal kommt jetzt ein weiterer Meilenstein hinzu. Mäzen Gessert spricht gar schon von Champions League.

„Das ist ein Schwergewicht, der eine großartige Entwicklung hinter sich hat“, sagt VfL-Trainer Torge Greve. Er sieht die Partie aber auch als „schönen Gradmesser“ für seine Jungs. „Viele in meinem Team wollen gern in die erste Liga, das Spiel wird ihnen zeigen, was ihnen fehlt.“ Ein Weiterkommen wäre so für ihn „eine faustdicke Überraschung“. Auch für Torjäger Jan Schult, der das Spiel aber als „leichteste Partie des Jahres“ sieht: „Wir können nur gewinnen.“ VfL-Chef Christian Fitzek setzt derweil auf den „Wetzlar-Effekt“: „Im Vorjahr sind die als Mannschaft der Stunde zu uns gekommen und wir haben sie rausgekegelt. Auch die Burgdorfer müssen ihre Hintern in eine kleine Turnhose zwängen.“

Jens Kürbis

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