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VfL Lübeck-Schwartau Schwartaus untypischer Sieg
Sportbuzzer VfL Lübeck-Schwartau Schwartaus untypischer Sieg
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10:17 22.03.2016
Scheint den eroberten Ball nicht wieder hergeben zu wollen: Markus Hansen bot eine hoch konzentrierte Leistung am eigenen Kreis. Quelle: König
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Lübeck

Die Jungs aus der männlichen Jugend E des TSV Süsel kamen genauso zu ihrem Recht wie all die anderen Autogrammjäger in der Hansehalle. Zwar erkennbar ausgepowert nach einem intensiven Spiel, aber in erster Linie hoch zufrieden mit sich und erleichtert ob des wichtigen 32:25 (16:13)-Sieges gegen HF Springe, nahmen sich Schwartaus Zweitliga-Handballer alle erdenkliche Zeit, um die vielen jungen Fans mit handgeschriebenen Andenken an einen Sonntag zu versorgen, der so besonders war, weil so untypisch.

Untypisch, weil den Schwartauern ein deutlicher Sieg gelungen war in der Hansehalle, in der die diesmal 1817 Zuschauer zuvor regelmäßig höchste Spannung, nicht selten bis zum letzten Wurf, erlebt hatten. Untypisch auch, weil sich die VfLer keine zehnminütige Auszeit ohne eigenen Treffer genommen hatten. Was zu letztlich 32 Treffern in 60 Minuten führte und ebenso untypisch für den VfL ist, dessen Schnitt bei nun 755 Toren aus 30 Spielen bei 25 liegt.

Ein ähnlich deutlicher Heimsieg war dem VfL zuletzt im Oktober vergangenen Jahres gelungen, beim 28:22 gegen Bietigheim. Jener Gegner also, der nun einen gehörigen Anteil an der Leistung des VfL gegen Springe hatte. Denn nach dem desolaten 25:36 bei den Schwaben, einem „Spiel zum Vergessen“ am Freitag, hatte sich die Mannschaft neu eingeschworen. „Wir wollten eine Reaktion zeigen , und wir haben eine Reaktion gezeigt“, stellte Markus Hansen zufrieden fest. „Wir wollten allen, aber vor allem uns selbst zeigen, dass Bietigheim ein Ausrutscher war.“

Der 23-jährige Linksaußen war das Paradebeispiel für eine Schwartauer Mannschaft, die hoch motiviert, voll konzentriert und hellwach agierte. Zunächst auf der Halbposition am eigenen Kreis aufgeboten, stand er schließlich auch im Mittelblock seinen Mann, als Jan Schult nach seiner zweiten Zeitstrafe aus dem Zentrum des Geschehens nach außen rückte. Hansen blockte mit Tobias Skerka, dem bemerkenswert beweglichen, 40-jährigen Ersatzmann für Abwehrchef Martin Waschul, eine ganze Reihe Springer Wurfversuche. Und er war am gegnerischen Kreis mit vier Treffern über Gegenstoß, aus spitzem Winkel oder dem Rückraum Bestandteil eines variablen und nur schwer ausrechenbaren VfL-Angriffs.

In dem agierten Rückraum-Linkshänder Antonio Metzner mit acht Treffern (bei zehn Versuchen) und Marius Fuchs als wieselflinker und extrem wendiger Kreisläufer (vier Treffer und drei herausgeholte Siebenmeter) besonders auffällig. „Wir haben immer wieder gute Lösungen gefunden“ war auch Torge Greve zufrieden mit einer „hohen Trefferquote von allen Positionen“. Und das gegen die in diesem Jahr — bis zum so untypischen Sonntag — unbesiegten Gäste, die in acht Spielen im Schnitt nur 23 Treffer kassierten.

„Daniel Pankofer hat zwar nur per Siebenmeter getroffen, aber unser Spiel extrem gut gesteuert“, lobte Greve auch seinen Spielmacher. Dass er die Mannschaft nach fast 20 Minuten schließlich doch noch in die Kabine beorderte, obwohl noch ein paar Autogrammjäger warteten, war indes seinen Trainerprinzipien geschuldet: „Ich habe sie mir am Freitag nach dem Bietigheim-Spiel noch in der Kabine zur Brust genommen, deshalb habe ich sie jetzt auch gleich nach dem Spiel in der Kabine gelobt“, verriet Greve und ergänzte: „Das war wieder die Mannschaft, wie ich sie kenne.“ Auch wenn einiges durchaus untypisch war.

DREI FRAGEN AN...

1 Am Freitag eine Elf-Tore-Niederlage, zwei Tage später ein Sieben-Tore-Sieg — wie geht das? Gegen Bietigheim war ein Spiel zum Vergessen. Da haben wir fast alles falsch gemacht. Jetzt waren wir maximal motiviert vor diesem Vier-Punkte-Spiel, wir haben es gut auf den Punkt gespielt und nun wieder fünf Punkte Vorsprung auf Springe.

2 Einfach mal so alles besser gemacht? Wir haben uns vom Spiel am Freitag nicht irritieren lassen. Wir wussten, wenn wir unsere Leistung bringen, kann Springe nicht mithalten. Und so war es ja dann auch.3 Wie war die Marschroute, was war entscheidend? Wir wollten Springes starkes Kreisspiel verhindern, das ist nicht immer, aber oft gelungen. Und wir wollten nicht wieder 25 verschiedene Spielzüge probieren, sondern uns auf wenige Auslösehandlungen beschränken. Und dann haben wir viele richtige Lösungen gefunden.

Statistik zum Spiel

VfL Bad Schwartau: Klockmann (1.-60., 16 Paraden/davon 1 Siebenmeter), Mallwitz (für 1 Siebenmeter) - Glabisch, Akermann (1), Hansen (4), Ranke (n.e.), Schult (5), Pankofer (3/3), Fuchs (4), Schlichting, Skerka, Bruhn, Metzner (8), Wischniewski (7).

HF Springe: Wetzel (bis 46./11 Paraden, davon 1 Siebenmeter), Wendland (ab 46./4 Paraden) - Eichenberger (3), Coors (1), Bosy (2), Fauteck (1), Schüttemeyer, Hinz (8/7), Ossenkopp (3), Pollex (2), Tesch (5).

Zuschauer: 1817.

Siebenmeter: 4/3 (Pankofer scheitert an Wetzel) - 7/6 (Hinz scheitert an Klockmann)

Zeitstrafen: 4 - 4

Spielfilm: 2:0 (6.), 6:4 (12.), 6:6 (14.), 8:9 (20.), 10:12 (24.), 14:12 (27.), 16:13 (30./HZ) - 20:16 (42.), 25:19 (51.), 27:20 (54.), 27:23 (56.), 32:25 (60.).

Von Christian Schlichting

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