Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Buntekuh Sie kümmern sich: 50 Jahre für Buntekuh
Thema B Buntekuh Sie kümmern sich: 50 Jahre für Buntekuh
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:57 19.02.2016
Freie Sicht auf St. Marien und St. Petri: Richtfest am Karavellen-Hochhaus, Juni 1965. Quelle: Fotos: Ln-Archiv, Hanno Kabel, Lutz Roeßler
Buntekuh

Auf den Bildern in der ersten Ausgabe des Stadtteil-Magazins „Fregatte“ von 1966 sind überall Sandhaufen zwischen den noch nackt wirkenden Neubauten zu sehen. Buntekuh war ein einziger, großer Neubau, ein auf dem Reißbrett entstandener Stadtteil, in dem einmal 10000 Menschen wohnen sollten. Unter den ersten Bewohnern herrschte eine Art Pioniergeist. Vor 50 Jahren, am 25. Februar 1966, gründeten 32 von ihnen den Anwohnerverein Buntekuh.

Jubiläumsfest

Mit einem Stiftungsfest am Sonnabend, 27. Februar, feiert der Anwohnerverein Buntekuh sein Gründungsjubiläum im Hanseatischen Hof, Wisbystraße.

Karten zu 37 Euro sind morgen zwischen 11 und 12 Uhr im Haus der Begegnung, Karavellenstraße 8, erhältlich — oder bis Sonntagabend telefonisch unter 0451/891677.

Heute hat der Verein 200 Mitglieder und ist die unangefochtene Anlaufstelle der Bewohner bei allen Sorgen und Ärgernissen. Sie wenden sich an den Vorstand wegen des noch immer brachliegenden Geländes, auf dem bis 2005 das Pinassen-Hochhaus stand, oder wegen der fehlenden Einkaufsmöglichkeiten. 50. Jubiläum feiert auch die „Fregatte“, die vier Mal im Jahr mit Nachrichten und Mitteilungen aus dem Stadtteil erscheint. Der Verein veranstaltet Kinderfeste, Laternenumzüge, Ausflüge, Theateraufführungen — und versteht sich als eine Art Stadtteillobby.

Zu den Gründungsmitgliedern gehörte Peter Keusch (78), seit 26 Jahren Vorsitzender des Vereins. „Damals standen erst fünf Häuserblocks“, erinnert er sich. „Es gab noch nicht einmal eine Schule für die Kinder.“ Sein Vorstandskollege Stefan Hußfeldt (51) kam als Kleinkind 1966 nach Buntekuh. „Meine Eltern waren richtig froh, hier eine Zweieinhalb-Zimmer- Wohnung zu finden“, sagt er.

Detlef Räthke, der stellvertretende Vorsitzende, vergleicht das Buntekuh von damals mit dem Hochschulstadtteil von heute. „Jüngere Familien haben sich hier in Buntekuh gedrängelt“, sagt er.

Neubauviertel in Blockbauweise mit großen Hochhäusern hatten damals noch nicht das schlechte Image, das sie später einmal bekommen sollten. „Es war geplant als Stadtteil im Grünen“, sagt Räthke.

„Einiges ist gutgegangen — so wie die Blocks an der Korvettenstraße; einiges ist schiefgegangen — so wie das Pinassen-Hochhaus.“ Dieses Haus, ein Symbol für die sozialen Brennpunkte der Stadt, wurde 2005 abgerissen. Ähnlich verrufen war lange Zeit der Hochhauskomplex am Hudekamp. Inzwischen ist auch dort die Zeit der Verwahrlosung und der sozialen Konflikte vorbei — nicht zuletzt dank eines von der Stadt betriebenen Nachbarschaftsbüros.

Die Kriminalitätsrate liegt nicht höher als in anderen Stadtteilen, aber die Vorurteile sind haltbarer als die Realität. Die Vereine im Stadtteil wollen ihnen jetzt mit einem „Arbeitskreis Image“

begegnen. Die tatsächlichen Probleme Buntekuhs sind die gleichen wie die vieler anderer Wohnviertel auch: Die Infrastruktur ist nicht auf eine alternde Bevölkerung eingestellt. „Es gibt viele Einkaufsmöglichkeiten rundherum — aber nicht für die, die mit einem Rollator rumlaufen“, sagt Räthke.

Tatsächlich liegt der Bevölkerungsanteil der über 64-Jährigen mit 24 Prozent leicht über dem der gesamten Stadt (22,9 Prozent). Dafür hat Buntekuh allerdings in ganz Lübeck den höchsten Anteil von Kindern und Jugendlichen: 19,1 Prozent (Lübeck: 15,2 Prozent, alle Zahlen Stand Ende 2014). Zugleich hat es den mit Abstand höchsten Einwandereranteil: Ende 2015 hatten 39,6 Prozent der Bewohner einen Migrationshintergrund (Lübeck: 21,7 Prozent). Im Anwohnerverein allerdings gibt es keine Einwanderer. Wie kommt das? „Ja, das ist ‘ne gute Frage“, seufzt Räthke. „Bei den Veranstaltungen machen alle mit, da sind sie sehr aktiv, aber Mitglieder? Nein.“

Der Anwohnerverein hat viel für den Stadtteil getan — ob es um die Fußgängerbrücke über die Bahnlinie, die Neugestaltung des Gebiets zwischen Bahnlinie und Karavellenstraße oder die Ampelschaltung an der Grapengießerstraße geht. Und er hat viele treue Mitstreiter: 13 von ihnen hat er gerade für 50-jährige Mitgliedschaft geehrt.

Hanno Kabel

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!