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Asphalt statt Kopfsteinpflaster: Koberg-Fahrbahn wird erneuert

Lübeck Asphalt statt Kopfsteinpflaster: Koberg-Fahrbahn wird erneuert

Die Straße über den viel diskutierten Platz wird in diesem Jahr für 550 000 Euro saniert — wird die einzige Durchfahrtsmöglichkeit in der Altstadt dafür im Sommer gesperrt?

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1987 war der Platz asphaltiert — mit vier Fahrspuren, Parkplatz, Bushaltestelle.

Lübeck. Kein Kopfsteinpflaster am Koberg: Die Stadt will die Straße an dem Platz in diesem Sommer asphaltieren. Kosten: 550000 Euro. Damit fasst die Stadt ein äußerst sensibles Thema an — denn der Koberg gehört zu den Plätzen in der Altstadt, über die seit Jahrzehnten gestritten wird. Der Grund für die Sanierung: Lärm und Erschütterungen. Täglich rollen 6500 Fahrzeuge am Koberg entlang, darunter 900 Lastwagen und Busse, die auf elf Linien die Straße passieren. Die Busse machen die Fahrbahn kaputt. Zudem nutzen 1250 Radfahrer pro Tag den Weg. Dauer der Arbeiten: sechs bis acht Wochen. Voraussichtlich wird zwischen dem 25. Juli und dem 3. September gearbeitet, zum größten Teil in den Sommerferien.

Dabei könnte die einzige Durchgangsstraße in der Altstadt voll gesperrt werden, damit die Baustelle schneller und günstiger wird. Doch das ist noch unklar.

Klar ist aber schon: „Das Kopfsteinpflaster kommt weg“, sagt Stefan Klotz, Bereichsleiter Verkehr. Denn: Es zu sanieren, sei viel aufwendiger und teurer als eine Asphaltstraße. Zudem:

„Kopfsteinpflaster ist deutlich lauter.“ Die Stadt will dort Flüster-Asphalt verwenden. Denn die umliegenden Häuser, darunter die Pastorenhäuser St. Jakobi und das Heiligen- Geist-Hospital, haben bereits Risse durch die Erschütterungen, die die vielen Fahrzeuge auf dem Koberg erzeugen. Und: „Für die Radfahrer ist es die beste Sanierung 2016“, so Klotz. Denn auf Kopfsteinpflaster zu fahren, ist unangenehm und auch gefährlich.

Die Straße am Koberg wird von Grund auf neu aufgebaut — nicht nur oberflächlich. Bis in 60 bis 75 Zentimeter Tiefe wird die Fahrbahn zwischen Engelsgrube und Großer Gröpelgrube aufgebuddelt. Das Problem: Unter dem Kopfsteinpflaster befindet sich schlechtes Material. Das muss raus. Daher ist die Sanierung des 280 Meter langen Abschnitts recht teuer. Die Farbe des Asphalts soll möglichst dunkel gehalten sein. Der Koberg als Platz soll mit Granitquadern abgegrenzt werden, die entfernt werden können, erklärt Verkehrplaner Helmut Schünemann. Dadurch werden die vielen Schilder dann überflüssig.

Die Stadt wollte die Straße am Koberg bereits seit Jahren sanieren. Doch immer wieder wurde das Vorhaben verschoben, weil andere Bauprojekte als wichtiger erachtet wurden. Dieses Jahr ist das Geld reserviert — mit einem Warnsignal: „Spätestens 2016 wird die Verkehrssicherungspflicht nicht mehr aufrechterhalten werden können.“ Heißt: Dann gibt es so viele Risse in der Straße, dass ein Befahren gefährlich ist. Da die Busse am Koberg eine S-Kurve fahren, wird der Mörtel zwischen den Pflastersteinen immer wieder herausgedreht — und es wird vor allem bei Regen eine rutschige Angelegenheit.

Außerdem: „Wenn es leiser wird auf dem Platz, dann kann man darüber nachdenken, wie er belebt werden kann“, so Bausenator Franz-Peter Boden (SPD). Denn der Koberg gehört zu den kontrovers diskutierten Plätzen der Hansestadt. Im Auftrag der Stadt hat die Possehl-Stiftung dort Anfang der 1990er-Jahre einen Wettbewerb bezahlt. In der Folge wurde die damals vierspurige Straße mit Mittelinsel und Bushaltestelle völlig verändert. Es wurde das heutige Kopfsteinpflaster verlegt, ein Brunnen und eine Gerichtslaube aufgestellt. Doch die Lübecker liebten den Platz nicht. Kunst sollte das ändern. Wieder griff die Possehl-Stiftung tief in die Tasche und zahlte einen Wettbewerb. Das Lichtquadrat von Peter Turpin wurde Ende 2008 installiert, funktionierte aber nicht so, wie sich der Künstler das vorstellte. Daher wurde es 2010 wieder abgerissen. Und niemand wollte das heiße Eisen Koberg wieder anfassen. Nun macht sich das Bauamt dran.

Es gibt immer wieder Initiativen, die das Geibel-Denkmal auf dem Koberg sehen wollen. Zuletzt forderte es die FDP. Auch Brunnen, Bänke und Bäume wollen die Lübecker immer wieder für den Platz. Doch jede Belebung des Kobergs ist bislang kläglich gescheitert. Selbst ein Wochenmarkt hat sich dort nicht halten können. Und der Koberg wird immer wieder als Parkplatz zweckentfremdet.

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1210 wurde vor dem Haus des Stadtvogts eine Fläche errichtet, die auch für Gerichtsverhandlungen genutzt wurde. Nach dem Stadtbrand von 1276 wurden die Holzhäuser durch eine steinerne Bebauung ersetzt. Die heutige Anordnung der Gebäude wurde schon 1280 so festgelegt. Der Koberg entwickelte sich zum bevorzugten Wohnstandort. Vom 14. bis Anfang des 19. Jahrhunderts war der Koberg vor allem Marktplatz, auf dem die Landbevölkerung ihre Waren verkaufte. Gleichzeitig diente er als Gerichtsplatz. Die kleine Gerichtslaube stand mitten auf dem Platz. Im 18. Jahrhundert wurde sie als Verkaufsstand für Rindfleisch genutzt.
1860 wurde der Koberg erstmals gepflastert. Seither prägen Fahrbahnen und asphaltierte Gehwege den Koberg. Zwischen 1888 und 1936 wurde er zum Geibel- Platz umgestaltet. Relikte sind die Vorgärten an der Nordseite. Das Geibel-Denkmal steht noch heute in der Königstraße. Seit den 1950er-Jahren entwickelte sich der Koberg zum Verkehrsplatz. Ende der 1980er-Jahre parkten die Autos dort, es gab eine vierspurige Fahrbahn und eine Mittelinsel samt Bushaltestelle. Anfang der 1990er-Jahre wurde er letztmals umgestaltet, die Straße wurde gepflastert.

Josephine von Zastrow

Lesen Sie auch den Kommentar zu den Asphalt-Plänen auf dem Koberg

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