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Innenstadt Der Davidstern soll wieder strahlen
Thema I Innenstadt Der Davidstern soll wieder strahlen
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20:21 18.01.2016
Besuch in der Werkstatt: Ella Kondraschewa (Mitte) und Irmgard Hunecke schauen Eva-Maria Ziegler (l.) bei der Arbeit zu. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat

Kirchenfenster sind üblicherweise nicht nur dafür gedacht, Licht ins Gebäude zu lassen. Mit ihrer Farbigkeit und ihren Mustern schaffen sie ein ganz besonderes Licht, erzählen Geschichten oder enthalten Symbole. Auch die Fenster der Lübecker Synagoge, genauer gesagt die Oberlichter — insgesamt etwa acht Quadratmeter groß — sind farbig. Auf ihnen finden sich mauretanische Ornamente und Davidsterne. Sie wurden 1880 eingebaut, wurden im Laufe der Jahrzehnte immer einmal wieder notdürftig geflickt und sind zum Teil so eingestaubt, dass kaum noch Licht einfallen konnte. Seit September sind die 53 Glasfelder in guten Händen: in denen von Glasrestauratorin und Glasmalerin Eva-Maria Ziegler.

Die Glasfenster, die laut Denkmalpflegerin Dr. Irmgard Hunecke der Belichtung der Apsis (Gewölbe, Anbau an Hauptbau) dienten, sind nur ein kleiner Teil der derzeit laufenden Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten am Gotteshaus der jüdischen Gemeinde Lübeck. Sie stammen ebenso aus dem Historismus wie die Wandmalereien. Die Denkmalpflege hatte positive Stellungnahmen zur Glasmalerei abgegeben. Auch die Fenster liegen im Förderbereich, der laut Architekt Thomas Schröder-Berkentien seit Baubeginn bislang 2,4 Millionen Euro aus Stiftungs- und Bundesmitteln umfasst.

Ella Kondraschewa von der jüdischen Gemeinde, seit September 2015 Projektleiterin für die Synagogen-Sanierung und vor allem zuständig für Fundraising, möchte der Öffentlichkeit Gelegenheit geben, Einblicke in die Sanierung zu erhalten und auch künftig das Geschehen in der jüdischen Gemeinde zu verfolgen. „Wir werden im Frühling ein Benefizkonzert organisieren“, kündigt sie an und appelliert zugleich an die Lübecker: „Richten Sie bitte Veranstaltungen zugunsten der Sanierung der Synagoge aus!“

Die Restaurierung der Glasfenster ist laut Eva-Maria Ziegler mehr als ein netter Nebeneffekt der Synagogen-Sanierung: „Es geht um die Stabilität der Scheiben“, sagt sie, „die waren teilweise zerbröselt.“ Notdürftig habe man zum Teil in vergangenen Jahrzehnten Glasteile aneinandergeklebt, anderes einfach mit Silikon geflickt. „Recherchen zu vorigen Sanierungen waren leider erfolglos“, sagt Ella Kondraschewa. Also geht Eva-Maria Ziegler nach ihrer bewährten Devise vor: „so viel wie nötig, so wenig wie möglich“ zu erneuern. Doch bevor sie Glas ergänzt, Bleieinfassungen lötet oder auf Glas malt, müssen die Scheiben gründlich gereinigt werden. Hierfür hat sie kein Zaubermittel: „Destilliertes Wasser und grüne Seife“, sagt die Restauratorin, „schön vorsichtig.“

Begonnen hat Ziegler im vergangenen Herbst mit der Restaurierung, eigentlich wollte sie bis Ostern fertig sein. „Doch leider ist mir zwischendrin das Blei ausgegangen, der Lieferant kann nicht nachliefern.“ So wird es länger dauern. Doch etliche der Scheiben erstrahlen wieder in neuem Farbglanz, sehr zur Freude der jüdischen Gemeinde.

Aufwendige Sanierung
2014 im Sommer beginnt die Sanierung der Lübecker Synagoge. Sie umfasst drei Bauabschnitte: Fundamente werden frei- und trockengelegt, Rettungstreppen im hinteren Bereich installiert. In weiteren Schritten werden ein neuer Eingangsbereich und ein barrierefreier Zugang geschaffen, die Wandmalereien freigelegt. Im November 2015 ist laut Architekt Thomas Schröder-Berkentien finanziell mit 2,4 Millionen Euro wie baulich die Halbzeit erreicht.

Sabine Risch

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