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Innenstadt Mit einem Trockenrasierer fing alles an
Thema I Innenstadt Mit einem Trockenrasierer fing alles an
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20:37 31.07.2015
So kennt man Regine Pluschke, die das Geschäft ihrer Eltern seit 32 Jahren leitet: Freundlich lächelnd und immer im Dienst des Kunden. Quelle: Risch
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Innenstadt

Eigentlich kennt es jeder, das kleine Fachgeschäft in der Wahmstraße mit dem sehr besonderen Sortiment: Hannemann Rasierer. Seit dem 1. August 1965 ist dieses Spezialgeschäft in der Hansestadt ansässig — und feiert am Sonnabend 50-jähriges Jubiläum.

Wer vor dem Haus Wahmstraße 22 steht, fühlt sich ein wenig zurückversetzt in jene Zeiten, als der Tenor Erich Hannemann beschloss, in Lübeck zu bleiben. Bis dahin war er als Sänger viel unterwegs, stets begleitet von Ehefrau Charlotte und Tochter Regine. Nach einem Engagement am Theater Lübeck hatte die kleine Familie die Hansestadt als neue Heimat auserkoren. Erich Hannemann, damals bereits 50 Jahre alt, suchte sich einen Broterwerb und eröffnete zunächst in der Wahmstraße 38 ein Geschäft für Rasierer. Wie er ausgerechnet darauf kam, weiß Tochter Regine Pluschke nicht mehr genau.

Ausschließlich Trockenrasierer gab es zu Beginn in dem Fachgeschäft zu kaufen. Erst in den 80er- Jahren, als die inzwischen erwachsene und in Süddeutschland lebende Regine Pluschke nach Lübeck zurückkehrte, um ihren erkrankten Eltern im Laden zu helfen, änderte sich das nach und nach. „Es war schon schwierig, meinen Vater davon zu überzeugen, auch Zubehör für die Nassrasur ins Sortiment aufzunehmen“, erzählt die 64-Jährige, die seit 32 Jahren in der Fachhandlung tätig ist. Geschickt fuchste sie sich in die Rasierer-Wartung und Reparatur ein und ergänzte das Angebot im Laden.

Nach und nach kamen Schneidwaren — Scheren und Messer — hinzu, später auch immer mehr Linkshänder-Artikel. „Ich habe im Laufe der Jahre vieles ausprobiert“, sagt Regine Pluschke, der stets am Erhalt des kleinen Fachgeschäftes gelegen war. „Alles, was ich mit der Zeit dazugenommen habe, geht auf Kundenwünsche zurück“, sagt sie. So habe eine Kundin händeringend ein Fischmesser für Linkshänder gesucht — worauf die Geschäftsfrau entsprechende Produkte ins Sortiment aufnahm. Keine schlechte Idee, immerhin machen 30 Prozent der Deutschen die wichtigen Dinge des Lebens mit links. Und so verkauft Pluschke nun unter anderem Korkenzieher, Suppenkellen, Portemonnaies, Armbanduhren und natürlich allerlei andere Schneidwaren.

Vielleicht, meint sie, sei das ihr Erfolgsrezept: „Dass ich immer darauf geachtet habe, was die Leute möchten — ohne mich zu verbiegen.“ Regine Pluschkes Fachgeschäft lebt von Stammkunden — teils über Generationen. „Ein junger Hamburger, dessen Großvater schon bei meinen Eltern Kunde war, kommt regelmäßig zu mir, wenn er seine Familie in Lübeck besucht“, erzählt sie und freut sich über derlei Kontakte. Ebenso ist Regine Pluschke froh darüber, dass ihre engste Mitarbeiterin Brigitte Levermann nun schon seit stolzen 25 Jahren bei ihr arbeitet. „Das ist toll, oder?“, fragt sie und kündigt eine besondere Doppel-Jubiläumsfeier zu zweit an.

Mit ihren Kunden und solchen, die es noch werden wollen, feiert Regine Pluschke am morgigen Sonnabend, 1. August, mit kleinen Überraschungen und Getränken das 50-jährige Geschäftsjubiläum. Bis Ende August läuft zudem ein Gewinnspiel: Gesucht werden die schönsten Babyfotos aus den 60er-Jahren. Unter allen eingereichten Fotos werden die drei schönsten gewählt und mit wertvollen Preisen belohnt.

Gekürt werden die Bilder von den Kunden — und auch drei Wähler können dabei Sachpreise gewinnen.

Viel Tradition
Die familieneigenen, seit vielen Jahren bestehenden Traditionsgeschäfte sind rar, aber einige gibt es noch — sogar deutlich ältere als Hannemann.
254 Jahre alt ist das Wäschegeschäft Torkuhl, das in neunter Generation geführt wird. 110 Jahre alt ist Betten Struve, ebenfalls geführt von der Gründer-Familie. Vor 79 Jahren übernahm Familie Schümann das Schuhhaus am Kohlmarkt, Schuback ist seit 68 Jahren in Lübeck ansässig.

Sabine Risch

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