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Nach dem Hansefestival: Soll die Altstadt autofrei werden?

Lübeck Nach dem Hansefestival: Soll die Altstadt autofrei werden?

Debatte über weniger Verkehr in der Altstadt neu entflammt – CDU und Grüne wollen Testphase – SPD fordert ein Gesamtkonzept – Thema in der Bürgerschaft.

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Menschen statt Autos: Etliche Straßen in der Altstadt waren beim Festival gesperrt. Jetzt entflammt die Debatte neu.

Quelle: Fotos: Roeßler, Neelsen, Maxwitat

Innenstadt. . Altstadt ohne Autos – oder zumindest mit weniger Fahrzeugen. Das wird nach dem Hansekultur-Festival in Lübeck diskutiert. Wegen des Festes war am vergangenen Wochenende die Durchgangsstraße durch die Altstadt gesperrt – von der Großen Burgstraße am Koberg entlang, durch die Breite Straße bis zur Hälfte der Beckergrube. Die Busse wurden allesamt umgeleitet. Immerhin fahren 900 Busse am Tag am Koberg entlang, elf Linien führen daran vorbei. Durch die Königstraße fahren sonst täglich geschätzte 500 Busse, die sieben Linien bedienen.

LN-Bild

Debatte über weniger Verkehr in der Altstadt neu entflammt – CDU und Grüne wollen Testphase – SPD fordert ein Gesamtkonzept – Thema in der Bürgerschaft.

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„Ganz neue Dimensionen des Altstadterlebens sind möglich, wenn keine störenden Autos Fußgänger an den Rand drängen“, sagt Detlev Stolzenberg. Der Stadtplaner und Politiker, der für die Partei-Piraten im Bauausschuss sitzt, fordert: „Der Durchgangsverkehr über den Koberg muss endlich raus.“ Buslinien sollen zum großen Teil an den Altstadtrand verlagert werden, kleine Elektrobusse in die Stadt pendeln. Die Partei-Piraten bereiten einen Antrag vor, den Durchgangsverkehr aus der Großen Burgstraße, dem Koberg, der Beckergrube und der Breiten Straße herauszunehmen. Das Hansekultur-Festival habe gezeigt, was möglich sei, erklärt Jörn Simonsen vom Vorstand des Architekturforums: „Das war ein echter Feldversuch am Wochenende.“ Er habe viele positive Rückmeldungen von Besuchern des Festivals erhalten.

Unterstützung kommt von der Bürgerinitiative Rettet Lübeck (Birl). „Wir begrüßen den Vorstoß sehr“, sagt Jörg Sellerbeck. In Städten wie Florenz sei die Altstadt seit 20 Jahren verkehrsberuhigt. Er hat einen Plan für die Zukunft der Altstadt: Der Abschnitt vom Burgtor bis zur Beckergrube soll autofrei werden. Ein neues Parkhaus neben der Musik- und Kongresshalle (MuK) könnte die Autos beherbergen, die Beckergrube würde zur Flaniermeile und vor dem Stadttheater ein Platz errichtet werden. Im Gegensatz zu Stolzenberg ist sich Sellerbeck sicher: „Wir brauchen keine Elektrobusse durch die Stadt.“ Die Haltestellen sollen an der Kanalstraße oder Untertrave platziert werden, so würden auch die nach oben führenden Rippenstraßen belebt. Die Anwohner dürften mit dem Auto in die Altstadt fahren. Aber: „Wir müssen den allgemeinen Verkehr reduzieren.“

Zu einer Testreihe rät die CDU. „Die Altstadt könnte am Wochenende autofrei sein – so wie die Hüxstraße am Sonnabend“, sagt Hauke Wegner, denkmalpolitischer Sprecher. Das könne schon in Kürze getestet werden – beispielsweise zum verkaufsoffenen Sonntag am 5. Juni. Wegner: „Es muss was passieren.“ Fraktionschef Andreas Zander ist ebenfalls fürs Ausprobieren. Er könnte sich vorstellen, dass die Königstraße zur Vorweihnachtszeit ohne Autos auskommt. Aber: „Wir müssen zunächst sehen, was wir mit unserer Altstadt wollen.“

Einen entsprechenden Antrag hat die SPD in die Bürgerschaft am Donnerstag eingereicht, den die CDU im Prinzip unterstützt. Auch die Grünen sind angetan. „Die Altstadt soll verkehrsberuhigt werden – diese Grundsatzentscheidung muss in der Bürgerschaft fallen“, sagt Grünen-Kreischef Thorsten Fürter, „wir sollten aber nicht in die Lübecker Krankeit verfallen, zehn Jahre zu diskutieren.“

SPD-Fraktionschef Jan Lindenau will keine neue Verkehrsführung ohne intensiven Dialog mit Anwohnern, Verbänden und Handel. „Wir brauchen eine grundsätzliche Entscheidung, die mehrere Jahre trägt.“

Das Hansekultur-Festival habe ein Lebensgefühl ausgedrückt. Lindenau: „Wir sollten daraus nicht schließen, dass nun Verkehre umgelenkt werden müssen.“

Josephine von Zastrow und Kai Dordowsky

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