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Innenstadt St. Petri: Tag der Wissenschaft sagt „Tschüss“
Thema I Innenstadt St. Petri: Tag der Wissenschaft sagt „Tschüss“
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20:17 17.10.2015
Dosen-Drums: Lukas Rix (16) und Niklas Schwehm (13, r.) haben sie gebaut — mit Christian Schones (30, l.) Hilfe. Quelle: Fotos: Neelsen

Es ist zu klein. Das Handy passt nicht rein in das Täschchen. Vielleicht sitzt das von Mama besser? Tatjana hält ihr Werk in die Höhe. Selbstgenäht hat sie die Handytasche aus hellblauem Stoff mit bunten Punkten. Es ist das erste Mal, dass die Achtjährige mit der Nähmaschine arbeitet. Und das am Informatik-Stand — mitten in St. Petri. Sie ist eine von 2000 Besuchern, die der Tag der Wissenschaft angelockt hat.

Doch was hat die Nähmaschine mit Informatik zu tun? „Es gibt so viele Handys mit kaputtem Bildschirm“, sagt Katharina Weiß. Die 34-Jährige ist Koordinatorin des Projekts „Lübecker Informatik an Schulen“ (LIaS), das Teil der Schülerakademie an der Uni ist. Durch das Nähen ergibt sich ein spielerischer Kontakt zur Informatik. „Informatik ist mehr als Programmieren — man muss kreative Ideen entwickeln“, sagt Weiß.

Und dabei geht es vor allem darum, sie auch zu realisieren. Wie es Lukas Rix (16) und Niklas Schwehm (13) gemacht haben. Der eine hält den Laptop, der andere die Drumsticks. Mit denen spielt Niklas auf leeren Lavazza-Kaffeedosen — und aus den Boxen neben dem Computer dröhnt ein Schlagzeug-Rhythmus. „Wir hatten so viele Kaffee-Dosen“, berichtet Informatik-Student Christian Schone. Was tun? Ein Mini-Schlagzeug bauen — aber natürlich mit Computer- Anschluss. Man nehme einen Sensor, der per Berührung ein Stromsignal sendet. Dazu kommt ein Mikrocontroller — ein Ein-Chip-Computersystem, kaum größer als zwei Briefmarken. Der Sensor kommt in die Kaffeedose — wer darauf schlägt, schickt ein Stromsignal an den Computer, der produziert den Schlagzeug- Sound. „Es ist einfach zu programmieren und einfach zu bauen“, sagt Schone. Deshalb hat er das Projekt mit den beiden Thomas-Mann- Schülern auch verwirklicht. „Man soll die Sachen zu Hause selbst bauen können“, sagt der Master-Student.

Bisher gibt es allerdings nur diesen einen Prototyp des Kaffee-Dosen- Schlagzeugs. Lukas und Niklas sind sehr zufrieden mit ihrem Ergebnis. Dennoch gibt Niklas zu: „Ich spiele real Schlagzeug. Das ist besser.“

Während sich die Besucher durch die Gänge schieben, überlegen die Macher des Tags der Wissenschaft schon, wie es weitergeht. „Man muss irgendwann auch mal ,Tschüss‘ sagen“, meint Pastor Bernd Schwarze. „Wir wollten ein erfolgreiches Projekt auf seinem Höhepunkt beenden“, ergänzt Wissenschaftsmanagerin Iris Klaßen. Nächstes Jahr gibt es die Nacht der Labore am 18.

Juni — und für 2017 „wollen wir raus aus der Kirche und rein in die Stadt.“ Die Idee: Ein „Science-Catching“ zu veranstalten — eine digitale Schnitzeljagd der Wissenschaft.

„Informatik ist mehr als Programmieren.“
Katharina Weiß, Projekt Informatik an Schulen

Josephine von Zastrow

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