Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Innenstadt Tourismussteuer: Denkmalschutz will Geld
Thema I Innenstadt Tourismussteuer: Denkmalschutz will Geld
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:05 17.03.2016
Schöne Altstadt: In Lübeck gibt es viele denkmalgeschützte Häusern. Die Touristen lieben die Altstadt. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Noch gibt es das Geld zwar nicht, aber es wird schon mal verteilt. Die Millionen Euro aus der neuen Tourismusabgabe sind offenbar heiß begehrt. Jetzt meldet die städtische Denkmalpflege Ansprüche an. „Die Denkmalpflege hat ein Anrecht auf einen Teil der Tourismusabgabe“, macht Chef Manfred Gläser klar. Der Bereich trage wesentlich zur Verschönerung des Stadtbildes bei. Und die historische Altstadt mit den denkmalgeschützten Häusern locke viele Touristen an, die viel Geld in der Stadt ließen. Nach den letzten Hochrechnungen bescheren die Lübeck-Besucher der Tourismusbranche 600 Millionen Euro Bruttoumsatz pro Jahr.

Zur Galerie
Schöne Altstadt: Die Engelsgrube ist gesäumt von denkmalgeschützten Häusern. Die Touristen lieben diese Gasse.

Die Bürgerschaft soll im Juni über die Satzung entscheiden. Ab August soll sie für alle Gewerbetreibenden gelten, die vom Tourismus profitieren. Derzeit rechnet die Stadt mit Einnahmen in Höhe von drei Millionen Euro im Jahr. Daher will Gläser auch etwas von dem Kuchen abhaben. Denn der Bereich Archäologie und Denkmalpflege ist aus seiner Sicht chronisch unterfinanziert. 1,5 Millionen Euro im Jahr zahlt die Stadt für die Denkmalpflege. Zu wenig aus Gläsers Sicht. Im Gegensatz dazu sei seit 1979 mehr als eine Milliarde Euro in die denkmalgeschützten Gebäude investiert worden — alles Gelder von Bund, Land, Stiftungen und Privatleuten. Das sind 28 Millionen Euro pro Jahr.

Unterstützung erhält Gläser ausgerechnet von einem Konkurrenten ums Geld. „Nicht nur wir, sondern auch andere Bereiche sollten von der Tourismusabgabe profitieren“, sagt Christian Martin Lukas, Chef des Lübeck und Travemünde Marketings (LTM). Dazu gehören insbesondere die Kultur und auch die Denkmalpflege im Zusammenhang mit der Altstadt, die Unesco- Weltkulturerbe ist. Von den drei Millionen Euro Tourismusabgabe soll vor allem die LTM profitieren. Sie erhält von der Stadt jährlich 1,8 Millionen Euro als Zuschuss. Lukas hat bereits ein halbe Million Euro extra pro Jahr gefordert. Denn er geht davon aus, dass die Firmen weniger spenden, wenn sie Tourismusabgabe zahlen müssen.

Ein klares Nein kommt indes von Bürgermeister Bernd Saxe (SPD): „Der Wunsch von Herrn Gläser ist verständlich, aber leider nicht zu erfüllen.“ Die neue Abgabe solle der Förderung des Tourismus dienen. Die Ausgaben für den Denkmalschutz indes mögen den Tourismus fördern, so Saxe. „Aber wir tätigen sie nicht mit dem Ziel der Tourismus-Förderung, sondern weil wir gesetzlich dazu verpflichtet sind.“ Bausenator Franz-Peter Boden (SPD) sieht es ähnlich: „Wir haben auch Projekte, die zur Verschönerung des Stadtbildes beitragen.“ Beispielsweise die Obertrave. Dort tummeln sich im Sommer etliche Touristen und Lübecker, um die Abendsonne zu genießen.

Zurückhaltend bewerten auch die Politiker die Forderung von Gläser nach Geld für die Denkmalpflege. „Die Abgabe ist für touristische Projekte und für die Konsolidierung des Haushaltes“, macht SPD- Fraktionschef Jan Lindenau klar. Daher plädiert er dafür, das Geld nur für „eindeutig touristische Projekte“ auszugeben — wie Tourismuswerbung oder Weihnachtsbeleuchtung. Lindenau: „Die Abgabe wird sowieso nicht alle Ausgaben decken, die wir im Tourismus haben.“ Außerdem müsse die Stadt die Satzung erst fertig haben. „Wir sollten das Geld noch nicht verteilen, bevor wir nicht wissen, wie viel wir einnehmen“, warnt er.

Ähnlich argumentiert Grünen-Fraktionschef Thorsten Fürter. „Das ist der zweite Schritt vor dem ersten.“ Für ihn ist sogar noch fraglich, ob die Tourismusabgabe kommt. „Sie muss gerecht sein“, erneuert er seine Forderung. Aber Fürter gesteht: „Es ist nicht ganz falsch, dass auch die denkmalgeschützten Gebäude dazu beitragen, dass Touristen in die Stadt kommen.“ So sieht es auch Henning Stabe, Vorsitzender des Kulturausschusses. Seine Partei lehnt die Tourismusabgabe rundweg ab, weil sie Unternehmen zu sehr belaste. Sollte aber dennoch eine Mehrheit in der Bürgerschaft dafür stimmen, dann „ist es sinnvoll, einen gewissen Teil des Geldes für die Denkmalpflege zu reservieren“.

Chef-Archäologe Manfred Gläser geht in den Ruhestand

3000 eingetragene und potenzielle Denkmale gibt es in der Hansestadt Lübeck. Darunter sind aber nur rund 20 Industriedenkmale, zum Beispiel die Ölmühle an der Siemser Landstraße. In einer Weltkulturerbestadt wie Lübeck, die durch mittelalterliche Kirchen, Backsteingotik und Giebelhäuser geprägt ist, fristen diese Industriedenkmale oft eher ein Mauerblümchendasein.

Manfred Gläser ist der Bereichsleiter Archäologie und Denkmalpflege. Der 67-Jährige geht zum 1. Mai 2016 in den Ruhestand. Er ist seit 1997 bei der Stadt beschäftigt und hat eine kurze Zeit in Rostock gearbeitet — von 1991 bis 1994. Als er nach Lübeck zurückkam, wurde er Bereichsleiter der Archäologie. 2006 übernahm Gläser auch den Bereich der Denkmalpflege, nachdem der Bereichsleiter ausschied.

19 Mitarbeiter hat der Bereich Archäologie und Denkmalpflege.

Von Josephine von Zastrow

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige