Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Kücknitz Keine Elektroautos: Firma IBG gibt Areal in Dänischburg zurück
Thema K Kücknitz Keine Elektroautos: Firma IBG gibt Areal in Dänischburg zurück
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:24 30.04.2015
Kücknitz

Keine Elektroautos, keine Millionen-Investition, keine Arbeitsplätze. Die Firma IBG erklärt ihr Großprojekt für gescheitert — an ihrem Standort in Dänischburg. Unternehmenschef Matthias Goeke schiebt die Schuld der Stadt zu, die sich nicht für das Projekt engagiert habe. Die Stadt hingegen argumentiert, dass Goekes Wünsche nicht erfüllbar gewesen sind.

Die Fakten: Goeke wollte 40 bis 50 Millionen Euro in Dänischburg investieren und 200 Arbeitsplätze schaffen. Direkt an der Trave sollte ein Technologiepark entstehen — mit einer Werkshalle für den Bau von Elektroautos. Er hat für seine Pläne bereits vom Land einen Scheck über 850000 Euro erhalten — mit der Auflage, dass der Standort in Schleswig-Holstein ist.

Die Firma IBG hat seit 2001 einen Firmensitz in Dänischburg und wollte ihr 15 000 Quadratmeter großes Gelände auf 45 000 Quadratmeter erweitern. Dazu unterschrieben das Koordinierungsbüro Wirtschaft (KWL) und IBG im Juni 2013 einen Kaufvertrag über ein Areal von 30000 Quadratmetern. Die Kosten: 1,5 Millionen Euro. Außerdem konnte IBG vom Kaufvertrag zurücktreten. Diese Rücktrittsfrist hat die KWL vier Mal verlängert.

Jetzt hat Goeke die Ausstiegskarte gezogen. „Unsere Bemühungen sind endgültig gescheitert“, schreibt er.

Das Problem: Goeke wollte auf dem Areal auch 80 bis 100 Wohnungen in Wassernähe errichten. Dazu aber hätte der Bebauungsplan geändert werden müssen. Denn derzeit ist das Areal reine Gewerbefläche.

Daher war der Kaufvertrag mit einer Extraklausel versehen. Demnach hätte die IBG zwei Millionen Euro an die KWL nachzahlen müssen, wenn auf dem Gelände auch in großem Stil Wohnungen entstanden wären.

„Wir hatten ein hohes Eigeninteresse daran, dass das Projekt klappt“, sagt daher KWL-Chef Dirk Gerdes. Er habe dem Investor größtmögliche Unterstützung bei der Änderung des Bebauungsplans zugesagt.

„Wir haben angeboten, alle Kosten dafür zu übernehmen.“

Die Schwierigkeit: Das Areal grenzt direkt an FFH-Gebiete — besonders schützenswerte Flächen. Deshalb hat KWL auch ein Naturschutz-Gutachten erstellen lassen. Denn der Fischotter lebt in diesen Gefilden. Er hat bereits den Bau eines Cafés an der Trave verhindert, das Ikea dort geplant hatte. Ergebnis des KWL-Gutachtens: Der Wohnungsbau auf dem IBG-Gelände sei möglich, denn der Otter würde schlicht die Uferseite wechseln, wenn ihm das Licht in den geplanten Wohnungen zu hell sei.

Um eine Änderung des Bebauungsplans zu starten, wollten Gerdes und Bausenator Franz-Peter Boden (SPD) konkrete Pläne von Goeke haben. „Die aber hat es nie gegeben“, sagt Gerdes. Doch für eine Änderung des Bebauungsplans braucht die Stadt die Höhe der Gebäude, die Fläche, die Bruttogeschossfläche und vieles mehr. Doch es habe lediglich ein Masterplan vorgelegen, der das Vorhaben grob skizziert habe. „Herr Goeke war der Meinung, wir hätten in Vorleistung gehen müssen“, beschreibt Boden die Situation.

Die Kritik des Investors an der Stadt kann Boden nicht nachvollziehen. Es habe mehrfach hochkarätig besetzte Runden in der Verwaltung, aber auch bei Goeke vor Ort gegeben. Gerdes sagt: „Ich hätte liebend gern das Projekt verwirklicht.“ Die Stadt vermutet, dass Goeke abgesprungen ist, weil er mit den Wohnungen den Technologiepark finanzieren wollte — und nicht mehr geglaubt hat, Appartements bauen zu können.

Josephine von Zastrow und Christian Risch

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!