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Nordische Filmtage 2017 „Das Spielen macht so viel Spaß“
Thema N Nordische Filmtage 2017 „Das Spielen macht so viel Spaß“
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18:27 19.10.2013
Beherrscht die Klaviatur des Spielens, ob auf dem Instrument, der Bühne oder im Film — die Schülerin Anouk Bödeker. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Lübeck

Filmszene: Svenja schleicht durch ihr Wohnviertel mit Hochhäusern, ihr Blick ist gesenkt, die langen Haare fallen ihr wie ein Vorhang ins Gesicht. Ihre Schultern sind eingezogen — bloß nicht auffallen! Die 13-Jährige wird von ihren Klassenkameraden gemobbt.

Ortswechsel: Lübeck St. Jürgen, ein Einfamilien-Siedlungshaus aus den 50er Jahren mit dem charakteristischen roten Klinker. „Hallo, ich bin Anouk.“ Ein selbstbewusstes Mädchen öffnet die Tür — 1,70 Meter groß, schlank, ein offenes, freundliches Gesicht, grün-braune Augen, die strahlen. Ein echter Kontrast zur Filmwirklichkeit: Die 15-jährige Schülerin vom Johanneum wohnt mit ihren Eltern, den Katzen Lola und Simba und der weißen Promenadenmischung Mika unter einem Dach. Hinterm Haus ein großer Garten. Anouk ist das Nesthäkchen, ihr älterer Bruder Paul und ihre 21-jährige Schwester Mirjam sind schon ausgezogen. Geordnete Familienverhältnisse, Mutter Ärztin, Vater Autor, schöne Umgebung, eine offensichtlich glückliche Anouk. Wie hat sie es geschafft, sich in die Opfermentalität der Film-Svenja einzufühlen? „Die Rollen sind doch immer anders, als man tatsächlich ist, man versetzt sich in die Person. Dann kommt alles von ganz allein“, sagt die Autodidaktin, als sei das das Selbstverständlichste von der Welt.

Auf das Casting im vergangenen Frühjahr, für das sich Anouk auf mehrere Szenen aus dem Film vorbereiten musste, folgte ein „Recall“, sie musste sich noch einmal vorstellen, und dann war‘s perfekt. „Ich war so glücklich, das Spielen macht so viel Spaß!“ Vermittelt wurde Anouk durch ihre Hamburger Agentur, bei der sie seit vier Jahren im Katalog ist. Denn nachdem sie „Hände weg von Missisippi“ von Detlev Buck gesehen hatte, wollte sie auch unbedingt in einem Film mitspielen — so begründete sie ihre Motivation bei ihrer Bewerbung. „Meine Eltern fanden das gar nicht gut“, gesteht sie. Die damals Elfjährige hat sich durchgesetzt und „jetzt sind sie stolz!“ Können sie auch, denn Anouk ist trotz gelegentlichen Castings oder Dreharbeiten eine gute Schülerin, die im Schulorchester Cello spielt, privat noch Akkordeon lernt, im Chor singt, im Ballett tanzt und turnt. Mit der Schulleitung gibt es ein Abkommen: „15 Tage im Jahr darf ich fehlen,“ so Anouk. Zum Glück fielen die zehntägigen Dreharbeiten von „Stürzende Tauben“ in die Sommerferien. Die Hauptdarstellerin: „Es ist Stress pur, aber das Team ist wie eine große Familie!“

Trotz ihres enormen Pensums im Alltag ist Anouk entspannt, ein eher bescheidenes Glückskind, das nur eine „Schwäche“ hat: Die Lübeckerin spielt leidenschaftlich gern. In ihrer Heimatstadt wirbelte sie vor drei Jahren als Ylva, die Freundin von Wickie, über die Freilichtbühne in den Wallanlangen. Ihre Hamburger Agentur vermittelte sie bislang für einen Werbespot der Telekom, und sie bekam eine Episodenrolle in einer Fernseh-Kinderserie „Tiere bis unters Dach“. Anouk sieht das gelassen: „Ich möchte das später nicht als Beruf machen — immer diese Ungewissheit, ich brauche mehr Sicherheit!“

Der Film
Esther Bialas, 1982 in Wiesbaden geboren, drehte den knapp 20-minütigen Film „Stürzende Tauben“ 2012 als Abschlussarbeit an der Hamburger Media School. Im Mittelpunkt steht die 13-jährige Außenseiterin Svenja (gespielt von Anouk Bödeker), die von einer Clique drangsaliert wird. Um auch endlich dazuzugehören, scheut sie selbst vor Verrat nicht zurück. Der Kurzfilm wurde bereits auf Festivals in den USA, Spanien, Ungarn und Deutschland gezeigt und prämiert.


Vorführung: In Lübeck ist der Film „Stürzende Tauben“ zum ersten Mal zu sehen am Freitag, 1. November, 22.45 Uhr in der Stadthalle, Cinestar 7.

Dorothea Kurz-Kohnert

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