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Nordische Filmtage 2017 Immer Richtung Norden
Thema N Nordische Filmtage 2017 Immer Richtung Norden
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18:28 19.10.2013
„Verschollen vor Spitzbergen“: Deutsche Abenteurer und Klimaforscher auf den Spuren der 1913 verschwundenen Schröder-Stranz-Expedition. Quelle: Fotos: ZDF, Nfl, Dfl
Lübeck

Wie die Kompassnadel sich am Nordpol um sich selbst dreht, kreisen viele Filme der Retrospektive um einen Mann: Roald Amundsen. Der Norweger war nicht nur der Erste am Südpol, sondern vermutlich auch am Nordpol. Zusammen mit Umberto Nobile startete er am 11. Mai 1926 in einem Luftschiff in Spitzbergen und landete drei Tage später in Alaska. Wahrscheinlich waren sie die ersten, die den Nordpol am 12. Mai auf dem Luftweg erreicht hatten.

Schon damals war man bemüht, wichtige Ereignisse für die Ewigkeit festzuhalten. Originalaufnahmen vom Flug sind in der Doku „Mit Amundsen im Luftschiff zum Nordpol“ zu sehen. Ebenfalls historisches Filmmaterial zeigt Amundsen im Filmporträt „Abenteuer im Eis“ als strahlenden Helden, während nachgestellte Spielszenen, die auf Tagebüchern beruhen, die ambivalenten Seiten des Abenteurers beleuchten.

Amundsen und kein Ende — denn man weiß zwar, dass er 1928 in der Arktis abgestürzt und gestorben ist, aber Überreste sind nie gefunden worden. Rudolph Herzog begab sich 2010 noch einmal auf die Suche und dokumentiert diese in „Mythos Amundsen — Verschollen in der Arktis“. Auf die Spuren anderer verschwundener Polarforscher hat sich der moderne Abenteurer Arvid Fuchs zusammen mit dem Hamburger Klimaforscher Dr. Dirk Notz gemacht. In „Verschollen vor Spitzbergen“ spüren sie dem Deutschen Herbert Schröder-Stranz nach, der mit seinen Männern vor 100 Jahren auf Spitzbergen starb und dokumentieren den Klimawandel.

Und es gibt auch Platz für Pointen am Pol. Der Kurzfilm „Der Mann aus der Eiswüste“ zeigt einen Typ, der den nördlichsten Punkt der Erde findet, sich selbst mit Flagge am Pol fotografiert — und dieses später bitter bereuen wird.

Spitzbergen ganz anders: Dort ließ die Sowjetunion nach dem 2. Weltkrieg Kohle abbauen und errichtete die Bergbausiedlung Piramida. Abgeschnitten vom Rest der Welt lebten und arbeiteten dort Tausende Russen. Private Filmaufnahmen zeigen das Leben dort — nicht etwa grau und trist, die Menschen tanzten, trieben Sport, feierten, gingen ins Kino oder Schwimmbad, und als die Familien 1998 den Ort verlassen mussten, waren sie todtraurig. Ein Beitrag zum Thema: Das Leben ist nicht, was es ist, sondern was wir daraus machen.

Diese Siedlung kommt gleich in zwei Filmen vor. „Moderne Ruinen — Piramida“ zeigt die alten Filmaufnahmen und als Kontrast dazu junge Musiker, die für ihre neue CD in den Ruinen von heute Geräusche aufnehmen und selbst welche produzieren. In „Ghost Radio Hunter“ versucht Per Martinsen in Piramida ein „Geister-Radio“ aufzuspüren, das immer noch Signale aussendet.

Vortrag
Zum Auftakt der Retrospektive hält der Hamburger Meteorologe und Spitzbergen-Experte Dr. Dirk Notz am Dienstag, 29. Oktober, einen Vortrag über den Rückgang der polaren Eisflächen und die Eisschmelze.

Die Veranstaltung beginnt um 19.30 Uhr in der Gemeinnützigen, Königstr. 5. Der Eintritt ist frei.

Petra Haase

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