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Schlutup Was wird aus dem Schlutuper Bunker?
Thema S Schlutup Was wird aus dem Schlutuper Bunker?
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21:28 05.08.2015
In der Straße „Beim Meilenstein“ in Schlutup steht der fensterlose, markante Betonkoloss. Er wurde 1941 gebaut. Jetzt konnte ein Käufer für diese Spezialimmobilie gefunden werden. Quelle: Fotos: Felix König, Ulf-Kersten Neelsen

Er ist wahrlich kein Schmuckstück, der graue Koloss in Schlutup, Baujahr 1941. Seine dicken Mauern sollten einst den Anwohnern Schutz bei Luftangriffen bieten. Doch sein ursprünglicher Nutzungszweck hat sich glücklicherweise seit Jahrzehnten erledigt. „Das Objekt ,Beim Meilenstein 6‘ ist jetzt Anfang der Woche verkauft worden“, erklärt Jörg Zänkert von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, kurz Bima. Seit November 2014 hatte er den Betonklotz im Angebot. Denn die Bundesanstalt trennt sich von ihren Bunkern; Feuerwehr und Katastrophenschutz benötigen sie nicht mehr. „Zur zukünftigen konkreten Nutzung kann aber nur der Käufer etwas sagen, der die Situation noch sondiert“, erklärt Zänkert.

Möglicherweise sucht der neue Besitzer noch nach einem Denkanstoß. Diesen kann er problemlos bekommen, und zwar bei Thuy- Chung Anna Doan. Für ihre Bachelor-Arbeit hat sich die 23-jährige Studentin der Fachhochschule Lübeck unter dem Titel „Umnutzung eines Hochbunkers für Wohnzwecke“ eingehend mit dem markanten Objekt befasst. „Ich habe einen Entwurf für eine Umgestaltung der Räume, Änderung der Fassade sowie eine Aufstockung des Gebäudes ausgearbeitet“, erklärt die angehende Architektin, die von FH- Professorin Renate Abelmann betreut wurde.

„Es hat mich einfach als Thematik fasziniert. Schließlich gibt es derzeit eine Art Boom in diesem Gebäudesegment“, sagt die Studentin. Seit Gründung der Bima im Jahr 2005 seien rund 180 Hochbunker bundesweit veräußert worden. „Und nach meinen Recherchen stehen in den nächsten Jahren noch weitere 220 Stück auf der Verkaufsliste.“ Ihr Konzept hat sie „Lighthouse“, also Leuchtturm genannt. Denn das i-Tüpfelchen an ihren Plänen ist eine gläserne Aufstockung des bestehenden Baues.

„Dabei habe ich mich von der Hamburger Elbphilharmonie inspirieren lassen, und für Schlutup wäre es doch wirklich ein neuer, echter Hingucker“, betont sie. Die drei zusätzlichen Etagen auf dem jetzigen Dach sollen zwei großzügige je 132 Quadratmeter große Panorama-Wohnungen beherbergen. Darunter hat die zukünftige Master- Studentin auf den sechs bestehenden Geschossen neun Wohnungen untergebracht, davon sind drei Maisonette-Wohnungen mit einer Fläche von 83 beziehungsweise 115 Quadratmetern. „Den Bunker nicht zu verstecken und ihm die Chance zu geben, seinen Charakter darzustellen ohne einen Qualitätsverlust der Wohnungen zu erzeugen, war das wichtigste Ziel bei meiner Arbeit“, betont sie.

Die große Herausforderung, die sich bei diesem Bautyp stets ergeben würde, seien die niedrigen Deckenhöhen. „Ich hatte eine lichte Raumhöhe von 2,30 bis 2,40 Meter, und für einen Wohnraum ist das eng bemessen. Ich habe also versucht, das so auszugleichen, dass ich lange und breite Räume schaffen wollte und große Fensterausschnitte geplant habe“, erläutert sie. Auch die äußere Gestalt des etwa 14 Meter hohen Bunkers hat sie in ihrem Entwurf umgestaltet. Unterschiedliche Putzoberflächen sowie ein lamellenartiger Sonnenschutz sollen „dem monotonen Erscheinungsbild des Bunkers entgegenwirken, ohne seine Standhaftigkeit zu unterdrücken“, so ihre Intention.

Was die Umsetzung ihrer Pläne allerdings kosten würde, hat Thuy- Chung Anna Doan nicht ermittelt. „Das war nicht Gegenstand meiner Arbeit“, sagt sie. Jetzt hofft sie natürlich, dass der neue Besitzer sich möglicherweise für ihren Entwurf interessiert. „Ich würde mich sehr freuen, wenn ich nicht nur für das Bücherregal meiner Professorin gearbeitet hätte“, schmunzelt sie.

Das Forschungsprojekt
Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben hat 2013 zusammen mit der Technischen Universität Dortmund das Forschungsprojekt „Bunker beleben“ ins Leben gerufen. Es soll Nutzungskonzepte der Bauten wissenschaftlich erfassen und bewerten. Das Spektrum reicht hier von exklusiven Loftwohnungen bis zur Büronutzung, vom Rechenzentrum bis zur Veranstaltungslocation zum Beispiel als Ausstellungsort oder Musikprobenraum.

Michael Hollinde

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