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Sommerredaktion Die Fünfmarkeiche von Kellenhusen
Thema S Sommerredaktion Die Fünfmarkeiche von Kellenhusen
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18:10 19.08.2016
Kellenhusen

Ihre ausladende Baumkrone, die filigranen Äste und der wuchtige Stamm müssen den Künstler Maximilian Dasio sofort fasziniert haben. Denn der Münchner Maler und Medailleur entschied sich, die mächtige Eiche im Kellenhusener Forst zu porträtieren – als Vorbild für die Fünf-Reichsmark-Münze in der Weimarer Republik. So bekam der Baum seine besondere Rolle als sogenannte Fünfmarkeiche.

Von 1927 bis 1933 wurde die Rückseite der Kupfer-Silber-Münze mit dem Baumriesen geprägt. Während die Reparationsfrage diskutiert wurde, die Wirtschaftskrise die Bevölkerung erschütterte und schließlich die Nationalsozialisten die Macht ergriffen, wurde sie als Zahlungsmittel genutzt. Der wuchtige und langlebige Baum sollte Stärke und Beständigkeit symbolisieren. Doch beim genaueren Hinsehen finden sich auf der Darstellung Dasios auch kahle Äste. Die Bevölkerung interpretierte sie damals als Symbol für die schwere Nachkriegszeit. Während die Weimarer Republik längst Vergangenheit ist, steht die Eiche heute noch im Kellenhusener Forst. Allerdings ist der 350 Jahre alte Baum mittlerweile verstorben. Die 26 Meter hohe Eiche verlor im Jahr 2012 ihre letzten Blätter.

Statt mächtiger Äste ragen nun nur noch knochige Zweige ohne Blätterwerk in die Höhe. In diesem Alter ist der Tod der mächtigen Bäume natürlich, seine ökologische Aufgabe ist dennoch nicht vorbei:

Für Insekten dient er als Rückzugsort. Um die ausladene Krone und auch Äste im unteren Bereich zu bilden, muss der Baum früher frei gestanden haben. Das spricht dafür, dass die Eiche nicht von Menschenhand gesät wurde, sondern natürlich entstanden ist.

Die Eiche wird aufgrund ihres stattlichen Alters, ihrer besonderen Bedeutung und ihrer prächtigen Erscheinung seit 1996 als Naturdenkmal geschützt und kann besichtigt werden. Jedoch sollten sich Besucher nicht zu nah an den morschen Baum heranwagen, da er Beobachter mit herabfallenden Ästen verletzten könnte. Fünf bis zehn Jahre könnte der Baum wohl noch durchhalten, bis er einfach umkippen wird. Daher empfiehlt es sich, das bedeutende Baumgerippe von dem Wanderweg Rittbuschweg etwa 400 Meter vor der Abzweigung zum Moorhof zu bewundern. Der Baum befindet sich in Blickrichtung Norden.

In dem Kellenhusener Forst, der mit 600 Hektar das größte Waldgebiet an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste ist, stehen noch weitere Eichen mit eindrucksvoller Geschichte. Vor der Wasserstandseiche erinnert ein Gedenkstein an die verheerende Sturmflut in der Nacht vom 12. auf den 13. November 1872. Während diese Eiche noch lebt, können die Königseiche und die Kroneiche nur gefällt betrachtet werden. Letztere wurde 1000 Jahre alt, bis ein Sturm sie umwarf. Mit 38 Metern Höhe war sie die größte Eiche Schleswig-Holsteins. Auch der Königseiche wurde ein Sturm zum Verhängnis. Unter ihr soll sich einst ein dänischer König auf der Durchreise ausgeruht haben.

In die Riege der berühmten Eichen im Kellenhusener Forst gehören auch die Präsidenten- und die Ministerpräsidenteneiche, sie wurden vom Alt-Bundespräsidenten Johannes Rau (SPD) und Schleswig-Holsteins ehemaligem Regierungschef Peter Harry Carstensen (CDU) gepflanzt.

Alessandra Röder

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