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Sommerredaktion Expedition in die Dunkelheit
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18:10 16.07.2018
Stefanie Christin Schmidt kennt alle Ausgänge der Höhle.

Die 20-Jährige ist Höhlenführerin in der Segeberger Kalkberghöhle. Seit vier Jahren führt sie regelmäßig Touristen-Gruppen durch die unterirdischen Gänge. Wasser tropft von der Decke, große Pfützen sammeln sich auf dem Boden und Gesteinsspitzen ragen in die engen Wege hinein. Doch trotz der ungemütlichen Atmosphäre ist die Expedition in das Dunkle faszinierend. „Es ist ein Abenteuer“, sagt Stefanie Christin Schmidt. Ohne Leitung dürfen die Gänge aber nicht betreten werden – viel zu leicht kann man sich auf den Wegen verlaufen.

Kalt schlägt einem die Luft ins Gesicht. Nur langsam gewöhnen sich die Augen an die plötzliche Dunkelheit. Der Boden ist feucht und rutschig. Eine Metall-Treppe führt immer tiefer in die Finsternis hinein. „Vorsicht!“, ruft Stefanie Christin Schmidt.

30000

Fledermäuse

leben in der

Kalkberghöhle

Etwa 300 Meter der Höhle können Touristen und Besucher mit einem Höhlenführer betreten. Die restlichen zwei Kilometer sind schmale und teils nur 50 Zentimeter hohe Gänge, die sich durch den Kalkberg fressen. Aber auch auf den ausgewiesenen Wegen müssen Besucher ihre Köpfe einziehen. „Achtung! Bitte auf die Köpfe aufpassen“, ruft die Höhlenführerin. Gerade einmal 1,40 Meter ist die Decke an der tiefsten Stelle hoch – darüber 50 Meter Gestein.

Der Kalkberg ist nicht wie manch anderer Berg in Schleswig-Holstein während der Eiszeit entstanden: Er steht genau da, wo vor Millionen von Jahren noch das sogenannte Zechmeer war. Als das Urmeer austrocknete, blieb das Meersalz am Boden zurück. Mit der Zeit lagerten sich Erde, Gestein und Sand auf der Salzschicht ab. Durch den immer größer werdenden Druck verformte sich diese und drückte Gestein und Sedimente nach oben. Der Kalkberg entstand.

Die Kalkberghöhle gibt es aber erst seit etwa 30000 Jahren. „Das ist für Höhlen noch Kindesalter“, sagt Stefanie Christin Schmidt. „Wasser hat den Berg nach und nach ausgehöhlt.“ Denn das Gestein besteht zum Teil aus Anhydrit – einem Mineral, das bei Wasserkontakt zu Gips wird und zerbröselt. Auch heute noch verlaufen alle Gänge so, wie sie vom Wasser geformt wurden.

An der Höhlendecke sind an vielen Stellen sogenannte Kluftspalten – tiefe Einfurchungen im Gestein – zu erkennen. Dort bahnte sich das Wasser seinen Weg durch den Berg. „Das sind unsere Traktorspuren“, sagt Stefanie Christin Schmidt und spielt damit auf die Ähnlichkeit mit den Spuren auf Feldern an. „Die sind bei den Fledermäusen sehr beliebt.“ Die nachtaktiven Tiere überwintern in der Kalkberghöhle und nutzen die Furchen als Winterschlaf-Platz. Die Höhle ist Schleswig-Holsteins größtes Fledermaus-Überwinterungsquartier. Die Gänge sind zudem die Heimat eines besonderen Lebewesens: des Höhlenkäfers „Choleva Septentrionis Holsatica“. Das drei Millimeter große Insekt ist nur in der Kalkberghöhle beheimatet und die unterirdische Müllabfuhr der Höhle. „Der Käfer frisst den Fledermausmist“, sagt Stefanie Christin Schmidt.

Dann endet die Expedition: Über eine Wendeltreppe geht es zurück an die Oberfläche. Wie eine Wand schlägt einem die Wärme entgegen und nur langsam gewöhnen sich die Augen an das grelle Licht.

Die Höhle darf nur mit einem Höhlenführer besichtigt werden

Höhlenführungen veranstaltet das Segeberger Fledermauszentrum Noctalis in den Monaten April bis September. Von Oktober bis März ist die Schauhöhle wegen des Fledermaus-Schutzes für Besucher geschlossen. Die Höhlenerkundung dauert etwa 35 Minuten. Besucher sollten beachten, dass es in der Höhle etwa 10 Grad Celsius warm ist. Jacken und feste Schuhe sind empfehlenswert.

Den Kalkberg können Besucher ebenfalls besichtigen. Am Kalkberg, dem Kleinen Segeberger See, der Kalkberghöhle und dem Großen Segeberger See verläuft ein Lehrpfad, der mit Schautafeln die geologischen Besonderheiten des Gebiets erklärt.

Weitere Informationen gibt es bei dem Fledermauszentrum Noctalis im Internet unter: www.noctalis.de

Saskia Hassink

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