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Sommerredaktion Pilgern als Freiheitserfahrung
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18:10 28.07.2018
Bruder Johannes Tebbe ist Benediktinermönch im Kloster Nütschau, das auch Herberge für Pilger ist. Quelle: Fotos: Saskia Bücker

Etwa zwei bis drei Pilger machen in der Woche im Kloster Nütschau halt, bleiben für eine Nacht, ziehen dann weiter auf der Via Baltica, einer Wegstrecke des Jakobsweges in Norddeutschland. „Die meisten gehen nur eine kleine Etappe, vielleicht ein Wochenende“, sagt Johannes Tebbe. Manche üben auf diesem Weg für Spanien, testen schon mal das Schuhwerk, den Rucksack und wie weit die Kondition reicht. Er treffe auch auf Menschen, die wirklich ganz durchgehen wollen, bis nach Compostela. Menschen, die sich ein Jahr Zeit nehmen. „Das ist etwas Besonderes“, sagt der Prior, der mit 19 weiteren Benediktinerbrüdern im Kloster Nütschau lebt, und das seit 17 Jahren.

3015 Kilometer Wegstrecke sind es von Lübeck bis ins spanische Santiago de Compostela. 30 gut ausgeschilderte Jakobswege gibt es allein in Deutschland.

Am Ende seines Studiums in Münster beschloss Bruder Johannes, einen Teil des Jakobsweges zu gehen. Drei Wochen lang, von den Pyrenäen bis nach Compostela, 500 Kilometer, ganz alleine und nicht sonderlich gut ausgerüstet. Das war 1996, da hatte Hape Kerkeling noch nicht sein Erfolgsbuch „Ich bin dann mal weg“ geschrieben, die Wege waren noch relativ leer. „Unterwegs zu sein, damit hatte ich noch nicht so viel Erfahrung, mit dem großen Rucksack, ohne besonderes Equipment und in Jeans gekleidet“, erinnert sich Johannes Tebbe. Zum ersten mal Pilgern, das sei eine existenzielle Erfahrung – noch mit zu wenig Wasser im Gepäck und umherirrend.

Danach ging er mit Freunden weitere Pilgerwege in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Mit einer Jugendgruppe brachte er Etappen auf der Via Baltica hinter sich: von Wismar über Nütschau nach Harsefeld, weiter über Bremen bis nach Vechta. Der Jakobsweg des Nordens sei nicht so überfüllt wie die spanischen Strecken.

„Pilgern ist eine Freiheitserfahrung“, sagt der Ordensbruder. Er lebe dann einfach und bescheiden, freue sich über kleinste Dinge – eine Quelle, einen Schatten spendenden Baum, das Ankommen in der Herberge, die Landschaft. Beim Pilgern werde er aber auch der Stille und einer innerlichen Leere ausgesetzt. „Es kommen auch schwere Stunden. Vor allem, wenn ich körperlich an meine Grenzen gerate“, sagt der Mönch.

Für die Pilgererfahrung brauche man nicht unbedingt gleich bis nach Spanien zu laufen. Auch ein Teilstück von Bad Oldesloe bis zum Kloster Nütschau könne besondere Momente bringen. „Es kommt ganz auf die innere Bereitschaft an“, sagt Johannes Tebbe. Anders als beim sportlichen Wandern gestalten Pilger den Weg bewusst, indem sie zum Beispiel das Telefon zu Hause lassen, beten, ein besonderes Zitat auf den Weg mitnehmen, sich mit dem Leben auseinandersetzen. „Es geht um Meditation, den Glauben und Achtsamkeit“, sagt Tebbe. Abends, wenn er in der Herberge ankommt, schreibt er Tagebuch. „Es ist kaum zu glauben, was man nach dem Pilgertag alles schreiben kann – so viele Gedanken, die ich festhalten will.“

Viele Wege führen zum Heiligen Jakob

Santiago de Compostela ist eines der bekanntesten Pilgerziele. Schon im Mittelalter pilgerten Christen in die nordspanische Stadt. Ziel ist das Grab des Heiligen Jakob.

Viele Wege führen dorthin. Eine Strecke ist die Via Baltica. Sie verläuft auf 700 Kilometern über Greifswald, Rostock und Wismar durch Mecklenburg-Vorpommern, über Lübeck und Hamburg weiter durch Bremen und Niedersachsen bis Osnabrück.

Die Strecke von Bad Oldesloe bis zum Benediktinerkloster Nütschau eignet sich mit sechs Kilometern pro Weg als eine Tagesstrecke für die erste Pilgererfahrung.

Eine gelbe Jakobsmuschel vor blauem Hintergrund ist das Symbol des Weges, der auf Strecken in Deutschland gut ausgeschildert ist. Es empfiehlt sich, einen Pilgerführer dabeizuhaben. Auch einen Pilgerausweis kann man sich besorgen, um bewältigte Etappen mit einem Stempel nachweisen zu können.

Saskia Bücker

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