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St. Gertrud Ein Netz grüner Inseln
Thema S St. Gertrud Ein Netz grüner Inseln
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14:29 08.07.2015
Stadtpark: 200 Baumarten, Teiche und große Rasenflächen mit vielen Blumen prägen die von Gründerzeit- Villen umgebene Grünanlage. Quelle: Lutz Roeßler
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St. Gertrud

Mächtige Buchenkronen bilden einen grünen Schirm, die Sonnenstrahlen flimmern sanft und die so nahegelegene Travemünder Allee ist weit weg. Gundel Granow steht auf dem Ehrenfriedhof, den sie ein „Kleinod“ nennt, vor einem alten Gedenkstein. Dieser Ort der Ruhe ist auch ein Ort der Erinnerung und des Besinnens. Hier liegen die Gefallenen zweier Weltkriege und die Opfer des Bombenangriffs auf Lübeck an Palmarum. Die Floristmeisterin mit Gartenbaustudium und Vorsitzende des Grünen Kreises liebt es, inmitten einer Stadt auf kurzen Verbindungswegen von einer grünen Oase in die nächste zu gelangen. Es fühlt sich an wie Insel-Hopping. „Auf meinem Lieblingsspaziergang laufe ich von Harry Maasz zu Harry Maasz“, sagt sie verschmitzt. Die 61-Jährige meint den berühmten Lübecker Gartengestalter, der vor 100 Jahren den Ehrenfriedhof schuf und vor 102 Jahren den Schulgarten. Sein Grab liegt auf dem Ehrenfriedhof. Es ist eines der wenigen zivilen, es ist eine Ehrerbietung.

Die vorgeschlagene Route:

Hier können Sie die Route in großer Ansicht öffnen

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Rund vier Kilometer lang ist dieser Spazierweg, den Gundel Granow den Lübeckern und den Besuchern der Stadt ans Herz legt. Die Tour kann Stunden dauern, weil es viel zu sehen gibt. „Imposante, einzigartige Orte“, nennt sie die „grünen Denkmäler“, die zum Verweilen laden. Und spätestens wenn man die 500 über den Ehrenfriedhof verstreuten Gedenksteine betrachtet hat, ist jeglicher Drang zum Krieg gefallen. Granow sagt einen Shaolin-Spruch: „Wer kämpft, hat schon verloren.“

Ehrenfriedhof: Für Gundel Granow ist diese grüne Oase eine der beeindruckendsten Friedhofsanlagen Lübecks.


Über den Sandberg brandet der Verkehr. Die Straße trennt Ehrenfriedhof und Burgtorfriedhof, auf dem die Gräber bedeutender Lübecker Bürger liegen. Dazu zählen der Dichter Emanuel Geibel, der Schauspieler Günter Lüders, der Unternehmer Emil Possehl, das Familiengrab der Manns. Doch die Schriftsteller Thomas und Heinrich Mann haben an einem anderen Ort ihre letzte Ruhe gefunden. Der reich blühende Burgtorfriedhof mit seinen 8000 Grabstätten ist Stadt- und Kulturgeschichte pur. Beide Friedhöfe nennt Gundel Granow „Gedenk- und Denkorte“, die von einer kleinen Zahl von Gärtnern „liebevoll gepflegt werden“. Lübeck müsse sich noch viel stärker bewusst werden, dass diese Stadt nicht nur wegen ihrer kostbaren Bauten Weltkulturerbe sei. Die ausgeprägte hansestädtische Gartenkultur sei ein ganz fester Bestandteil der Kulturhauptstadt des Nordens.

Auf ihrem Lieblingsspaziergang, der anschließend durch den Stadtpark führt, wird die Floristmeisterin nicht müde, von dem „Erleben der Jahreszeiten“ in diesen Parks zu schwärmen, die sich wie Perlen an einer Kette aneinanderreihen. „Hier kann sich der Besucher im Zauber der Blütenfarben verlieren“, sagt sie, hier würden Spaziergänger erleben, wie ein Wald nach dem Regen duftet. Gundel Granow:

„Natur ist das, was den Menschen entschleunigt.“ Im Stadtpark mit seinen 200 verschiedenen Baumarten verspürt das jeder. Der Park war einst eine verlandete Bucht der Wakenitz und wurde von Menschen kultiviert. Das ist auch heute noch möglich. Die Lübecker Bürger können Baumpaten werden, indem sie Bäume spenden.

Schulgarten: Nahe der Wakenitz befindet sich diese Oase für Pflanzenfreunde mit ihrer Fülle von gärtnerischen und naturkundlichen Themen.


Der Schlusspunkt (vielleicht der Höhepunkt) des Spazierganges von Gundel Granow ist der Schulgarten mit seinem Blütenfeuerwerk. Man muss nicht Floristmeisterin sein, um vollends aus dem Häuschen zu geraten. Linden-Laubengänge, Wildblumenwiese, Feuchtbiotope, Bauern- und Heidegärten: Hier finden auch die Ruhelosesten ihren Frieden.

Torsten Teichmann

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