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St. Gertrud Ende für das „Flora Nova“-Gartenzentrum
Thema S St. Gertrud Ende für das „Flora Nova“-Gartenzentrum
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20:10 01.06.2015
Kirsten Mau (49) ist seit 2007 Geschäftsführerin von „Flora Nova“, damals hatte sie das von ihrem Vater gegründete Fachgartenzentrum vor der Insolvenz gerettet. Quelle: Wolfgang Maxwitat
St. Gertrud

Die Enttäuschung ist groß bei Kirsten Mau. Die Diplom- Kauffrau steht vor dem Eingang ihres Gartenfachgeschäfts „Flora Nova“ im Gewerbegebiet Gleisdreieck.

„Räumungsverkauf wegen Geschäftsauflösung“ prangt auf den roten Plakaten, die an den Glasscheiben angebracht sind. Und es ist bitterer Ernst: „Leider muss ich das Geschäft aufgeben“, bestätigt Kirsten Mau, „der massive Wettbewerb in unserem Verkaufssektor macht ein Weiterbestehen des Gartenzentrums an diesem Standort unmöglich.“

Erst 2007 hatte die 49-Jährige das Gartenfachgeschäft, das von ihrem Vater vor 37 Jahren an diesem Standort gegründet wurde, aus der Insolvenz zurückgekauft. Dafür gab die Lübeckerin auch ihren damaligen Wohnsitz im US-Bundesstaat Kalifornien auf, zog mit Mann und Kindern in die Hansestadt zurück. „Ich bin mit dem ,Flora Nova‘ aufgewachsen“, erklärt sie, „hier drin steckt ein Stück Familiengeschichte.“ Im März 2007 feierte das einzige inhabergeführte Fachgartenzentrum Lübecks die Wiedereröffnung, seitdem wurde es mehrfach vom Verband Deutscher Garten-Center ausgezeichnet.

Zuletzt bei der Inspektion der Fachgartencenter 2014 / 2015, „wir hatten da die Auszeichnung ,Gold‘ erhalten“, so Kirsten Mau.

Pflanzen, Gartenhartware, Gartenmöbel und Wohn-Accessoires — all das konnten Gartenfreunde in den vergangenen Jahren bei „Flora Nova“ erstehen, davon machte der Pflanzenverkauf über 50 Prozent des Umsatzes aus. Doch damit ist es bald vorbei. „Ein Grund ist der Standort“, sagt Kirsten Mau, „das Gewerbegebiet Gleisdreieck hat keine direkte Autobahnanbindung, viele Kunden fahren für ihren Einkauf lieber die großen Baumärkte nahe des Citti-Parks, der Lohmühle oder dem LUV-Center in Dänischburg an.“ Jahrelang suchte die Familie daher nach einem neuen Standort, „doch das ist in Lübeck sehr schwierig“, sagt Kirsten Mau, „schließlich bräuchten wir eine Gesamtfläche von mindestens 15 000 Quadratmetern.“

Und auch die große Baumarktdichte in Lübeck sei ein Problem: „Wir haben hier pro Einwohner die größte Baumarktdichte Deutschlands“, sagt Kirsten Mau, „viele Kunden nehmen in Kauf, weniger fachkundig beraten zu werden, dafür aber günstiger einzukaufen.“ Mittlerweile bieten auch die Hersteller ihre Ware zu niedrigen Preisen im Internet an, „der Druck auf den Einzelhandel steigt damit enorm an“, so Mau.

Das Ergebnis: In den vergangenen Jahren kamen immer weniger Kunden bei „Flora Nova“ vorbei, dafür stiegen die Betriebskosten immens an: „Seit 2013 zahlen wir außerdem die Regenwassersteuer“, so Mau, „das sind allein knapp 1000 Euro mehr im Monat.“ Aus Verantwortung, besonders auch ihren 15 Mitarbeitern gegenüber, habe sie sich daher vor einigen Monaten zur Geschäftsaufgabe entschlossen. „Meinen Mitarbeitern habe ich das Geschäftsende vor sechs Monaten mitgeteilt“, sagt sie, „einige haben mittlerweile aber bereits einen neuen Arbeitsplatz, andere gehen in den Ruhestand.“

Bis Ende Juli können Kunden im „Flora Nova“ noch das Zubehör für die heimischen Grünflächen erwerben. „Heute beginnt der Räumungsverkauf“, sagt Kirsten Mau. Ob sie das Fachgartenzentrum an einem anderen Standort weiterführen wird, steht momentan noch nicht fest. „In Lübeck wird es aber kein „Flora Nova“ mehr geben“.

„Ich bin mit dem Flora Nova aufgewachsen, hier drin steckt ein Stück Familiengeschichte.“
Kirsten Mau, Geschäftsführerin

Katrin Diederichs

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