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Malerisches Gothmund

St. Gertrud Malerisches Gothmund

Lübecker Künstler begab sich auf Spurensuche: Vor über 100 Jahren kamen Impressionisten in das Fischerdorf. Der Lübecker Grafiker, Künstler und Dozent Heiko Jäckstein (47) hat jetzt die alten Motive neu verarbeitet.

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Original und zeitgenössisches Ölgemälde: Den im Garten von Peter Witt liegenden abgewrackten Kahn hat Heiko Jäckstein mit leuchtenden Farben auf die Leinwand gebannt.

Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat

Er hat sein Atelier verlassen, hat Staffelei, Leinwand und Ölfarben eingepackt und ist nach Gothmund gefahren, in jenes mehr als 500 Jahre alte Fischerdorf an der Trave. Zwischen Reetdachkaten und Schilf, im Garten der Fischerfamilie Kühn, auf dem Fischerweg und oben am Steilhang hat der Lübecker Grafiker, Künstler und Dozent Heiko Jäckstein (47) sich mit allen Sinnen auf Spurensuche begeben.

Und so entstanden zwischen April 2013 und September 2015 insgesamt 56 Bilder in Gothmund. Drei weitere malte er im Fischereihafen Travemünde, sechs im November mit vor Kälte steifen Fingern am Schwimmdock der Böbs-Werft. Dort nämlich wird einmal im Jahr die „Pionier“, das 1917 gebaute Boot der Fischerfamilie Kühn, überholt.

„Es ist meine Hommage an das Dorf und seine Bewohner, die Gothmund an der Trave eine Seele geben — seit langer Zeit. Und an die Künstler, die Maler, die sich den Impressionismus, die moderne Kunst, auf den Rücken schnallten und bis in den Norden ins abgelegene Gothmund brachten.“ Allen Jäcksteins gemein ist die rosa Grundierung, die jedem Bild eine ganz besondere Strahlkraft gibt.

Viele Motive, die beispielsweise Impressionist Ernst Eitner auf die Leinwand gebannt hatte, malte Jäckstein 120 Jahre später auf seine Art — wie Eitners „Fischerhäuser in Gothmund“ mit Blick zwischen den Häusern Nummer 10 und 11 hindurch auf den Steilhang. Zumindest der Fischerweg Nummer 10 gehört, wie Jäckstein bei seinen Gesprächen mit Gothmundern erfahren hat, zum „Neubaugebiet“ des Dorfes.

1893 nämlich machte ein großer Brand, vermutlich ausgebrochen in einem Schuppen, die Häuser Fischerweg 3-10 zunichte. Während die Fischer auf See waren, brannte das Dorf binnen zwei Stunden nieder. Doch schon bis zum Weihnachtsfest 1893 bauten die Fischer ihre Häuser wieder auf.

Gärten, Häuser, Schiffe, Netze und andere Utensilien in den Schuppen, der Lagunen-Hafen mit dem alten Treidelstieg — der Lübecker Künstler malte alles, was auch schon die Impressionisten des späten 19. Jahrhunderts inspiriert hatte. Und er lauschte den Anekdoten der heutigen Bewohner, deren Familien zum Teil seit mehreren Generationen in Gothmund ansässig sind. „Das hier“, sagt Jäckstein mit liebevollem Blick auf das Dorf am Steilhang, „ist wie eine Schatztruhe, die man nur öffnen muss“.

Das Fischerdorf hat übrigens seinen eigenen Maler: Fritz Witt, Jahrgang 1901, im Haus Nummer 3 als Sohn des Fischermeisters Hans Witt geboren, freute sich dereinst über die Besuche der auswärtigen Künstler, guckte einiges bei ihnen ab und begann selbst zu zeichnen. Er besuchte die Kunstakademien Hamburg und Düsseldorf, wurde Kunsterzieher in Köln und Elmshorn. Immer wieder kam er nach Gothmund zurück, um über Jahrzehnte das Leben der Fischerfamilien zu zeichnen und zu malen. Sein Nachfahre Peter Witt gilt übrigens als „Dorfchronist“. Zum Schreiben der Chronik kommt er bislang nicht — immer wieder halten ihn reparaturbedürftige Boote davon ab.

Die Gothmund-Bilder präsentiert Heiko Jäckstein im „K70“, Engelsgrube 70. Vernissage ist am Freitag, 4. März, um 19 Uhr mit Stadtpräsidentin Gabriele Schopenhauer. Zu sehen ist die Ausstellung dann bis zum 19. März donnerstags und freitags von 17 bis 19 Uhr, sonnabends von 11 bis 14 Uhr.

Auf den Spuren der Impressionisten

Ausgehend vom französischen Impressionismus, auf der Suche nach neuen Ausdrucksformen und Impressionen, entstanden in den 1880er Jahren auch in Norddeutschland immer mehr Künstlerkolonien. Ab Mitte der 1880er Jahre kamen erste Künstler nach Gothmund, um Fischernetze, Schilf, Reetkaten und Schiffe zu malen.
Den Kern der Gothmunder Kolonie bildeten Ernst Eitner, späteres Gründungsmitglied des Hamburger Künstlerclubs von 1897, auch der „Monet des Nordens“ genannt, der Braunschweiger Gustav Wendling, der Sylter Maler Andreas Dirks und der polnische Maler Paul Wieczorek, später Porträtmaler des elitären Amerika.
Heiko Jäckstein fragt: „Wo sind die Bilder derer, die sich auf den Weg machten, die Moderne in der Landschaft Norddeutschlands und in sich selbst zu finden? Wo sind die Skizzenbücher? Wer weiß etwas über den Verbleib der in Gothmund gefertigten Werke von Eitner, Rohlfs, Wendling, Wieczorek, Dirks, Illies, Burmester oder Malchin?“ Wer Jäckstein bei der Spurensuche helfen möchte, kann sich unter info@atelierjaeckstein.de bei ihm melden.

Sabine Risch

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