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St. Gertrud Sagt das Opfer die Wahrheit?
Thema S St. Gertrud Sagt das Opfer die Wahrheit?
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22:18 18.12.2015

Der dritte Verhandlungstag im Messerstecher-Prozess am Landgericht Lübeck stand ganz im Zeichen der Beweisaufnahme. Ruhig und gefasst saß der 71-jährige Heinz W. (alle Namen geändert) auf der Anklagebank, während das Schwurgericht der Großen Strafkammer zwei Gutachten des Landeskriminalamtes verlas.

W. wird versuchter Mord in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung vorgeworfen. Zurzeit befindet er sich in Untersuchungshaft, im Mai soll er auf seinen Nachbarn Michael F. mit einem Messer eingestochen haben (die LN berichteten). Der Vorfall ereignete sich in der Wohnung des Opfers, der 56- jährige Frührentner überlebte den Angriff. „Er erlitt insgesamt 20 scharfe Verletzungen“, sagte eine Sachverständige gestern vor Gericht. Davon gingen drei Stiche in den Brustkorb, einer führte zur Durchtrennung des Herzbeutels und zu einem Anstich der rechten Herzkammer. Nur diese Verletzungen seien lebensgefährlich gewesen, so die Sachverständige.

16 Tage war F. aufgrund seiner schweren Verletzungen im Krankenhaus behandelt worden. Er tritt im Prozess als Nebenkläger auf, war gestern jedoch nicht persönlich anwesend. F. hatte bereits am zweiten Prozesstag am 30. November vor Gericht ausgesagt. Seine Schilderung unterschied sich damals von seiner Aussage im Polizeiprotokoll: Vor Gericht hatte er angegeben, zu Beginn des Angriffs geschlafen zu haben, im Protokoll stand davon nichts.

Auf Nachfrage des Gerichts, ob die Verletzungen des Opfers zu dessen Gerichtsaussage passen, äußerte die Sachverständige gestern Zweifel. „Seine Abschürfungen an Händen und Armen sprechen dagegen, dass er geschlafen hat“, so die Expertin. „Er hat aktiv ins Werkzeug gegriffen, sich massiv geschützt.“

Neben den Gutachten wurden gestern auch Auszüge des langen Strafregisters des Angeklagten verlesen. Insgesamt 45 Jahre seines Lebens hat er wegen verschiedener Delikte bereits in Haft verbracht.

So war Heinz W. 1980 wegen Totschlags zu zwölf Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden. 1991 kam er wegen sexueller Nötigung mit sexuellem Missbrauch an Kindern in Haft.Die Verhandlung wird am Dienstag, 5. Januar, fortgesetzt.

kad

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