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St. Jürgen Keine Hochzeiten mehr in Villa: Standesamt wird verkauft
Thema S St. Jürgen Keine Hochzeiten mehr in Villa: Standesamt wird verkauft
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09:54 07.09.2015
Das Standesamt wird wohl 2016 aus der Lindeschen Villa ausziehen. Bürgermeister Bernd Saxe: „Die Tage sind gezählt.“ Quelle: Fotos: Neelsen, Maxwitat
St. Jürgen

Wer seinen Partner in dem schmucken Standesamt in der Ratzeburger Allee ehelichen will, sollte mit dem Heiratsantrag in die Puschen kommen. Die Lindesche Villa, in der das Standesamt untergebracht ist, wird verkauft. „Wir planen eine Ausschreibung der Immobilie im nächsten Jahr“, erklärt Matthias Rasch, Chef der städtischen Grundstücksgesellschaft „Trave“. „Die Tage des Standesamtes in diesem Gebäude sind gezählt“, bestätigt Bürgermeister Bernd Saxe (SPD), „2016 wird die Behörde umziehen und die Immobilie verkauft.“

1967 hat die „Trave“ das 1804 gebaute Haus von der Stadt übernommen, 1968 saniert und erweitert. Nach LN-Informationen bezieht die „Trave“ von der Stadt eine Nettokaltmiete von 52000 Euro im Jahr. Die Idee, das Gebäude zu Geld zu machen, stammt nicht von dem Wohnungsbauunternehmen. Die Bürgerschaft beauftragte die „Trave“ vor einigen Jahren, sich von allen Immobilien zu trennen, die nicht zum Wohnen genutzt werden. Das betrifft beispielsweise auch die Immobilie, in der das Kommunale Kino (KoKi) untergebracht ist. Wie viel Geld die Lindesche Villa in die Kassen der „Trave“ spülen könnte, darüber will Matthias Rasch nicht spekulieren. Die Erlöse würden der „Trave“ zufließen. Rasch: „Das Geld können wir für die Modernisierung und den Neubau von Wohnungen nutzen.“ Der Mietvertrag mit der Stadt läuft noch bis Ende 2017. Rasch würde die Immobilie auch mit dem Mieter Standesamt auf den Markt werfen. „Als Anlageobjekt“, so „Trave“-Chef Rasch.

Nach Angaben von SPD-Fraktionschef Jan Lindenau gibt es bereits eine Reihe von Kaufinteressenten. „Das Gebäude ist aber einfacher zu veräußern, wenn das Standesamt ausgezogen ist“, erklärt Lindenau.

Es sei überhaupt kein Problem, sich mit der städtischen Grundstücksgesellschaft auf ein Ende für den laufenden Mietvertrag zu einigen, ist Bürgermeister Saxe überzeugt. Von dem Umzug des Standesamtes in das Zeughaus würde auch die Stadt finanziell profitieren. Neben der Nettokaltmiete würden Nebenkosten und weitere Ausgaben für die Lindesche Villa anfallen, rechnet der Verwaltungschef vor: „Das Gebäude belastet unseren Haushalt jährlich mit über 100000 Euro.“ Bereits im Februar 2012 hat Saxe das Standesamt im Zeughaus vorgeschlagen. „Das wäre ein wunderbarer Ort für Eheschließungen“, sagt der Verwaltungschef erneut.

Dazu müsste aber die Völkerkundesammlung ausziehen. Gegen Überlegungen, die Sammlung mit mehr als 26000 Objekten in das frisch sanierte Gebäude am Meesenring auszulagern, wehrt sich die Gesellschaft für Geographie und Völkerkunde. Eine solch wertvolle Sammlung müsse einbruchs-, feuersicher und klimatisiert untergebracht werden, betont die Vorsitzende Renate Kastorff-Viehmann. Das alles sei im Meesenring nicht gegeben. Nach Informationen von Kastorff-Viehmann sollen diese Pläne inzwischen gestorben sein. Die Traglast der Decken soll nicht ausreichen, weiß SPD-Politiker Lindenau. Er und Kultursenatorin Kathrin Weiher (parteilos) verfolgen den Plan, die Völkerkunde im Holstentor unterzubringen (die LN berichteten). Die Stadt will im November eine Lösung vorschlagen.

Und wer will die Lindesche Villa kaufen? Gerüchteweise fällt immer wieder der Name Eymer. Burkhart Eymer aber versichert den LN: „Das ist eine Ente.“

Kai Dordowsky

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