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Ganz schön sexy, diese Tänzerinnen

Lübeck Ganz schön sexy, diese Tänzerinnen

Burlesque hat bei Frauen jeden Alters in Lübeck immer mehr Zulauf — Im Kleinen Hoftheater in der Schwartauer Allee findet nun jeden Donnerstagabend ein Kursus statt.

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Burlesque ist wieder in Mode: Meike Walter (27, v. l.), Sybille Schuldt (48), Kathrin Weingärtner (33) und Janina Fischer (36).

Lübeck. Sie wiegen langsam ihre Hüften, stolzieren elegant in High Heels auf der Bühne und blicken neckisch hinter ihren Fächern hervor: Burlesque verbindet Tanz, Erotik und Theater — und ist angesagt wie lange nicht. Spätestens seit dem Kinoerfolg mit Christina Aguilera und Cher oder den Auftritten von Dita von Teese ist die erotische Bühnenshow aus den 1920er Jahren wieder in aller Munde. In vielen deutschen Großstädten werden Burlesque-Kurse angeboten, nun auch in Lübeck.

Im Kleinen Hoftheater in der Schwartauer Allee versammeln sich jeden Donnerstagabend etwa zehn Frauen zwischen 18 und 50 Jahren. Sobald sie zur Tür herein sind, heißt es erst einmal: umziehen. „In Turnschuhen und Jogginghosen kann man kein Burlesque machen“, sagt Kursleiterin Annette Knüppel, „das passt einfach nicht. Darum tanzen wir in Kleidern und hohen Schuhen.“ Die Vorsitzende des Vereins Musical und Showtanz Lübeck betont aber: „Diese „Sportsachen“ müssten natürlich bequem sein. Man muss sich wohlfühlen.“ Doch wer glaubt, die Bühne verwandele sich ab 19 Uhr in den Ort für eine Striptease-Show, der liegt falsch. „Es geht nicht ums Ausziehen“, sagt Knüppel. „Burlesque ist zur Hälfte Tanz und zur Hälfte Mimik und Gestik.“ Man müsse Theater spielen, in eine Rolle schlüpfen, meint sie. „Man kann der Vamp sein oder das schüchterne Mädchen. Es geht darum, sexy zu sein. Zumal der Charme des Verhüllten wieder in Mode kommt.“

Vielen Frauen falle es zu Beginn schwer, sich erotisch zu bewegen. „Aber man kann lernen, sexy zu sein, ohne sich dabei unwohl zu fühlen.“ Klingt, als hätte sie eine Anleitung. Wie wird man denn sexy? „Sexy sein heißt, dass man sich anders bewegt, die Hüfte mitgehen lässt, mit Blicken spielt, sich selbst anfasst, größere Bewegungen macht, eine gerade Haltung einnimmt und seinen Körper offen präsentiert, so wie er ist.“ Das ist alles? „Es ist ein Gefühl. Wenn man sich selbst schön findet und das auch so rüberkommt, dann ist man sexy.“ Um das Spiel mit der Erotik, dem Theater mit dem Publikum zu lernen, ist der Kursus da. „Wir starten jede Stunde meist mit Gehübungen, um die Hüfte zu lockern, dann lernen wir Schritt für Schritt gemeinsam eine Choreografie.“ Dabei dürfe das passende Ambiente nicht fehlen: Schwach-blaues Licht scheint auf die Bühne, Alley Cat, der Song von Bent Fabric aus den 60ern, wird aufgedreht; es scheint wie eine Reise per Zeitmaschine in vergangene Jahre. Die Frauen tragen Federboas, Glitzerbänder um die Stirn, Fächer in den Händen. Alle proben noch schnell ihren Wimpernaufschlag und nehmen den Platz auf der Bühne ein. Mit übereinandergeschlagenen Beinen setzen sie sich elegant auf die bereitgestellten Stühle, tanzen auf und neben ihrem Stuhl und darum herum — alles mit einem sexy Blick.

„Es ist das sechste Treffen, und die Mädels haben schon einiges gelernt“, sagt Annette Knüppel stolz. Auch nach Ende der Stunde liegt noch die Erotik der 20er Jahre in der Luft. „Man fühlt sich schon sexy dabei“, lacht Teilnehmerin Janina Fischer (36). Und es kommt natürlich gut bei den Männern an“, schmunzelt sie. Für Tamara Kopper (18) steht das Tanzen im Vordergrund. „Sexy sein ist für einige sowieso Naturell, für andere weniger“, meint sie. „Aber man kann es auf jeden Fall lernen.“ Und dafür sei es nie zu spät, denn das Alter spiele in dem Kursus ohnehin keine Rolle, ergänzt Knüppel. „Burlesque hat kein Alter. Jeder kann es tanzen.“

Tanz, Theater und Erotik
Burlesque ist eine Unterhaltungsshow, die in den 1920er Jahren des 20. Jahrhunderts in Amerika entstand. Im Laufe der Jahrzehnte löste sich die Verbindung zwischen Tanz, Theater und erotischer Unterhaltung immer weiter auf und wurde zum tatsächlichen Ausziehen, dem Striptease. In den vergangen Jahren gewann der Tanz als „New Burlesque“ wieder an Beliebtheit. Die künstlerischen Aspekte von humorvollem Kokettieren mit Erotik, Striptease und Comedy-Einlagen stehen im Vordergrund.
Eine bekannte Vertreterin ist Dita von Teese. Die „Queen of New Burlesque“ gilt als Mode-Idol. Sie inszeniert sich sowohl als Glamour Girl wie als Femme fatale. Ihr Künstlername bezieht sich auf das englische Wort „tease“ und bedeutet reizen, necken oder anmachen.
Der Film „Burlesque“ von 2010 mit Christina Aguilera und Cher in den Hauptrollen brachte dem Tanz wieder eine größere Popularität ein.

Elisabeth Riedel

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