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Neues Leben im Weltkriegsbunker

St. Lorenz Nord Neues Leben im Weltkriegsbunker

Die Islamische Gemeinde Lübeck will das Gebäude in der Schwartauer Allee zu einem Haus für alle umbauen.

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Der Hochbunker hat sechs Etagen und 2,80 Meter dicke Wände.

St. Lorenz Nord. Sie haben Großes vor: Die Mitglieder der Islamischen Gemeinde Lübeck (IGL) wollen den Hochbunker in der Schwartauer Allee 28 ausbauen und zu einem Anlaufpunkt für den kompletten Stadtteil machen. „Wir planen einen Lebensmittelladen und eine Bäckerei“, sagt IGL-Vorstandsmitglied Ahmet Kahya, „eventuell auch ein Restaurant oder Café.“

Gleichzeitig sollen zukünftig in den oberen Stockwerken Sprachkurse und weitere soziale Angebote stattfinden.

Doch bis dahin liegt noch viel Arbeit vor ihnen. „Es ist eine Mammutaufgabe“, beschreibt es der IGL-Vorsitzende Haci Savas. „Aber es helfen alle mit.“ Momentan ist die Gemeinde dabei, den Betonkoloss an der Ecke zur Marienstraße komplett zu entkernen, Ende Januar wollen sie die Arbeiten abgeschlossen haben. Sechs Stockwerke ist der Bunker hoch: Vom ersten bis zum vierten Geschoss gibt es zwei Räume à 60 Quadratmeter. Hinzu kommen eine Dachetage und das verwinkelte Erdgeschoss.

„Wir haben immer mal wieder die Idee gehabt, etwas aus dem Bunker zu machen“, sagt Kahya. Doch die Überlegungen seien stets verworfen worden, „dann sind sie aber irgendwann konkret geworden“. Der Bund hatte das Gebäude zum Verkauf angeboten, die IGL sah ihre Chance und gab ein Angebot ab. „Wir mussten schon ein paar Gespräche innerhalb der Gemeinde führen, um wirklich alle zu überzeugen“, gesteht Savas. Schließlich kaufe man nicht alle Tage einen Bunker, und die rund 330 Gemeindemitglieder wollten überzeugt werden. Über den genauen Kaufpreis hüllen sich Savas und Kahya allerdings in Schweigen: „Nur so viel: Er war günstig.“ Finanziert wird der Kauf ausschließlich über Spenden der Mitglieder oder anderer Lübecker.

Der Bund habe sich unter anderem deshalb für die Islamische Gemeinde als Nachnutzer entschieden, weil sie ein stimmiges Konzept habe. „Es wurde auch der soziale Aspekt berücksichtigt“, sagt der 52-jährige Kahya. Abgesehen vom Lebensmittelladen denkt die Gemeinde bereits zum Beispiel über Deutschkurse, einen Sportraum oder Nähkurse nach. „Alle sind willkommen“, sagt Savas, „wir wollen uns allen öffnen.“ Die Moschee und das aktuelle Gemeindezentrum im Schatten des Bunkers bleiben erhalten.

Einer, der sich schon auf den Umzug freut, ist Ilyas Baskurt. Der 43-Jährige führt den Lebensmittelladen der Gemeinde, der noch sehr versteckt im Hinterhof liegt. „In Zukunft wird das bestimmt ganz anders“, sagt er. Geplant ist, dass das Geschäft ins Bunker-Erdgeschoss umzieht und von der Straße aus gut zu sehen ist. „Dann können wir Multikulti machen“, freut sich Baskurt.“ Abgesehen davon hat der Lebensmittelladen dann auch deutlich mehr Platz.

Seit knapp anderthalb Monaten wird im Weltkriegs-Bunker gewerkelt, überall liegt Schutt herum. Das Gebäude wurde zuletzt vom Katastrophenschutz genutzt, doch nun wird es nicht mehr benötigt. Die alten Stromaggregate sind zuvor schon entfernt worden, beim Zerschneiden eines der 20 000-Liter-Wassertanks war Anfang November ein Feuer ausgebrochen. Die Feuerwehr benötigte mehrere Stunden, um den Brand zu löschen — unter anderem wegen der dicken Rauchschwaden (die LN berichteten). „So ein Bunker hat eben keine Fenster“, sagt Kahya, „erst nach vier Tagen war alles belüftet.“

Um das bedrückende, kellerartige Gefühl loszuwerden, sollen während des Umbaus Fenster in die 2,80 Meter dicken Wände geschnitten werden. „Ganz viele Fenster“, sagt der 50-jährige Savas. Außerdem hat die Islamische Gemeinde Architekturstudenten der Fachhochschule mit ins Boot geholt, die das Innere des Bunkers gestalten sollen. „Dann beginnen wir mit der Einrichtung“, sagt Kahya. Doch so weit will er noch gar nicht planen. „Erst einmal müssen wir sauber machen.“

Kleines Fest
Die Islamische Gemeinde Lübeck feiert vom 25. bis 27. Dezember ein Winterfest. Im Zentrum steht der sogenannte Hamsi — die Europäische Sardelle. Der Fisch wird in der Türkei im Winter gefangen, die Gemeinde feiert das mit Fischgerichten und süßen Speisen. Das Fest beginnt mittags und dauert jeweils bis 18 Uhr.

Peer Hellerling

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