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St. Lorenz Süd Zerreißprobe für Jugendtreff „Dorne 62“
Thema S St. Lorenz Süd Zerreißprobe für Jugendtreff „Dorne 62“
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21:23 04.01.2016
Constanze Poerschke (l.) und Eveline Hojenske zeigten im Beisein von Jugendlichen, Eltern und Mitstreitern die Unterschriftenlisten, mit denen die Wiedereinstellung von Marc-Udo Wrage gefordert wird. Quelle: Maxwitat

Im Haus Dornestraße 62 im Stadtteil St. Lorenz Süd beginnt das neue Jahr wie das alte endete: mit heftigem Streit. Der beliebte Kinder- und Jugendtreff „Dorne 62“ ist kopflos. Leiter Marc-Udo Wrage, der den Treff maßgeblich aufbaute, wurde nach 19 Jahren vom Träger, der „Sozialistischen Jugend Deutschlands — Die Falken“, ohne Angabe von Gründen gefeuert (die LN berichteten). Die stellvertretende Leiterin Maike Kopischke warf jetzt entnervt das Handtuch. Die Erzieherin kündigte nach zehnjähriger Tätigkeit fristgerecht zum Jahresende 2015. Doch ihre Dienstzeit geht noch bis zum 1. Juni. Ein von den Falken eingesetzter neuer Leiter des Jugendtreffs warf nach nur drei Monaten die Brocken hin.

Die Gründe für die Kündigung von Marc-Udo Wrage sind auch Monate danach noch völlig unklar. Die Jugendlichen, die den Treff seit Jahren besuchen, und deren Eltern loben die „exzellente Arbeit“ des ehemaligen „Dorne 62“-Leiters.

Mit einem dicken Bündel von 620 Unterschriften forderten Eltern und Jugendliche gestern im Jugendtreff die Wiedereinstellung von Marc-Udo Wrage. Die Unterschriftenlisten sollten an Renate Paulien-Wittmaack, Kreisvorsitzende der „SJD — Die Falken“, übergeben werden. Doch die Kreischefin kam nicht in die Dornestraße zum Termin. In einem Schreiben, das den LN vorliegt, erklärte sie: „...

eine Übergabe der Unterschriftenlisten in Form einer medienträchtigen Veranstaltung halten wir für wenig zielführend“. Das Arbeitsverhältnis von Marc-Udo Wrage sei ordnungsgemäß gekündigt worden.

Zwischenzeitlich sei ein neuer Mitarbeiter eingestellt worden, der „am 4. 01. 2016 mit seiner Arbeit beginnt“. Das war gestern. Doch bis zum frühen Nachmittag war dieser nicht zu sehen.

Dagmar Hildebrand, Ortsvorsitzende CDU-West, erhebt schwere Vorwürfe: „Die Falken haben Marc-Udo Wrage nach fast 20-jähriger Tätigkeit entlassen, weil er wohl unbequeme Fragen gestellt hat, die ihnen nicht gepasst haben.“ Jasmin Oldenburg, deren Kind den Jugendtreff besucht, fordert einen neuen Träger. Die „Falken“ hätten sich „auf ganzer Linie als untragbar entpuppt“. Dagmar Hildebrand wies darauf hin, dass der Jugendtreff im Jahr 2014 von der Stadt mit 122 800 Euro gefördert worden sei. Im vergangenen Jahr seien für den Treff 127 000 Euro im Lübecker Etat bereitgestellt worden. Bei derartigen Geldbeträgen sei ein „vernünftiger Träger zwingend“. Sigrid Weinert, Sprecherin der Interessengemeinschaft Hansering, hob die „große Bedeutung des Jugendtreffs für den gesamten Stadtteil“

hervor.

Die Mütter Jasmin Oldenburg und Constanze Poerschke sprechen von „unsozialem Verhalten der Lübecker ‘Falken‘“. Hassen Kchaou (22), der seit Jahren den Jugendtreff besucht, wird noch deutlicher: „Es ist eine Frechheit, wie hier mit Jugendlichen umgegangen wird.“ Andere Jugendliche des Treffs „Dorne 62“ äußerten sich ähnlich erschüttert. Tanja und Svenja Henkies und Sabrina Askar nennen Marc-Udo Wrage „eine Vertrauensperson“, Taner Gören würdigt dessen „Weltoffenheit“ und Abu Imad Cheaito (24) ist überzeugt: „Ohne Marc wird der Treff nie mehr das sein, was er mal war.“

„Der Jugendtreff
„Dorne 62“ braucht einen neuen Träger.“
Jasmin Oldenburg
„Marc-Udo Wrage war
für uns Jugendliche eine Vertrauensperson.“
Svenja Henkies

Torsten Teichmann

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