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Studieren in Lübeck Für mehr Präzision in der Tumorbestrahlung
Thema S Studieren in Lübeck Für mehr Präzision in der Tumorbestrahlung
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22:15 15.10.2013
Dr. Floris Ernst stellt den Geräte-Prototyp ein; die weiße Bestrahlungsmaske für den Patienten ist in Position gebracht. Quelle: Michael Hollinde
Lübeck

Eigentlich zeichnet sich der Lübecker Hochschul- Campus auf Grund seiner überschaubaren Größe durch kurze Dienstwege aus. Wenn Dr. Floris Ernst und seine Arbeitsgruppe allerdings Neuigkeiten aus ihrem Forschungslabor mitzuteilen haben, wird via Skype und Internet kommuniziert. Denn ihr Auftraggeber und Sponsor sitzt auf der anderen Seite des Atlantiks im kalifornischen Palo Alto. „Die US-Firma Varian Medical Systems, führender Hersteller von Linearbeschleunigern zur Tumorbehandlung, unterstützt unser Projekt mit knapp 350 000 Euro“, erklärt der Diplom- Mathematiker, der am Lübecker Uni-Institut für Robotik und Kognitive Systeme arbeitet.

Zusammen mit vier Doktoranden entwickelt der Software-Ingenieur ein neues System zur Positionserkennung von Patienten, um bei Bestrahlungen des Kopfes die Fixierung der Patienten sowie die Verwendung von Röntgenstrahlung zur Lokalisierung unnötig zu machen. „Wenn Patienten mit einem Gehirntumor behandelt werden, ist es immens wichtig, dass der Krebsherd millimetergenau bestrahlt wird, damit kein lebenswichtiges Gewebe in der direkten Umgebung zerstört wird“, betont der 32-Jährige. Ernsts Gruppe versucht sich an einer weltweit einzigartigen Technik, um in Echtzeit mittels eines Infrarot-Lasers direkt die Lage des Schädelknochens bestimmen zu können.

„Dies würde neben weiterer Bestrahlungspräzision auch dem Patienten die sehr unbequeme, harte Bestrahlungsmaske ersparen“, so der Wissenschaftler. Zudem werde damit auch erstmals der Einsatz ohne zusätzliche Röntgenbildgebung möglich, was neben der Senkung der Röntgenstrahlen-Belastung auch eine drastische Reduktion der Gerätekosten und damit der Zugänglichkeit der Technologie bewirken würde, fügt er hinzu. Ein erster funktionsfähiger Prototyp steht bereits im Labor; eine Studie zur Genauigkeitsanalyse wird bald starten. Im nächsten Jahr sollen dann in Kanada die ersten Patienten mit der Innovation in Kontakt kommen. Dass sich der Nachwuchsforscher in seiner beruflichen Laufbahn den Algorithmen zugewandt hat, ist übrigens familienbedingt. „Mein Vater ist Informatik-Professor an der FH Rosenheim“, schmunzelt er. „Das hat sich wohl vererbt.“ mho



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