Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Studieren in Lübeck Intelligente Krankenversorgung: Cisco investiert in die Universität
Thema S Studieren in Lübeck Intelligente Krankenversorgung: Cisco investiert in die Universität
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:17 31.01.2017
Gestern gab es im Herrenhaus der Universität ein Kick-off-Meeting der Akteure. Vorne besiegeln per Handschlag Prof. Stefan Fischer (v. l.), Vizepräsident für den Geschäftsbereich Technologietransfer, Uni-Präsident Prof. Hendrik Lehnert sowie Christian Korff von Cisco Deutschland, die Kooperation. Quelle: Foto: Felix Koenig

Es ist eine Kooperation mit einem Weltunternehmen, die die Universität zu Lübeck gestern offiziell verkündet hat. Die nächsten drei Jahre engagiert sich Cisco Systems, das US-amerikanische Unternehmen aus der Telekommunikationsbranche, auf dem Campus. Nach LN-Informationen sollen 2,7 Millionen Euro fließen. „Das ist ein toller Tag für uns, an dem wir zu einem großen Projektentwickler werden“, freut sich Uni-Präsident Prof. Hendrik Lehnert.

Und Christian Korff, Vertriebsdirektor für die öffentliche Hand bei Cisco Deutschland, lobt: „Die Hochschule bietet uns eine perfekte Kombination an Leistungszentren. Auf der einen Seite haben wir das Uniklinikum Schleswig-Holstein, das UKSH, mit seiner medizinischen Kompetenz, und auf der anderen Seite die fundierte Medizintechnik sowie die starke Informationstechnologie als Standbeine.“

Diese Konzentration an Expertisen auf diesen drei Fachgebieten sei quasi einzigartig.

Doch was haben die Akteure nun vor? Sie wollen die Gesundheitsversorgung durch die gemeinsame Plattform „Center for Open Innovation in Connected Health“ verbessern. Es geht dabei um Telemedizin, Videokonferenzen, virtuelle Arztbesuche und bessere Datenvernetzung. Ein Vorhaben, das erst durch Praxisbeispiele aber so richtig verständlich wird.

Dazu Prof. Jost Steinhäuser, Direktor des Uni-Instituts für Allgemeinmedizin: „Um dem Ärztemangel gerade in ländlichen Regionen zu begegnen, machen bereits sogenannte Medizinische Fachangestellte Hausbesuche bei Patienten. Diese MFAs könnten zukünftig per Videokonferenz mit ihrer Stammpraxis verbunden werden, wenn beispielsweise kritische Befunde zu besprechen oder schnell Diagnostik-Bilder zu übermitteln sind.“

Der Experte erwähnt ebenfalls die Anwendungsmöglichkeit, Hausarztpraxen mit Pflegeheimen zu vernetzen. „So können Rückmeldungen aus den Einrichtungen direkter erfolgen“, merkt er an. Welche weiteren Bedarfe es gebe, werde sich jedoch Schritt für Schritt zeigen. Für sein „Joint lab“ werden jetzt Ärzte aus der Region sowie von der Westküste zur Teilnahme angesprochen.

Der Begriff „Joint lab“ signalisiere, so Cisco-Vertriebsdirektor Korff, „dass wir offen sind. Es ist keine geschlossene Benutzergruppe.“ Er nennt noch ein weiteres mögliches Praxisbeispiel: „Wenn es bei einem Arzt-Patienten-Gespräch sprachliche Hürden geben sollte, könnte per Videokonferenz ein Dolmetscher zugeschaltet werden.“ Generell ziele die neue Allianz, ausgehend von einem beim Patienten ansetzenden Verständnis des Gesundheitswesens, auf die Einbeziehung von Kliniken, Praxen, Ärzten, Krankenkassen, der Industrie von Pharmazie und Medizingeräten sowie aller Anbieter von Dienstleistungen im Gesundheitssektor.

Drei große Teilprojekte wird es geben: Infrastruktur mit dem Stichwort Videokonferenz, Telemedizin und Internet der Dinge im Pflegebereich. Und von Uni-Seite sind insgesamt sechs Einrichtungen dabei:

Institut für Informationssysteme, Institut für Multimediale und Interaktive Systeme, Institut für Telematik, Institut für Allgemeinmedizin, Institut für Pflege sowie das IT-Servicezentrum der Universität.

Dessen Betriebsleiter Helge Illig hatte den „Kooperationsstein“ vor zwei Jahren übrigens ins Rollen gebracht. Dazu Christian Korff von Cisco: „Vor zwei Jahren war Herr Illig bei uns zu Besuch in Hamburg beim CIO-Summit, und wir haben über Zukunftsthemen diskutiert. Dabei kamen wir zufällig ins Gespräch, und mit der Zeit wurde mir klar, welche Kompetenzen die Universität Lübeck auf ihrem Campus vereint.“

Networking Academy geplant

Cisco Systems wurde Ende 1984 von einem Wissenschaftler-Team der Stanford University bei San Francisco gegründet. Der Firmenname leitet sich von den beiden letzten Silben des Gründungsortes ab.

Ziel war es, die Vernetzung von Computern zu vereinfachen und sie effektiver zu nutzen. Das Unternehmen ist Hersteller von allen aktiven Komponenten für das Internet, von Switches oder Routern und so weiter.

Vor zwei Jahren wurde laut Christian Korff, Vertriebsdirektor für die öffentliche Hand bei Cisco Deutschland, ein Investitionsprogramm „Deutschland digital“ mit einem Umfang von 500 Millionen US-Dollar aufgelegt. Um die Ausbildung von jungen Fachkräften zu fördern, wurde eigens die sogenannte Networking Academy ins Leben gerufen. Sie soll auch auf dem Campus der Universität zu Lübeck etabliert werden.

Michael Hollinde

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige