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Jeder zweite Student fühlt sich gestresst

Lübeck Jeder zweite Student fühlt sich gestresst

Laut AOK-Studie höhere Quote als bei Berufstätigen – Konzentrationsschwierigkeiten, Schlafstörungen sowie Lustlosigkeit am häufigsten – Uni Lübeck steuert gegen.

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Dr. Thomas Kötter (v. l.), Arbeitsgruppenleiter Studierendengesundheit an der Uni Lübeck, ergründet im Gespräch, wodurch sich die MLS-Studentinnen Lissa Pschichholz (21) und Alessandra Henkel gestresst fühlen.

Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat

Lübeck. Alessandra Henkel und Lissa Pschichholz sitzen gemeinsam an einem Tisch im Audimax-Foyer und feilen an ihrem Protokoll. „Das ist schon immer sehr zeitaufwendig“, kommentieren die beiden Drittsemesterinnen. Sie studieren an der Lübecker Universität Molecular Life Science, kurz MLS, ein Studiengang, der die molekulare Zell- und Strukturbiologie sowie deren Anwendung in Medizin und Biotechnologie vermittelt. „Dass man viel lernen muss im Studium, ist ja völlig normal, aber es fällt immer so viel nebenbei an, das so viel Zeit kostet“, sagen die Studentinnen. Entsprechend fühle man sich durchaus häufiger mal an der Belastungsgrenze.

Mit dieser Gefühlslage befinden sich die jungen Frauen in guter Gesellschaft. Denn Studierende in Deutschland sind überdurchschnittlich gestresst. Das geht aus einer aktuellen und repräsentativen Online-Befragung der Universitäten Potsdam und Hohenheim unter mehr als 18000 Hochschülern hervor. Die Untersuchung, die im Auftrag der Krankenkasse AOK durchgeführt wurde und bisher die umfassendste rund um die Belastung von Studierenden ist, zeigt auch: Weibliche Studierende leiden mehr unter den Anforderungen als ihre männlichen Kommilitonen, an staatlichen Universitäten ist man gestresster als an privaten Hochschulen, und Bachelorstudenten fühlen sich mehr belastet als Studierende anderer Abschlussarten.

Die Potsdamer Studienleiterin Prof. Uta Herbst erklärt: „Es ist vor allem der Stress, der durch Zeit- und Leistungsdruck sowie die Angst vor Überforderung entsteht, was Studierenden das Leben schwer macht. 53 Prozent geben ein hohes Stresslevel an, damit rangieren sie sogar vor anderen Bevölkerungsgruppen.“ Denn: Wie eine vergleichbare Studie aus dem Jahr 2015 gezeigt hat, lag der Anteil der in der Arbeitswelt Beschäftigten mit hohem Stresslevel mit 50 Prozent knapp darunter.

Es sei ja nicht die erste Untersuchung, die das zu Tage gefördert habe, wendet Dr. Thomas Kötter ein. Er leitet die Arbeitsgruppe Studierendengesundheit am Lübecker Uni-Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie, die bereits seit 2011 in einer eigenen Studie den hiesigen Campus im Blick hat und auf sieben Jahre angelegt ist (die LN berichteten). Mittlerweile konnten mehr als 2500 Studierende in der sogenannten Lust-Studie (Lübeck University Students Trial) eingeschlossen werden.

„Wenn wir unsere bisherigen Ergebnisse vergleichen mit der AOK-Studie, sehen wir durchaus Parallelen“, erklärt der Arzt, „so sind unter anderem Frauen auch auf unserem Campus häufiger betroffen.“ Vor allem mit Konzentrations- und Schlafstörungen sowie Kopfschmerzen hätten Betroffene zu kämpfen. „Bluthochdruck, manifeste Angsterkrankungen sowie Depressionen sind zum Glück eher seltene Symptome“, weiß Kötter. Allerdings berichtet er ebenfalls, dass immerhin zehn bis 20 Prozent der Uni-Studierenden nach ein oder zwei Jahren Studiendauer ein erhöhtes Risiko für Burnout aufweisen würden. Und eine nicht unerhebliche Zahl greife zu Antidepressiva und Aufputschmitteln.

„Deshalb bieten wir bereits seit zwei Jahren für alle Erstsemester das Wahlfach ,Gesund durchs Studium‘ mit Tipps gegen Prüfungsangst, für genug Entspannung und Zeitmanagement an“, so Dr. Thomas Kötter. Hier steige die Teilnehmerquote stetig an. Und da das Thema inzwischen die gesamte Hochschule durchdrungen habe, laufe derzeit das Berufungsverfahren für eine Professur für Gesundheitsförderung in Studium und Beruf. „Es ist also kein Strohfeuer wie an den meisten anderen Unis“, freut er sich. Und sein Rat an Betroffene ist: „Die Symptome ernst nehmen und rechtzeitig Hilfe suchen.“

Michael Hollinde

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