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Lesen und Schreiben lernen mit Lübecker Computer-Programm

Lübeck Lesen und Schreiben lernen mit Lübecker Computer-Programm

Ein Bachelorstudent der Lübecker Uni hat eine Anwendung für Grundschüler entwickelt.

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Finn (6, v. l.), Kalle (6), Merle (7) und Lina (7) aus der ersten Klasse der Grundschule Niendorf haben mit dem Lernspiel ihren Spaß.

Quelle: Lutz Roeßler

Lübeck. Ihr Blick ist ein wenig skeptisch, als Uni-Student Stefan Auwetter seinen Laptop und den Tablet-Computer vor ihren Augen im Klassenraum aufbaut sowie die Box mit den sechs Elektronik-Würfeln öffnet, Sifteo-Cubes genannt. Dass man damit Lesen und Schreiben lernen soll, ist den Erstklässlern wohl schleierhaft. Dann erscheinen Buchstaben-Folgen und Symbole auf dem Display des Computers wie auch auf den kleinen Würfeln. Und wenn man drauftippt, erklingen die passenden Laute. Schon ist die Aufmerksamkeit der Sechs- und Siebenjährigen, also von Finn, Kalle, Merle und Lina, geweckt.

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Student Stefan Auwetter hat seine Bachelorarbeit abgeschlossen.

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„Schuh“ wählen die Vier als Beispielwort aus. Und als sie sich dann die gewählten Anlaute „sch“, „u“ und „h“ in der richtigen Reihenfolge vom „elektronischen Lernhelfer“ vorlesen lassen, ist das Erfolgserlebnis perfekt. „Das hat doch schon gut geklappt“, kommentiert der 27-Jährige, der an diesem Ort selbst mal die Schulbank gedrückt hat. „Aus dieser persönlichen Historie heraus kam dann auch der Kontakt zur Grundschule Niendorf zustande“, erklärt Auwetter. In seiner Bachelorarbeit am Lübecker Uni-Institut für Multimediale und Interaktive Systeme, kurz IMIS, hat der Studierende das interaktive Lernspiel für Vor- und Grundschulkinder entwickelt.

Die Anwendung habe zum Ziel, die „Lesen durch Schreiben“-Methode von Jürgen Reichen durch digitale Medien zu ergänzen und „be-greifbar“ zu machen, bemerkt sein Uni-Betreuer Dr. Thomas Winkler, wissenschaftlicher Mitarbeiter am IMIS. „Dabei setzen wir mit unserem Spiel an einer entscheidenden Schwachstelle an. Denn bei der Methode wird das selbstständige Lernen unter minimaler Hilfe eines Lehrers angestrebt, obwohl Schreiben ein gemeinsamer Prozess ist“, so der Diplom-Pädagoge und Diplom-Designer. Mit „SpelLit“ aber, so der Kurzname der Anwendung, werde den Erstklässlern in der Gruppensituation ein Kontrollmedium zur Seite gestellt.

Sechs Monate lang hat der Nachwuchs-Forscher mit Algorithmen an dem System getüftelt, drei verschiedene Programmsprachen aufeinander abgestimmt. „Jetzt geht es in die Testphase, um zu gucken, ob sein Nutzen wirklich wissenschaftlich belegbar ist“, erklärt Auwetter. Und wenn dies dann belegbar sei, benötige man noch zirka sechs Monate bis zur Marktreife. „Das ist alles möglich“, sieht auch Winkler eine realistische Chance. Sein Institut begreift es als wichtige Aufgabe, dass junge Leute frühzeitig mit digitalen und interaktiven Medien von morgen lernen. „Mit unserer Initiative KiMM, also Kids in Media and Motion, versuchen wir zeitgemäße Medienkompetenz in Bildungsprozessen zu verankern.“

Dass dies auch durchaus kritisch gesehen werden kann, belegt der Kommentar von Deutschlehrerin Ines Bremsteller. „Natürlich stehen wir gerne zur Verfügung, um so ein Lernsystem durch unsere Schüler testen zu lassen“, sagt die Niendorfer Pädagogin. „Ich bevorzuge aber in den ersten beiden Klassen noch haptische Lernmittel wie Buch, Heft, Tafel oder Knete. Kinder sitzen schließlich zu Hause noch häufig genug vor dem Computer.“

Umstrittene Methode
„Lesen durch Schreiben“ — diese Methode wurde in den 1970er Jahren vom Schweizer Reformpädagogen Jürgen Reichen für den muttersprachlichen Primarschulbereich entwickelt.

Um sie ist in den vergangenen Monaten ein heftiger Streit entbrannt. Gegner sehen als Folge der Methode mit Hilfe der Anlauttabelle eine zunehmende „chaotische Rechtschreibung“ beim Nachwuchs. Die Kieler Landtags-Opposition von CDU und FDP hat sogar bereits Anträge vorgelegt, den Schulen die Methode gänzlich verbieten zu lassen.

Michael Hollinde

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