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Studieren in Lübeck Medizinstudenten trainieren Gespräche mit Patienten
Thema S Studieren in Lübeck Medizinstudenten trainieren Gespräche mit Patienten
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22:24 05.11.2013
Medizinstudentin Katrin Petersen (l.) übt an Schauspielpatient Shejan von Fintel (liegend), wie sie richtig mit Patienten kommuniziert. Schwerpunktsprecher Daniel Wiswede (2. v. l.) und die restliche Übungsgruppe beobachten das Gespräch. Quelle: Lutz Roeßler

„Sind Sie jetzt nicht mehr meine Ärztin?“ Der Patient sitzt im Behandlungsraum am Schreibtisch seiner Ärztin und knetet verzweifelt seine Hände. Auf der anderen Seite des Tisches sitzt, bekleidet mit einem weißen Kittel, Natalie Mamezale und redet beschwichtigend auf ihn ein. Im Hintergrund läuft unsichtbar eine Kamera und nimmt das Gespräch auf. Hinter dem „Patienten“ öffnet sich die Tür. Herein kommt Daniel Wiswede, unterbricht die Situation und bittet die beiden nach nebenan.       Dort sitzen fünf Kommilitonen von Natalie Mamezale und haben das Gespräch über einen Bildschirm beobachtet. Und was auf den ersten Blick aussieht wie ein ganz normales Arzt-Patienten-Gespräch, ist in Wirklichkeit eine Lehreinheit in Sachen Gesprächsführung des neuen Lehrschwerpunkts „Kommunikation“.

Daniel Wiswede, Sprecher des Schwerpunkts, übt an diesem Tag mit den Medizinstudenten aus dem fünften Studienjahr im eigens für die praktische Ausbildung der Studenten geschaffenen Übungsarztzimmer.

„Ich hatte das Gefühl, ich konnte erst nicht zum Patienten durchdringen“, gibt Natalie sich kritisch. Doch die Kommilitonen sehen das anders. „Natalie war dem Patienten sehr zugewandt“, findet Elisa Püßmann. Auch Wiswede ist zufrieden. „Du kannst sehr emphatisch sein — und spiegelst das.“

Geübt wird hier nicht nur Gestik und Mimik, auch die Sitzposition, Körperhaltung und die Stimme wird unter die Lupe genommen. In diesen interaktiven Unterrichtseinheiten proben die angehenden Mediziner in Kleingruppen, wie zielfördernde Kommunikation mit Patienten, Angehörigen und Kollegen geht.

„Kommunikation ist das A und O in der Medizin“, sagt Professor Jürgen Westermann, Studiengangsleiter Humanmedizin der Uni Lübeck. Die Idee, das Kommunikationstraining, das eine lange Tradition in der Medizinerausbildung hat, neu zu strukturieren und daraus einen Lehrschwerpunkt zu machen, kam vergangenes Jahr.

„Wir haben 17 Kliniken und Institute angeschrieben, sie nach ihren Erfahrungen gefragt — und unter welchen Gesichtspunkten sie Kommunikation lehren“, sagt Daniel Wiswede. Aus diesen Ergebnissen wurde das Logbuch für den neuen Lehrschwerpunkt gestrickt. „Die Inhalte bauen aufeinander auf und führen schrittweise an schwierigere Gesprächssituationen heran“, sagt Wiswede. Angefangen bei den Grundlagen der ärztlichen Kommunikation und Anamnesegesprächen, üben die jungen Mediziner auch den Umgang mit Angst und Scham, die Übermittlung von schlechten Nachrichten und das Gespräch mit Angehörigen. Diese Pflichtlernangebote beginnen ab dem ersten Semester und enden mit dem Praktischen Jahr.

Angesiedelt ist der Lehrschwerpunkt an den Forschungsschwerpunkt „Gehirn, Hormone und Verhalten“. Um diesen noch weiter zu ergänzen und ein stimmiges Gesamtpaket zu schnüren, wurde der Lehrschwerpunkt entwickelt. „Wir verknüpfen so Forschung und Lehre und tragen zur Entwicklung der Studenten bei“, sagt Westermann. Dass man sich so von anderen Unis abhebt, sieht Westermann als zusätzlichen Pluspunkt.

„Wenn man Gesprächsführung nur in Büchern nachschlägt, reicht es nicht. Man muss das üben“, sagt Student Christian Wohlers. Das findet auch Kommilitonin Elisa Püßmann. „Das Feedback, das wir uns gegenseitig geben, und was von den Schauspielpatienten kommt, bringt uns weiter.“ Für Natalie Mamezale war die Gesprächssituation im geschützten Raum eine tolle Übung. „ Es ist eine gute Vorbereitung auf später.“

Einheitlich geregelt
184 Studenten begannen dieses Jahr ihr Medizinstudium an der Lübecker Uni. Insgesamt sind rund 1500 angehende Mediziner immatrikuliert. Geregelt ist das Medizinstudium bundeseinheitlich durch die Approbationsordnung für Ärzte (ÄAppO). Die Regelstudienzeit beträgt zwölf Semester und drei Monate und ist in zwei Abschnitte geteilt: einen zweijährigen vorklinischen und einen vierjährigen klinischen Teil. Nach beiden Teilen steht die Ärztliche Prüfung an. Danach schließt sich das Praktische Jahr an.

Majka Gerke

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