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Studieren in Lübeck Mit den besten Formelknackern in Rio de Janeiro
Thema S Studieren in Lübeck Mit den besten Formelknackern in Rio de Janeiro
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20:45 01.08.2017
Die deutsche Mannschaft gewann Silber- und Bronzemedaillen. Mit dabei war auch Professor Dr. Jürgen Prestin (re.). Quelle: Foto: Bildung & Begabung

Bei der Internationalen Mathematik-Olympiade (IMO) haben Mitte Juli die besten Nachwuchs-Mathematiker der Welt gegeneinander geknobelt. Rund 600 Schüler aus mehr als 100 Nationen wetteiferten in Rio de Janeiro und loteten die besten Formelknacker auf dem Globus aus. Mit dabei: Professor Dr. Jürgen Prestin von der Universität zu Lübeck. Als Delegationsleiter von sechs Schülern aus Deutschland fuhr er für zwei Wochen mit nach Brasilien. „Das war ein wirklich tolles Erlebnis“, berichtet Prestin.

Die jungen Mathe-Asse mussten in zwei jeweils viereinhalbstündigen Klausuren jeweils drei komplexe Aufgaben lösen, die das Schulniveau deutlich überstiegen. Mit Erfolg: Das deutsche Team holte einmal Silber (Alexander Armbruster) und dreimal Bronze (Martin Drees, Branko Juran und Jonas Walter). Im Gesamtranking belegten die Schüler jedoch nur den 33. von insgesamt 111 Plätzen. „Wir waren auch schon mal besser“, so Prestin, „für das nächste Mal ist definitiv noch Luft nach oben.“

Die Aufgaben seien dieses Jahr besonders schwer gewesen. Als einer von 111 weiteren Delegationsleitern aus der ganzen Welt war Prestin mit dafür zuständig, die Aufgaben zu entwickeln und nach den Prüfungen die Lösungswege zu bewerten. Das sei eine hochkomplexe Arbeit gewesen. Ein Schüler etwa hat dieses Jahr den bisherigen Rekord gebrochen: „42 Seiten hat er für den Lösungsweg einer einzigen Aufgabe abgegeben“, erzählt Prestin.

Seit Jahresbeginn hatten die deutschen Schüler in einem mehrstufigen Auswahlverfahren auf Landes- und Bundesebene ihre überdurchschnittlichen mathematischen Fähigkeiten unter Beweis gestellt – und sich dabei gegen 186 weitere Konkurrenten durchgesetzt. „Wir wollen junge Menschen besonders motivieren, sich für das Fach Mathematik zu begeistern“, so Prestin. Und das schon lange: Die erste internationale Olympiade wurde bereits 1959 in Rumänien abgehalten.

Die diesjährige Olympiade sorgte auch für internationale Schlagzeilen, weil der älteste Sohn des syrischen Diktators Assad Teilnehmer am Wettbewerb war. Durch miserables Abschneiden zog er das Gesamtergebnis des syrischen Teams in den Keller. Für Prestin ist dieser Hintergrund nebensächlich. Der Professor schätzt die internationale Atmosphäre auf der Olympiade. „Das eigentlich Schöne am internationalen Treffen ist doch, dass wir hier über politische Schranken hinweg denken. Der wissenschaftliche Austausch steht ganz klar im Vordergrund“, so der Professor, „da sitzt ein iranischer neben einem israelischen Delegationsleiter – wir sind alle gute Freunde.“

sbu

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