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Studieren in Lübeck Netzwerk will Chancengleichheit
Thema S Studieren in Lübeck Netzwerk will Chancengleichheit
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21:13 22.08.2017
FH-Professorin Désirée Ladwig hält die letzte Publikation des Forschungsprojekts über „Cross-Mentoring“ in Händen. Quelle: Foto: Wolfgang Maxwitat

„Als ich jung war, war ich gegen jegliche Art von Quoten“, erklärt Désirée Ladwig, „das höre ich auch immer bei meinen Studentinnen – nach dem Motto ,Quotenfrau – nein, danke!’. Doch inzwischen habe ich umgedacht.“ Denn wenn es in diesem Tempo weitergehe, sei die Chancengleichheit von Mann und Frau im Job erst in 200 Jahren verwirklicht.

Ladwig ist Professorin an der Fachhochschule Lübeck mit dem Schwerpunkt Personalwirtschaft und seit rund 30 Jahren auf diesem Themengebiet unterwegs. Deshalb findet sie bundesweite Initiativen wie „Frauen in die Aufsichtsräte“ gut: „Da tut sich endlich mal etwas.“ Freiwillige Vereinbarungen sowie die Selbstverpflichtung der deutschen Wirtschaft hätten bislang ja zu wenig gebracht.

Dass die Realisierung von Chancengleichheit aber auch im ureigensten Interesse der Wirtschaft sein müsse, betont die Dozentin für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre ebenfalls. „Sie wollen für Ihr Unternehmen doch die besten Hochschulabsolventinnen und -absolventen“, führt sie aus, „und insbesondere die Generation Z, die nach und nach auf den Arbeitsmarkt strebt, formuliert ganz andere Bedürfnisse an den Job.“

Die Generation Z, das sind die nach 1995 geborenen Jugendlichen. Und laut Befragungen finden diese neuen Arbeitnehmer die Vermischung von Beruf und Privatleben nicht mehr gut. Zu genau hätten die Jugendlichen von heute beobachtet wie ihre „Vorläufer-Generation Y“ die Arbeit mit nach Hause nimmt und nicht vom Laptop wegkommt, so Experten.

„Für Unternehmen heißt das, sich diesen Erwartungen möglichst anzupassen und zum Beispiel die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu gewährleisten“, sagt Désirée Ladwig, die fünf Jahre lang das Career Development Center (CDC) an der FH geleitet hat. Denn ihre Beobachtung ist auch, „dass die jungen Leute heutzutage viel schneller bereit sind, die Firma zu wechseln, wenn sie nicht zufrieden sind. Sie haben weniger Stehvermögen“, fasst sie zusammen. „Sie gehen dann einfach woanders hin, und der Arbeitgeber verliert High Potentials.“

Deshalb hat die Expertin vor rund zwölf Jahren zusammen mit ihrem Kollegen Prof. Michel Domsch den Aufbau des bundesweiten Netzwerks „genderdax“ initiiert, das einen Erfahrungsaustausch sowie die Diskussion innovativer Personalförder-Maßnahmen in Unternehmen gewährleisten soll. Dieser „genderdax-community“ gehören rund 40 Firmen an, darunter adidas, Allianz, EY, Commerzbank, Vattenfall und Deutsche Bahn. Und mittlerweile ist „genderdax“ auch zu einem FH-Forschungsprojekt geworden, das durch die mitwirkenden Unternehmen jeweils mit einem dreistelligen Jahresbeitrag finanziert wird.

„Jedes Jahr nehmen wir uns ein konkretes Thema vor“, berichtet Ladwig und hält dazu ein dickes Buch mit dem Titel „Cross-Mentoring“ in der Hand. „Hier drin sind zu der Thematik 36 Artikel von 56

Autoren zu finden“, merkt sie an. Studien hätten gezeigt, dass dieses Tandem-Prinzip eines der wirkungsvollsten Personalentwicklungsinstrumente für Frauen sei.

Die Fragestellung sei nun jedoch breiter aufgestellt – „es geht uns inzwischen übergeordnet um die Förderung von Vielfalt, also diversity, in Unternehmen, um Mitarbeitergruppen, die ansonsten keine gleichberechtigte, chancengleiche Teilhabe bekommen.“ Dazu passe auch die diesjährige Fragestellung, bei der es um „Stereotypen“ bei der Personalauswahl gehe, dem sogenannten unconscious bias. „Im Zuge der Globalisierung können wir aber keinen kolonialen Ansatz mehr im Kopf haben“, steht für sie fest. Und sie hofft, dass demnächst auch das Engagement norddeutscher Unternehmen bei „genderdax“

zunimmt. „Es wäre schön, wenn wir auch aus Lübeck die eine oder andere Firma dabei hätten“, bemerkt sie.

Michael Hollinde

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