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Studieren in Lübeck Neue Konzepte für den Musikunterricht
Thema S Studieren in Lübeck Neue Konzepte für den Musikunterricht
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20:48 24.10.2017
„Musikpädagogische Arbeit ist Voraussetzung jeder künstlerischen Tätigkeit.“Marno Schulze, Professor

Sie haben häufig genug das Gefühl, nur die zweite Geige zu spielen. Nicht nur an ihrem zukünftigen Betätigungsort, in der Regel die allgemeinbildende Schule, sondern auch schon während ihres Studiums. „So steht die musikalische Performance per se im Fokus der Öffentlichkeit, während die musikpädagogische Arbeit überwiegend im Alltag stattfindet. Dabei ist sie doch gerade Voraussetzung jeder künstlerischen Tätigkeit“, sagt Marno Schulze, Professor für Elementare Musikpädagogik an der MHL.

So gebe es zum Beispiel im Vergleich zu künstlerischen Wettbewerben nur sehr wenige Preise für Musikpädagogik. Neben dem „Hochschulwettbewerb Musikpädagogik“, den die Rektorenkonferenz der deutschen Musikhochschulen seit 2010 jährlich auslobt, vergeben die 24 deutschen Musikhochschulen selbst kaum Preise für das Fach. „Hier will die MHL nun mit dem neu geschaffenen Musikpädagogikpreis der Imbusch-Stiftung ein Zeichen setzen“, erläutert Schulze, der darauf hinweist, dass sich jedes Jahr immerhin 15 bis 20 Studierende im „Bachelor of arts“ an der MHL neu einschreiben.

Aus dem Bewerber-Pool haben die Dozenten der MHL in den vergangenen Wochen drei Projekte ausgewählt. Absolventin Astrid Poetzing, die demnächst Lehrerin an der Lübecker Ernestinenschule wird, hat sich in ihrer Masterarbeit der Frage gewidmet, wie Kinder im Musikunterricht ihre Individualität und Kreativität erhalten können. Und die Schlussfolgerung der 28-Jährigen ist: „Ich würde idealerweise gerne den Druck der Noten rausnehmen und mich vorrangig an den Schülern orientieren wollen, wenn es um die Vermittlung von konkreten Lehrinhalten geht.“ Dass dies allerdings aufgrund des engen curricularen Korsetts schwierig werden könnte, ist ihr bewusst. „Meine Arbeit ist ja auch eine theoretische Arbeit“, stellt sie schnell klar.

Direkt aus der Praxis sind hingegen die Ergebnisse von Masterstudentin Sophia Friedmann. „An der Gemeinschaftsschule Pönitz habe ich eine achte Jahrgangsstufe nach Erwartungen, Erfahrungen und Motivation im Musikunterricht befragt“, erläutert die 23-Jährige, „und hinterher noch Einzelinterviews geführt.“ Und was kam heraus? „Naja, die Jugendlichen wünschen sich vor allem viel Praxis; zudem möchten sie, dass ihre Lebenswelt einbezogen wird“, so Friedmann.

In der Umsetzung bedeute das entsprechend, „dass man zum Beispiel einen beliebten Pop-Song aus dem Radio nimmt, dann Anknüpfungspunkte sucht und Stilmittel in anderen Genres wie klassischer oder traditioneller Musik wiederfindet.“ Dass solche neuen Wege im Musikunterricht ihre Wirkung hinterlassen, wissen Wojtek Zukowski und Joshua Schlegel. Auch sie gehören zu den Studierenden, die auf ihren Beruf als Musiklehrkräfte an Gymnasien, in Musikschulen oder in freier Tätigkeit an der MHL vorbereitet werden.

„Wir haben erfahren können, dass ein Haydn-Streichquartett so aufbereitet werden kann, dass eine dritte Grundschulklasse daran viel Spaß haben kann“, erklären die beiden. Während des Brahms-Festivals 2016 haben sie an der Lübecker Kahlhorst-Schule ihr Projekt umgesetzt (die LN berichteten).

Die Imbusch-Stiftung

Die Lübecker Kauffrau Marie-Luise Imbusch wandelte 1982 ihr Vermögen in eine Stiftung um. Die Marie- Luise Imbusch-Stiftung hat seitdem 350 begabte junge Musikerinnen und Musiker aus Schleswig-Holstein unterstützt. Die Stipendiatenkonzerte sind fester Bestandteil des Konzertlebens an der MHL, neu ist dagegen die Förderung begabter Studierender im Fach Musikpädagogik.

Am 4. November wird wieder zum Stipendiatenkonzert der Imbusch- Stiftung eingeladen. Ab 19.30 Uhr präsentieren sich im Großen Saal der MHL die jungen geförderten Musiker.

Hans-Jörg Niether, Vorstandsvorsitzender der Stiftung, wird die Preise überreichen. Dann erfolgt ebenfalls die Bekanntgabe des Gewinners des neuen Musikpädagogik-Preises.

Michael Hollinde

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