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Studieren in Lübeck Wenn die innere Uhr Krankheiten verursacht
Thema S Studieren in Lübeck Wenn die innere Uhr Krankheiten verursacht
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22:21 02.07.2013
Professor Henrik Oster arbeitet viel im Labor mit molekularbiologischen Nachweismethoden. Quelle: Foto: Lutz Roeßler

Henrik Oster ist kein „normaler“ Professor; denn er ist genau genommen ein „Lichtenberg“-Professor. „Natürlich habe ich mich gefreut, als ich dafür ausgewählt worden bin“, sagt der 40-Jährige, der nun seit gut einem halben Jahr an der Lübecker Uni forscht. Mit der Initiative der Lichtenberg-Professuren, die es seit über zehn Jahren gibt, möchte die Volkswagen-Stiftung außergewöhnliche Nachwuchswissenschaftler finanziell fördern — fünf Jahre wird die Professur bezahlt, und danach muss der Wissenschaftler von der ausgewählten Hochschule übernommen werden.

„Dass ich nach Lübeck wollte, war für mich keine Frage. Schließlich bin ich durch mein Fachgebiet seit vielen Jahren mit dem Campus verwurzelt“, erklärt der studierte Biochemiker, der sich der sogenannten Chronophysiologie widmet. Erläutert er seine Profession, fällt immer wieder das Wort „innere Uhren“. Was nicht verwundert, denn die Chronophysiologie untersucht den zeitlichen Ablauf der Lebensvorgänge, die Steuerung des Schlaf-Wach-Rhythmus. Bevor Oster in die Hansestadt kam, leitete er am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen die Nachwuchsgruppe „Zirkadiane Rhythmen“. „Dabei haben wir uns mit den molekularen Grundlagen dieses Tag-Nacht-Systems und dessen Funktion in der Körper-Regulation befasst“, erklärt der Forscher, der nach Fertigstellung in das neue Uni-Gebäude des „Zentrums für Gehirn, Hormone und Verhalten“ (CBBM) einziehen wird.

Dass er jetzt durch das besondere Campus-Profil in Lübeck den Brückenschlag zur Medizin noch weiter intensivieren kann, hat seinen Sinn. Denn bisher wisse die Medizin noch wenig über die molekularen Grundlagen des Wechselspiels zwischen der inneren Uhr und dem Stoffwechsel. „Chronobiologische Ansätze sind bisher kaum bis in die Wissenschaft oder die klinische Praxis vorgedrungen“, so Oster. Fernziel ist es, Erkenntnisse aus der „Uhren“-Forschung in die Therapie von zum Beispiel krankhafter Fettsucht und ihrer Folgeerkrankungen zu entwickeln.

Denn dass andauernde Störungen der inneren Uhr — verursacht beispielsweise durch häufige Geschäftsreisen mit Zeitverschiebung oder Schichtarbeit — Auswirkungen auf den Stoffwechsel und das Wohlbefinden haben, ist nicht neu. „Entsprechend versuchen wir, die Mechanismen dieses Wechselspiels zu verstehen und daraus spezielle Behandlungsansätze zu entwickeln, beispielsweise eine gezielte Lichttherapie.“ mho



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