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Plätze für Obdachlose werden knapp

Lübeck Plätze für Obdachlose werden knapp

Die Vorwerker Diakonie schlägt Alarm: Angesichts der momentan sehr kalten Temperaturen suchen viele Obdachlose Schutz im Bodelschwinghhaus am Meesenring, bald könnte die Unterkunft zu klein sein. Gemeinsam mit der Stadt sucht die Diakonie nach weiteren Unterkünften.

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Laut Heike Raddatz-Kossak von der Vorwerker Diakonie reicht der Platz im Bodelschwinghhaus gerade noch aus. Doch je näher der Winter rücke, umso mehr Probleme könnte es geben.

Quelle: Fotos: Maxwitat, Vorwerker Diakonie

Lübeck. „Zurzeit können wir mit der Situation noch umgehen“, sagt Heike Raddatz-Kossak, Bereichsleiterin Soziale Hilfen bei der Vorwerker Diakonie. Seit Jahren steige die Zahl der Obdachlosen — bundesweit seit 2012 um 18 Prozent auf 335 000. Auch in Lübeck macht sich das bemerkbar: 2014 wurden noch 138 Menschen betreut, jetzt schätzt Raddatz-Kossak die Zahl auf etwa 160.

Erst im Februar konnte das Bodelschwinghhaus daher zusätzlich sieben Doppelzimmer im benachbarten ehemaligen Ausgleichsamt beziehen, die die Stadt zur Verfügung gestellt hatte. Die Zukunft der Erweiterung stand bis jetzt auf der Kippe, eigentlich lief die Vereinbarung mit der Stadt bloß bis Ende Oktober. „Es ist jetzt gesichert, dass die Unterkunft bleibt“, sagt Sozialsenator Sven Schindler (SPD) auf LN-Anfrage. „Wir haben die Obdachlosen im Blick.“ Raddatz-Kossak ist erleichtert, weil sonst das Gewaltpotenzial innerhalb des Bodelschwinghhauses wieder hätte steigen können. „Wir hatten durchaus ein Problem, als so viele Menschen auf engstem Raum zusammenleben mussten.“

Im Bodelschwinghhaus wohnen derzeit 45 Männer, hinzu kommen Hotels und Pensionen für junge Menschen sowie Frauen. Das Männerheim der Heilsarmee ist nach eigener Auskunft auch voll belegt, dort finden 36 Männer ein Dach über dem Kopf. Seitens der Vorwerker Diakonie wird händeringend nach neuen Unterkünften gesucht, damit die Obdachlosen nicht wieder auf den Fluren des Bodelschwinghhauses übernachten müssen wie im vergangenen Winter (die LN berichteten).

Das besondere Problem: Um das ohnehin schon knappe Angebot an freien Unterkünften buhlen nun sowohl die Hilfseinrichtungen für Obdachlose als auch die für Flüchtlinge. „Wir wollen keinesfalls den einen gegen den anderen ausspielen“, stellt Raddatz-Kossak klar, „aber wir dürfen auch niemanden vergessen.“ Gleichzeitig suchen sozial Schwache und Studenten ebenfalls nach bezahlbaren Wohnungen.

Hans-Uwe Rehse, Geschäftsführer der Vorwerker Diakonie, fordert: „Der soziale Wohnungsbau muss jetzt verstärkt vorangetrieben werden, damit kein Mensch auf der Straße übernachten muss.“

Mit der Verlängerung der Nutzungserlaubnis des ehemaligen Ausgleichsamtes ist ein Problem nun vom Tisch, doch ein weiteres bleibt: die Unterbringung und Betreuung junger Menschen unter 25 Jahren und Frauen. Laut Raddatz-Kossak brauchen junge Obdachlose einen geregelten Tagesablauf, daher werde zurzeit an einem entsprechenden Konzept gearbeitet. Sozialsenator Schindler sagt, es gebe bereits „ein mögliches Haus in der Stadt“. Der Ort sei aber noch geheim. Mehr zum Vorhaben wollen beide Seiten in den kommenden Wochen nennen.

Hilfe in der Not
Die Vorwerker Diakonie bittet alle Lübecker um Mithilfe, damit Obdachlose die kalte Jahreszeit so gut wie möglich überstehen. „Wenn man Menschen sieht, die im Freien übernachten, sollte man uns im Bodelschwinghhaus anrufen, damit wir der Person unsere Hilfe anbieten können“, sagt Heike Raddatz- Kossak. Es werde jeder aufgenommen — egal ob beispielsweise mit Drogenproblem oder Hund. Die Unterkunft im Meesenring ist zu erreichen unter Telefon 0451/400256940.

Peer Hellerling

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