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Boltenhagen soll Flüchtlinge aufnehmen

Boltenhagen Boltenhagen soll Flüchtlinge aufnehmen

Geht es nach Gemeindevertreter Kay Grollmisch (ptl.) sollte Boltenhagen wie die Nachbarstadt Klütz auch Flüchtlinge aufnehmen. „Wir haben doch die alte Gemeindeverwaltung. Die steht leer und könnte von Flüchtlingen bewohnt werden“, hatte er in der Sitzung der Gemeindevertretung angeregt.

Boltenhagen. Die Räume seien eigentlich gut, das Dach sei gemacht worden und die Fenster seien neu. „Mit 100 Flüchtlingen auf die knapp 2500 Einwohner wäre umzugehen“, glaubt Grollmisch. „Wenn sie dann hier ordentlich integriert werden und Arbeit bekommen, sind diese Menschen auch ein wirtschaftlicher Gewinn“, denkt der Gemeindevertreter weiter.

Aus Sicht von Kay Grollmisch ist es „unwürdig, was derzeit mit Flüchtlingen in Deutschland gemacht wird“. Dabei denkt er an Menschen, die jetzt bei Regen in der Kälte stundenlang unter freiem Himmel warten müssten oder in Zelten untergebracht werden. „Jeder sollte einen Beitrag leisten, auch Boltenhagen“, sagt Grollmisch daher. Er bemängelt, dass die Gemeinde bislang keine Unterbringungsmöglichkeiten gemeldet habe.

Allerdings gibt es unterschiedliche Anfragen von Land und Landkreis an die Kommunen, wie Katrin Pardun, Leitende Verwaltungsbeamtin im Amt Klützer Winkel erklärt. „Das Land war an uns herangetreten, weil es kurzfristig Notunterkünfte benötigte“, schildert sie. Das war erst die Turnhalle in Damshagen und inzwischen die ehemalige Kita in Klütz. „In unserem Bereich nutzt das Land offenbar jetzt erstmal die Erstaufnahmeeinrichtungen in Wismar“, vermutet Katrin Pardun. Ein Hintergrund dafür könnte ihrer Ansicht nach sein, dass viele kleine Einrichtungen für Hilfsdienste wie die Malteser schwieriger zu betreuen sind, als wenige größere Einrichtungen. Der Landkreis wiederum habe beim Amt und den Gemeinden ausdrücklich nach Wohnraum für Flüchtlinge gefragt. „Damit waren Wohnungen für eine spätere Unterbringung nach der Erstaufnahme gemeint“, so Pardun. Daher habe man zum Beispiel die alte Gemeindeverwaltung in dem Zusammenhang nicht gemeldet.

Boltenhagens Bürgermeister Christian Schmiedeberg (CDU) sagt zum Vorschlag von Kay Grollmisch: „Die Landrätin müsste an uns herantreten, wie schon bei Herrn Jung und Frau Krüger in Klütz und Damshagen.“ Bislang sei aber kein Bedarf an Flüchtlingsunterkünften in Boltenhagen angemeldet worden. „Ich habe nur eine Info vom Landkreis bekommen, dass wohl einzelne Wohnungen angemietet wurden.

Was damit ist, ist mir nicht bekannt“, so Schmiedeberg. Die Position des Bürgermeisters von Börgerende, Horst Hagemeister (CDU), er wolle keine Flüchtlinge in Ferienwohnungen seiner Gemeinde , kann Schmiedeberg nicht nachvollziehen. „Wenn jemand seine Ferienwohnung anbietet, ist das eine private Angelegenheit“, sagt Schmiedeberg. Da habe ein Bürgermeister nicht mitzureden. In Boltenhagen würde es sicher Menschen geben, die sich für die Flüchtlinge engagieren, ebenso könnte es Bürger geben, die Bedenken haben.

„Ängste sind immer in den Köpfen der Menschen“, sagt auch Kay Grollmisch. „Aber andere Kulturen bereichern uns doch auch. Ich habe mich in Klütz mit Flüchtlingen unterhalten, die haben alle eine Ausbildung und wollen sich einbringen“, sagt er. „Da ist es beschämend zu hören, es kämen zu viele. Wenn man die Menschen vernünftig integriert, kann es nicht zu viel sein.“ Die Einwohner dürften aber auch nicht überfrachtet werden, räumt Grollmisch ein. Zudem müssten sie rechtzeitig informiert werden, um sich dann auch einzubringen. „Wie in Klütz mit der Situation umgegangen wird, finde ich gut“, sagt Grollmisch.

Malte Behnk

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