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Flüchtlinge: Ehrenamt trägt die Hauptlast

Grevesmühlen Flüchtlinge: Ehrenamt trägt die Hauptlast

Koordinierungsgruppe Flucht und Asyl traf sich zum zweiten Mal in der Malzfabrik / Ehrenamtler stoßen an ihre Grenzen.

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Ehrenamtliche werden derzeit bis an ihre Grenzen belastet. Das geht nicht.“Simone Oldenburg, Die Linke, Landkreis

Grevesmühlen. Die Arbeit für die und mit den Flüchtlingen in Nordwestmecklenburg wird in vielen Bereichen durch Ehrenamtler geleistet. Doch wie lange halten die Männer und Frauen diese zusätzliche Belastung, die seit Wochen andauert, neben dem Alltag durch? Kann das Ehrenamt diese Herausforderung auf Dauer leisten? Um diese und viele andere Fragen ging es jetzt beim Treffen der Koordinierungsgruppe Flucht und Asyl in der Malzfabrik in Grevesmühlen.

Linken-Politikerin Simone Oldenburg brachte das Dilemma auf den Punkt: „Der Landkreis glaubt offenbar immer noch, das mit den Flüchtlingen würde sich irgendwie wieder erledigen. Ehrenamtliche werden derzeit bis an ihre Grenzen belastet. Das geht nicht mehr lange gut so.“

Dieses Problem hat auch Landrätin Kerstin Weiss (SPD) erkannt. „Wir sind froh über jeden Ehrenamtler, der mit anpackt. Aber auf Dauer ist das natürlich keine Lösung.“ Nach Angaben der Landrätin sollen die zusätzlichen finanziellen Mittel von Land und Bund dafür eingesetzt werden, bestimmte Bereiche bei der Betreuung der Flüchtlinge in hauptamtliche Hände zu legen. „Es gibt konkrete Pläne die Sprachkurse beispielsweise durch die Arbeitsagentur zu steuern.“ Auch die Stellen der Sozialarbeiter müssen aufgestockt werden. Nur, von heute auf morgen sei das alles nicht zu leisten. „Als nächstes wird es eine Richtlinie geben, um die Finanzen zu verteilen“, kündigte Kerstin Weiss gestern an.

Bei dem Treffen am Dienstagabend in der Malzfabrik blieben hingegen einige Fragen, die die Vertreter der ehrenamtlich Engagierten an die Vertreter des für Flucht und Asyl hauptverantwortlichen Fachdienstes hatten, unbeantwortet. Ob es sich dabei um die Anzahl der zuständigen Sozialarbeiter für die zentrale und dezentrale Betreuung von Asylbewerbern handelte oder um die Aussage, wie viel Spendengeld beim Landkreis bezüglich der Flüchtlinge bereits eingegangen sei, ob davon die Fahrkosten, die Ehrenamtliche übernehmen, um Asylanwärter oder -bewerber zu den Ämtern und Ärzten zu begleiten, bezahlt werden könnten?

Christian Drechsler, Leiter des Büros der Landrätin, informierte im Nachgang über die Fakten, die den Ehrenamtlichen in der Malzfabrik nicht mitgeteilt werden konnten: So seien beim Spendenkonto des Landkreises zur Unterstützung von Flüchtlingen bisher 620 Euro eingegangen. Außerdem stehen sieben Vollzeitstellen für Sozialarbeiter für die Betreuung der Asylbewerber in der Haffburg Wismar zur Verfügung. Diese Stellen sind besetzt. Für die dezentrale Betreuung von Asylbewerbern, deren Unterkünfte sich im Landkreis verteilen, stehen acht Vollzeitstellen zur Verfügung, von denen derzeit aber nur fünf besetzt sind. Das, so Drechsler, sei der Situation geschuldet, dass keine geeigneten Bewerber gefunden werden könnten.

Gerade die dezentrale Betreuung sehen die Ehrenamtler aber als dringend notwendig an, besonders vor dem Hintergrund, dass mittlerweile viele Asylbewerber auch in Dörfern untergebracht würden, in denen infrastrukturell ungünstige Bedingungen herrschten. Dementsprechend schwierig würden sich dann Arztbesuche und Behördengänge gestalten.

Auch ein Thema des Abends: die Zentrierung von Informationen zu Hilfsnetzwerken und Angeboten. Bisher sind Informationen auf den Webseiten des DRK NWM und des Landkreises zu finden. Es wurde auch die Erstellung einer neuen Webseite für das Mitmach-Netzwerk im Landkreis erwogen. Zudem existiert ein Flyer des Landkreises, auf dem Informationen zum Thema Asylbewerber im Landkreis gegeben werden.

„Ansprechpartner bei allen Fragen zum Thema Flüchtlinge“, so Landrätin Kerstin Weiss, „sind nach wie vor die Sozialarbeiter des Landkreises sowie der DRK-Kreisverband Nordwestmecklenburg. Daran wird sich vorläufig nichts ändern.“

Förderung für Willkommensprojekte
Der Geschäftsführer der Ehrenamtsstiftung, Jan Holze, stellte den Anwesenden in der Malzfabrik ein neues Förderprogramm vor. „Für die Gestaltung von Willkommensprojekten stehen jetzt 100 000 Euro zur Verfügung, die kurzfristig abrufbar sind.“ Beantragt werden können die Mittel insbesondere von Schulförder- und Schulträgervereinen, im Sonderfall auch von Kooperationspartnern dieser mit Sitz in Mecklenburg-Vorpommern. Wer ein solches Projekt plant, kann sich zur Antragstellung bei der Stiftung beraten lassen.


Ansprechpartner der Stiftung ist Angelika Riske: ☎ 03843/77 4 99 0, E-Mail: riske@ehrenamtsstiftung-mv.de
• Antrag unter: www.ehrenamtsstiftung-mv.de/foerderung/willkommen

Annett Meinke und Michael Prochnow

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