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13:54 08.03.2019
Das gesamte Erbgut, die DNA eines Menschen, steckt in jeder menschlichen Zelle. Quelle: Foto: Jezper/stock.adobe.com
Lübeck

Krebspatienten, die als „austherapiert“ gelten, haben einen leidvollen Weg hinter sich. So wie Luc F. (Name geändert). Der Sportler aus Frankreich ist an Bauchspeicheldrüsenkrebs, einem Pankreaskarzinom, erkrankt. In Frankreich hatten die Ärzte ihn bereits mit allen Methoden, die der Medizin zur Verfügung stehen, behandelt. Grundsätzlich kommen dafür neben Operationen auch Bestrahlungen und Chemotherapien infrage. So sehen es die offiziellen „S-3-Leitlinien“ für die Krebstherapie vor, die auf wissenschaftlicher Forschung basieren.

Bei Luc F. waren zunächst die Tumoren operativ entfernt worden, im Anschluss hatte er eine adjuvante Chemotherapie erhalten. Das Ziel einer solchen Chemo besteht darin, auch die Krebszellen zu erreichen, die nach einer Operation eventuell im Körper verblieben sind, die man aber noch nicht nachweisen kann. So sollen mögliche Rückfälle verhindert werden. Doch die Rechnung war im Fall von Luc F. nicht aufgegangen – die Standardtherapie aus Operation und Chemo hatte bei ihm versagt. Der Bauchspeicheldrüsenkrebs kam zurück – und mit ihm sogar bösartige Tumoren in der Leber.

Doch F. ist ein Kämpfertyp, der nicht so schnell aufgibt. Die Suche nach Rettung führte ihn an das UKSH, Campus Lübeck. Dort existiert seit 2018 eine Besonderheit: ein Molekularpathologisches Tumorboard (MTB). Bei dieser interdisziplinären Konferenz finden sich regelmäßig onkologische Spitzenmediziner zusammen, um komplexe Fälle wie den von Luc F. zu besprechen.

„Die Schlüsselfiguren dort sind die Pathologen, Kliniker und Systemmediziner“, sagt Prof. Dr. Tobias Keck, Leiter des zertifizierten Onkologischen Zentrums und Direktor der Klinik für Chirurgie des UKSH, Campus Lübeck. Der Leiter des Molekularpathologischen Tumorboards am Onkologischen Zentrum ist Prof. Dr. Sven Perner, Direktor des Instituts für Pathologie. Stellvertreterin ist die Biochemikerin Prof. Dr. Jutta Kirfel, Leitung Molekularbiologie. Das zunehmende Verständnis dafür, welche Genmutation welche Krebserkrankung verursacht, eröffnet die Chance für eine ebenso personalisierte wie zielgerichtete Therapie eines Krebspatienten. Bei dem Ansatz, der weltweit erst seit wenigen Jahren existiert, spricht man von „individualisierter“ Medizin.

Das Expertengremium am MTB, das sich je nach Krankheitsbild des Patienten etwa aus Onkologen, Radiologen, Chirurgen, Vertretern der jeweiligen Organzentren und niedergelassenen Fachmedizinern zusammensetzt, lotet aus, inwiefern eine Off-Label-Behandlung – sprich: jenseits der S-3-Leitlinien für Krebspatienten - eine letzte Chance sein könnte. „Das Ziel ist eine Optimierung der Tumorbehandlung, die nach Ausschöpfung der zugelassenen Therapien auch im Rahmen einer klinischen Studie oder eines individuellen Heilversuchs erfolgen kann. Wir beraten auch, ob bei dem zu besprechenden Patienten der Einsatz personalisierter Diagnostik- und Therapieverfahren überhaupt möglich ist“, sagt Perner. Auch Prof. Dr. Nikolas von Bubnoff, neuer Direktor der Klinik für Hämatologie und Onkologie, wird seine Expertise im molekularen Tumorboard einbringen: „Nach unseren Erfahrungen können bei mehr als der Hälfte der Patienten Therapieempfehlungen abgeleitet werden. Es mangelt jedoch oft an der Verfügbarkeit passender Medikamente.“. Er will die Weiterentwicklung der onkologischen Versorgung am UKSH campusübergreifend zu einem onkologischen Spitzenzentrum (CCC) vorantreiben.

Molekular-genetische Untersuchungen des Biomaterials des Primärtumors und des Rezidivs beziehungsweise der Metastasen bilden die Grundlage einer Entscheidung. Es werden Tumorsequenzierungen durchgeführt, das heißt, die Erbsubstanz der Tumorzellen wird ausgelesen und dabei die Reihenfolge der Bausteine bestimmt. Mit an Bord ist daher auch Systemmediziner Prof. Dr. Hauke Busch. Er wertet die große Datenmenge mit Hochleistungscomputern aus, um die Gen-Signaturen und Mutationen zu definieren. Gemeinsam interpretieren die Experten anschließend die Ergebnisse und erörtern eine individuell auf den Krebs des Patienten zugeschnittene Therapie.

Die molekulare Diagnostik gilt in Fachkreisen als Therapieform der Zukunft, um Tumore gezielter bekämpfen und gesunde Zellen dabei schonen zu können. Ziel ist es, Krebspatienten auch im fortgeschrittenen Stadium oder mit seltenen Tumorerkrankungen noch eine effektive Behandlung zu ermöglichen.

Die Zeichen des Molekularen Tumorboards stehen daher auf Wachstum. „Das MTB steht auch regionalen Praxen und Krankenhäusern außerhalb des UKSH zur Verfügung. Das Angebot wird rege angenommen“, sagt Keck. Für Informationen und zur stehen Prof. Kirfel und Prof. Perner am Institut für Pathologie des UKSH, Campus Lübeck unter Tel. 0451/ 500-15801 zur Verfügung.

Und was ist aus Luc F. geworden? Für ihn war die „Off-Label“- Empfehlung des MTB lebensrettend. Nach einer erneuten Operation am UKSH erhielt er in Frankreich von seinem Onkologen eine bei Pankreaskrebs eher untypische ambulante Immuntherapie mit Checkpoint-Inhibitoren. Doch mit seiner Genesung sieht sich der Sportler noch längst nicht am Ziel: Er trainiert inzwischen sogar wieder für Marathonläufe.

Campus Lübeck

Tel. 0451/ 500-0

www.uksh.de

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