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Fit & Gesund Parkinson: Forschung am UKSH
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00:00 15.03.2019
Parkinson-Erkrankte leiden an einem unwiederbringlichen Verlust von Nervenzellen, die den wichtigen Botenstoff Dopamin bilden. Quelle: Foto: Kateryna_Kon/stock.adobe.com
Lübeck

Schulter oder Oberarme schmerzen. Die Muskeln fühlen sich verspannt an. Das klingt alles nach einer harmlosen Diagnose“, erzählt Prof. Dr. Thomas Münte. Doch der Direktor der Klinik für Neurologie am UKSH, Campus Lübeck, wird hellhörig, wenn Patienten ihm solche Symptome schildern. „Oftmals gehen Patienten verständlicherweise in dieser Situation zum Orthopäden oder Hausarzt, um sich Massagen verschreiben zu lassen. Im Verlauf stellt sich dann, allerdings oft mit erheblicher Verzögerung heraus, dass dies die Frühzeichen einer Parkinsonerkrankung waren, die dann vom Neurologen gut behandelt werden können.“

Parkinson ist eine Krankheit, die sich zunächst sehr lange im Verborgenen abspielt: es kommt zu einem Verlust von Nervenzellen, die den Botenstoff Dopamin produzieren. Niemand kann die Krankheit heilen, allerdings kann die moderne Medizin die Symptome lindern und den Patienten eine gute Lebensqualität sichern. Erstmals beschrieben wurde die auch als Schüttellähmung bekannte Nervenkrankheit 1817 von dem britischen Arzt James Parkinson, nach dem sie auch benannt wurde. „Parkinson hat schon damals die drei Hauptsymptome präzise beschrieben“, sagt der Lübecker Professor. „Bewegungsarmut, vermehrte Muskelspannung und das markante Zittern. Aber neben diesen drei wichtigsten Manifestationen der Krankheit gibt es viele weitere Symptome, die den Patienten das Leben oft sehr schwer machen.“ Dazu gehören auch Beeinträchtigungen des vegetativen Nervensystems, die zu Verstopfungen, Blasenstörungen und auch Impotenz führen können. Ein Früherkennungszeichen, dass Spezialisten als Warnsignal interpretieren, ist sogenannte Muskelatonie, eine REM-Schlafverhaltensstörung. „Normalerweise“, so Münte, „sind unsere Muskeln im Schlaf quasi ausgeschaltet. Das hat den Grund, dass wir dann keine Träume ausleben können, also zum Beispiel nicht um uns schlagen, weil wir uns im Traum bedroht fühlen. Das ist eine wichtige Schutzfunktion des Körpers vor Verletzungen im Schlaf.“ Menschen, die davon betroffen sind, merken das selbst nicht. Die Schlafpartner werden allerdings oft aufmerksam, weil sie von einem Arm getroffen wurden.

Solchen Störungen treten schon 15 Jahre vor den klassischen Parkinson-Symptomen auf. Sie zeigen an, dass bereits Zellen, die den wichtigen Botenstoff Dopamin produzieren, sterben. Ein weiteres Problem, das den klassischen motorischen Symptomen vorausgeht, ist eine Depression. Auch dies ist auf den Mangel an Dopamin zurückzuführen.

„Es gibt wirkungsvolle und zugelassene Präparate, die Parkinson-Patienten gerade in den Anfangsjahren helfen könnten“, sagt Münte. „Das Dopamin lässt sich durch Medikamente ersetzen, wodurch nicht selten auch die depressiven Verstimmungen verschwinden. Das Fatale ist aber, dass bereits etwa 60 Prozent der Dopaminzellen unwiederbringlich verloren sind, wenn sich die klassischen Symptome zeigen.“

Auch bei fortgeschrittener Erkrankung stehen wirksame Verfahren zur Verfügung: Bei der Tiefenhirnstimulation werden Elek-troden im Gehirn implantiert und stimulieren dort spezielle Regionen. So kann zum Beispiel das Zittern unterdrückt oder das Laufverhalten verbessert werden. Auch gibt es Pumpen, die Medikamente unter die Haut oder in den Dünndarm pumpen.

Bis die Krankheit geheilt werden kann, ist weitere Forschung zu ihren molekularen Grundlagen erforderlich. Hier stellt sich heraus, dass einige Patienten an unterschiedlichen Genveränderungen leiden. Eine Hoffnung machende Entwicklung betrifft eine spezielle Parkinson-Form, die in Israel und Tunesien vorkommt, in Deutschland aber sehr selten ist. Hier wird jetzt erstmals, unter wissenschaftlicher Leitung des Lübecker Instituts für Neurogenetik, ein Medikament getestet, dass den biochemischen Defekt bei dieser Untergruppe von Patienten „repariert.“ „Wird, was bisher nur in der Zellkultur funktioniert, auch im Menschen gelingen“, so Prof. Münte, „könnte das ein Lösungsansatz für andere Parkinsonformen sein.“

Doch selbst wenn das gelingen sollte, kommen neue Herausforderungen auf die Neurologie zu. „Dann müssen wir“, erklärt Münte, „eine verbesserte Diagnostik entwickeln, um rechtzeitig die Diagnose Parkinson zu stellen. Und nicht erst, wenn schon 60 oder vielleicht sogar 80 Prozent der Dopamin-bildenden Zellen verloren sind.“

Campus Lübeck

Tel. 0451/ 500-0, www.uksh.de

Holger Schöttelndreier

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