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Olympia-News Kritik an Sportförderung: Dschungelkönig kassiert mehr als ein Olympiasieger
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Olympia 2016
10:59 12.08.2016
Athleten üben Kritik an der Sportförderung. Quelle: dpa
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Rio de Janeiro

Bei den Rio-Spielen wird die Kritik an der Sportförderung durch den Bund und das Fehlen der Politik-Prominenz in Rio lauter. „Mit mehr Geld kann man mehr anfangen“, kritisierte der Kanute Hannes Aigner. DOSB-Vizepräsident Bischof: „Politiker sollen Flagge zeigen.“

Rio de Janeiro (dpa) - Die Rechnung von Ole Bischof ist plakativ und simpel. „Der Bund gibt pro Jahr 200 Millionen Euro Fördermittel für den Sport in Deutschland und für seine 80 Millionen Einwohner“, erklärte der Vizepräsident Leistungssport des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) am Donnerstag in Rio. „Das sind 2,50 Euro pro Person. So viel kostet ein Cappuccino.“

Nicht nur für den Judo-Olympiasieger geht die Rechnung zwischen Erfolgsanspruch an die Topathleten und das Budget für die Sportförderung nicht auf. Bei den Rio-Spielen wird von Athleten und Verbänden laut darüber geklagt - verbunden mit der Kritik am Fehlen hochrangiger deutscher Politiker bei den Sommerspielen in Brasilien.

Cheftrainer Henning Lambertz forderte nach dem schlechten Abschneiden der Beckenschwimmer neue Strukturen in seinem Verband, zugleich aber auch mehr statt weniger finanzieller Förderung. „Wir sind uns einig: So kann es nicht weitergehen“, sagte er. Lambertz' Vorschlag: ein Runder Tisch mit Verband sowie den Geldgebern Innenministerium und DOSB.

Auch der Slalom-Kanute Hannes Aigner klagte nach der um drei Hundertstelsekunden verpassten Bronzemedaille, dass Deutschland zu wenig Geld in den Spitzensport investiere. „So lange sich da nichts ändert, kann man auch nicht erwarten, dass bessere Leistungen da sind“, sagte Aigner. „Mit mehr Geld kann man mehr anfangen: mehr Trainingslager, mehr Trainerstellen, mehr Nachwuchsarbeit.“

Geklagt wurde ebenso von den Fechtern, die erstmals seit 1980 ohne olympische Medaille blieben. Profifechter wie in anderen Ländern gibt es in Deutschland nicht. Russland etwa investiere Millionen in den Fechtsport, sagte Fecht-Sportdirektor Sven Ressel. So könne man mit manchen Nationen einfach nicht mithalten.

DOSB-Vorstandschef Michael Vesper hält die Forderung von Athleten und Verbänden nach mehr Förderung für legitim. „Grundsätzlich ist es richtig, dass es mehr finanzieller Mittel bedarf, aber es ist jetzt zu früh zu sagen, wie viel man wofür braucht“, sagte der Chef de Mission der deutschen Olympia-Mannschaft. „Wir haben gesagt: Wir wollen erst die Leistungssportstrukturreform vorantreiben und auf dieser Grundlage dann den zusätzlichen Finanzbedarf ermitteln.“

Die Reform soll noch in diesem Jahr verabschiedet werden und den deutschen Spitzensport mittel- und langfristig international konkurrenzfähiger machen. „Brauchen wir mehr Geld? Das kann gut sein“, sagte Bischof. „Denn wir können ein wahnsinnig effizientes System schaffen, aber am Schluss liegt es schon daran, was man reinsteckt und was rauskommt.“

Verärgert ist man im deutschen Olympia-Team zudem darüber, dass die Spitzenpolitiker sich am Zuckerhut nicht sehen lassen. „Ich finde, dass aus der Politik mehr Wertschätzung kommen könnte“, sagte Kanute Aigner. Der DOSB-Vizepräsident pflichtete Aigner bei. „Wir wünschen uns, dass Politiker Flagge zeigen, uns besuchen und den Sportlern ihre Wertschätzung ausdrücken“, sagte Bischof.

„Ich kann die Enttäuschung der Sportler schon verstehen“, sagte Vesper. Aber Bundespräsident Joachim Gauck und Bundesinnenminister Thomas de Maizière hätten fest vor gehabt, nach Rio zu kommen. Gauck musste wegen einer Zahn-OP und de Maizière aus innenpolitischen Gründen kurzfristig absagen. „Es kommen aber die Parlamentarischen Staatssekretäre aus Innen- und Verteidigungsministerium und eine Delegation des Sportausschusses“, berichtete Vesper. Sie werden sich womöglich einige Klagen anhören müssen.

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