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Spaziergänge in Lübeck Paradies aus Wald, Wiesen und Wasser
Thema Specials Spaziergänge in Lübeck Paradies aus Wald, Wiesen und Wasser
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18:50 04.06.2015
Gesine Goltz liebt die Vielfalt des Schellbruchs. Häufig ist sie mit dem Fernglas in der Hand in dem Naturschutzgebiet unterwegs, um Vögel zu beobachten. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
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St. Gertrud

Den Schellbruch zwischen Karlshof, Israelsdorf und Gothmund mit seinen malerischen Brackwasserlagunen, Süßwasserteichen und Feuchtwiesen sollte es eigentlich nicht mehr geben. Mitte der 1970er Jahre wollte das Wasser- und Schifffahrtsamt das knapp 30 Hektar große Gebiet aufspülen, um zusätzliche Hafenflächen zu schaffen. Doch viele Lübecker gingen auf die Barrikaden und fanden mit dem damaligen Bürgermeister Robert Knüppel einen Fürsprecher. Knüppel verhandelte erfolgreich mit dem Bundesverkehrsministerium und verhinderte den Untergang des Schellbruchs.

 Den Schellbruch erreicht man von Israelsdorf, Karlshof und Gothmund aus. Eine schöne Wandertour kann man in Israelsdorf am Buchenweg starten. Von dort aus führt ein Waldweg (Eickmannsweg) zum idyllisch gelegenen Kleingartengelände Tilgenkrug. Dort beginnt der eigentliche Schellbruch. Nach wenigen Schritten erreicht man die Aussichtsplattform am Hangweg, die einen schönen Blick über die Lagunen zur Trave bietet.

Hier entdecken Sie den Schellbruch:

Tipp: Smartphone-Benutzer können die Karte hier direkt in voller Größe öffnen!

Der Spaziergang im Schnellüberblick

Dauer/Länge: Es gibt vielfältige Wandermöglichkeiten. Die Wege durch den Schellbruch sind etwa zwei bis sechs Kilometer lang. Touren von zwei bis sechs Stunden sind möglich.

Wege: Spaziergänger sollten festes Schuhwerk anziehen. Die meisten Wege sind auch für Fahrräder und Kinderwagen geeignet.

Parken: Autos sollte man frühzeitig in Israelsdorf, Karlshof oder Gothmund abstellen.

Öffentliche Verkehrsmittel: Spaziergänger, die nicht mit dem eigenen Auto zum Ausflug fahren, können die Buslinie 12 nach Karlshof und Israelsdorf nutzen.

Einkehrmöglichkeiten: In Israelsdorf lädt das Gartencafe „Landschätzchen“ am Eichenweg 10 zur Einkehr, in Karlshof das „Colinar“ (An der Hülsthorst 11).

Seit mehr als 30 Jahren stehen große Teile dieses Paradieses unter Naturschutz. Der Schellbruch sei von nationaler Bedeutung und als Teil der „Traveförde“ ein Vogelschutzgebiet von europäischem Rang, betont die Naturschützerin Gesine Goltz, die bei einem Rundgang die Schönheiten des Schellbruchs preist, der ein Eldorado für viele Vogelarten sei. Auch in strengen Winterwochen biete dieses Gebiet noch ausreichend Nahrung und Rückzugsmöglichkeiten für Vögel.

Gesine Goltz blickt von einer kleinen Holzbrücke, die einen Wassergraben überspannt, über Lagunen, Wiesen und Schilfgürtel zur Trave, auf der ein Frachter Kurs auf den Nordlandkai nimmt. In der Ferne auf der anderen Traveseite bildet die blaue Ikea-Fassade einen recht harten Kontrast zu den Wildgänsen und Schwänen, die sich im Wasser und auf den Wiesen tummeln. Seit sie denken kann, setzt sich die frühere Lehrerin für den Naturschutz ein, seit sie laufen kann, streift sie durch die Natur.

Die Vorsitzende des Kreisverbandes Lübeck der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald und Verwaltungsleiterin des Waldkindergartens „Die Waldmäuse“ im Kleingartengelände Tilgenkrug ist dort „zu Hause, wo Wald, Wasser und Wind herrschen“. Der Schellbruch ist wie für sie gemacht. Hier ist sie häufig unterwegs, das Fernglas immer griffbereit. Die 66-Jährige schwärmt von der „ausgesprochenen Vielfalt des Geländes mit seinen Lagunen, Süßwasserteichen, Feuchtwiesen, Gräben, großen Schilfflächen und dem Bruchwaldgürtel“.

Wer gerne wandert und sich Zeit nimmt, dem wird im Schellbruch niemals langweilig - auf den höher gelegenen Dammwegen, auf dem Hangweg mit seiner 2006 geschaffenen Aussichtsplattform und dem Treidelstieg entlang der Trave. Je nach Lust und Laune kann man im Schellbruch zwischen zwei und sechs Stunden wandern und sich von der Vielfalt der Vogelwelt in den Bann ziehen lassen.

„Die Wege bieten hervorragende Aussichtspunkte“, erzählt Gesine Goltz. Der Waldkindergarten, vor zehn Jahren von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald gegründet, hat keine Mühe, „kleine Kinder für die Natur zu begeistern“. Denn die beginnt direkt vor der Tür. Einen Mangel an Blickpunkten gibt es nicht: Überall sind Graugänse in großer Zahl zu sehen, in den bis zu einem Meter tiefen Lagunen, die in den vergangenen 20 Jahren durch Bodenabsenkungen und Ausspülungen entstanden, paddeln Höckerschwäne und Teichrallen, in den Schilfgürteln haben Rohrweihen ihr Zuhause, dort brüten Rohrdommel, Rohrammer und Braunkehlchen, in den Büschen, Bruch- und Laubwäldern sieht man viele Meisen- und Grasmückenarten, und hoch am Himmel zieht der Fischadler gelassen seine Kreise.

Zu den „Hauptanziehungspunkten für Vogelkundler und Spaziergänger“ gehören die ungewöhnlichen Hängenester der Beutelmeise, sagt Goltz.

Doch wer im Schellbruch wandert, ist nicht immer auf der Suche nach besonderen Attraktionen, will manchmal einfach nur durchatmen und die Seele baumeln lassen. „Ich gehe gern am Wasser spazieren, liebe die weiten Flächen des Schellbruchs“, sagt die Naturschützerin und betont schwärmerisch: „Die Kombination aus Wald und Wasser ist für mich das Non-Plus- Ultra, mehr brauche ich nicht.“

Ein Besuch des Natur- und Erholungsgebietes Schellbruch lohne sich immer, weil man nur so ermessen könne, was für schöne Natur vor fast 40 Jahren dank der Bürgerproteste gerettet wurde.

Torsten Teichmann

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