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Travemünde Geschützte Natur als Waterfront-Nachbar?
Thema T Travemünde Geschützte Natur als Waterfront-Nachbar?
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12:46 19.10.2015
Schützenswerter Priwall: Die Grünen wollen den Naturschutz auf der Halbinsel ausweiten. Quelle: Jürgen Adamek
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Travemünde

Der erste Spatenstich ist gemacht: Das Millionenprojekt Waterfront, mit dem der Priwall sein bauliches und touristisches Gesicht verändert, ist nicht mehr aufzuhalten. Naturschützer kontern jetzt mit einem ersten gedanklichen Spatenstich: Wald- und Dünengebiete auf dem Priwall, die derzeit noch weitestgehend unangetastet sind, sollen Schutzstatus erhalten.

Matthias Braun, Vorsitzender des Landschaftspflegevereins Dummersdorfer Ufer, der noch nie unter Ideenlosigkeit litt, stellte in der Naturwerkstatt Priwall während einer öffentlichen Fraktionssitzung der Grünen die ehrgeizigen Pläne vor. Der Verein, der offizieller Betreuer des 148 Hektar großen Naturschutzgebietes „Südlicher Priwall“ ist, will erreichen, dass weitere Naturgebiete auf dem Priwall vor Investoren geschützt werden. Die Bürgerschaftsfraktion der Grünen zeigte sich angetan von dem Projekt, hielt sich aber bedeckt. Man werde die Pläne in den nächsten Wochen prüfen, sagten die Fraktionsvorsitzenden Thorsten Fürter und Silke Mählenhoff.

Als künftige „geschützte Landschaftsbestandteile“ im Blick hat der Landschaftspflegeverein die Graudünen am Ostseestrand im Norden des Priwalls und den Buchen- und Kiefernwald nördlich der Mecklenburger Landstraße, der 1874 entstand und ein Stück Identität für den Priwall ist. Unumwunden räumte Matthias Braun gestern ein, dass es nahezu keine Chance gebe, diese Naturräume als Naturschutzgebiete auszuweisen. Er möchte, dass Düne und Wald (es geht um insgesamt 20 Hektar) den Status „Geschützte Landschaftsbestandteile“ erhalten. Über diesen Status könnte die Bürgerschaft entscheiden. Braun sprach von einer „schwachen Schutzform“ im Vergleich zu einem Naturschutzgebiet, die aber trotzdem eine Hürde für Bauprojekte darstelle. Man wolle verhindern, dass „der nächste Investor kommt und den Wald fällt“.

Der Landschaftspflegeverein ist davon überzeugt, dass attraktive Naturräume auf dem Priwall auch im Interesse der Waterfront-Macher sind, weil sie ein Pfund seien, mit dem man touristisch wuchern könne. Ein weiteres Thema auf der Grünen-Fraktionssitzung in der im Juni eröffneten Naturwerkstatt Priwall im Fliegerweg war die zentrale Wiese (33 Hektar) im Naturschutzgebiet „Südlicher Priwall“.

Der Landschaftspflegeverein möchte sie um 2,7 Hektar nach Westen erweitern, um zum Beispiel dem Kiebitz neue Brutplätze anbieten zu können. Die Hälfte der Wiese hatte bislang ein Landwirt aus Nordwestmecklenburg gepachtet — und dort eine kleine Zahl von Kühen gehalten. Der Pachtvertrag lief aus. Nach LN-Informationen gibt es innerhalb der Stadtverwaltung Bestrebungen, als neuen Pächter einen Landwirt aus Ostholstein zu benennen. Aber auch der Landschaftspflegeverein hat sich als Pächter beworben, um „Naturschutz aus einem Guss“ betreiben zu können. Ein Beweidung der Wiese mit Schafen sei umweltverträglicher als mit Kühen. Am 3. November beraten die Untere Naturschutzbehörde in Lübeck, das Landesamt für ländliche Räume, der Bereich Stadtwald und der Landschaftspflegeverein mit Umweltsenator Bernd Möller (Grüne) die Zukunft der Wiese.

Kostbares Gebiet
wurde 1998 zum Naturschutzgebiet erklärt. Im 148 Hektar großen Gebiet sind die charakteristischen Lebensräume mit Feuchtwäldern, Brackwasserröhrichten, Kleingewässern, Salzwiesen, Trockenrasen und Sanddorngebüschen noch vorhanden. Die Vielfalt der Pflanzengesellschaften spiegelt sich auch in der Tierwelt wider. Seltene Amphibien-, Reptilien-, Fledermaus- und Insektenarten finden hier geeignete Lebensräume. Fast 40 Brutvogelarten konnten nachgewiesen werden.

Torsten Teichmann

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