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Weihnachts-News Hallig Hooge: Weihnachten ohne Pastor
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18:30 23.12.2017
Gemeinsam feiern: Gertrude von Holdt (6. v. l.) in der Kirche beim Advents-Spiel am vorigen Sonntag. Quelle: Fotos: Epd (1), M. Stöcklin (2)

„Zum Fest ist die Kirche voll.“ 77 der 104 Einwohner von Hallig Hooge seien Kirchenmitglieder. Regelmäßig kämen zwar nur zehn Prozent in den Gottesdienst, zu Weihnachten aber seien es mehr, versichert von Holdt: „Den Weihnachtsgottesdienst in unserer Johanniskirche besuchen sie immer alle. Auch die muslimische Flüchtlingsfamilie.“ Hinzu kommen die Touristen. „Die meisten reisen am zweiten Weihnachtstag an und bleiben über Silvester.“

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Zuflucht: Die kleine Kirche von Hooge stammt aus dem 17. Jahrhundert und stand bei Sturmflut schon mehrfach unter Wasser.

Viele der Gäste würden die Kirche betreten, schon aus Neugier – das Gebäude stammt aus dem 17. Jahrhundert. Viele kämen ins Pfarrhaus, oft ohne zu fragen, manche gingen die Treppen hinauf „bis unters Dach“. Viele würden auch das Gespräch suchen, sagt von Holdt. „Weil man sich hier oft begegnet.“ Die Hallig ist nicht groß, die Natur mächtig und allgegenwärtig. Die Menschen sind mit sich selbst konfrontiert. „Das hat hier missionarische Dimensionen, die man gar nicht abschätzen kann.“

Eine Bewerbung für die Pastorenstelle gebe es inzwischen übrigens. „Aber die ist noch nicht spruchreif.“ Bis es so weit ist, bleibt Gertrude von Holdt Predigerin, Sekretärin und Seelsorgerin in einer Person. Letzteres besonders in den düsteren Wintermonaten. Für viele Zugezogene eine Prüfung. Ein früherer Pastor hatte deshalb gefordert, sein Nachfolger müsse Familie haben. Von Holdt lacht. „Davon haben wir uns schon verabschiedet.“ Gewiss: Ideal wäre auch jemand, der selbst Orgel spielen könne oder wenigstens Gitarre, denn auf Hooge gibt es keinen Kirchenmusiker. Ebensowenig wie einen Elektriker oder Klempner.

„Aber eigentlich ist das alles nicht so wichtig, meint von Holdt. Auf der Hallig helfe man sich, sei füreinander da. „Wenn ich einen Klempner brauche, regeln wir das selbst. Wenn ich sage, ich brauche Hilfe, klappt das.“

Sie selbst lebt seit acht Jahren alleine auf der Hallig, dennoch habe sie noch keinen Schaden an Leib und Seele genommen, versichert sie. Nur selten fühlt sie sich alleine. Auch nicht Heiligabend nach dem Gottesdienst: Ihr Border-Terrier „Störtebeker“ leistet ihr Gesellschaft. Es wird Hirschkeule geben, sie wird ihre Weihnachstpost lesen und mit ihrer Familie telefonieren. Die erwachsenen Kinder leben auf dem Festland. Am ersten Feiertag kommt einer der Söhne zu Besuch.

Im Gottesdienst, hat Gertrude von Holdt sich vorgenommen, wird sie etwas über Weihnachten erzählen. „Dazu gehört ein Wunschzettel. Ich stelle mir vor, was bei Kindern draufsteht und lasse das Christkind auch einen schreiben.“ Ein Jesaja-Zitat sei ihre Vorlage, es handele „vom Volk, das im Finstern wandelt“. Ein Text, bei dem man auf den ersten Blick denke: Was soll ich damit denn zu Weihnachten? „Aber wenn man genauer hinsieht, passt es.“ Vieles, was vor 2000 Jahren in der Bibel geschrieben wurde, lasse sich auf die heutige Zeit übertragen. „Wir sind nicht anders, als die Menschen damals, wir haben die gleichen Probleme und die Welt ist nicht erfreulicher geworden.“ Immer sei die Sehnsucht nach Frieden da, und: „Immer noch herrscht der Mammon. Aber es ist auch an uns, ob wir uns davon beherrschen lassen.“ So sei es auf Hooge. Und in der Welt.

Von Marcus Stöcklin

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