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Wochenmärkte Einmal mit allem und Extrawurst
Thema W Wochenmärkte Einmal mit allem und Extrawurst
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Der Wochenmarkt am Brolingplatz hat viel zu bieten. Quelle: kha
Fischhändler Wilfried Groß: "Wir verkaufen hier seit 1950." Quelle: kha

Im Stadtteil St. Lorenz mischen sich Platte und Altbau, Alteingesessene und Zugezogene, geborene Lübecker und Menschen mit Migrationshintergrund. Bei Wahlen holt die SPD die meisten Stimmen - in guten wie in schlechten Zeiten. Willy Brandt ist hier geboren und aufgewachsen.

Dazu passt auch der Wochenmarkt am Brolingplatz in St. Lorenz-Nord. “Hier trifft man sonnabends Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe beim Einkaufen”, erzählt Marktbesucher Klaus Köhnemann. Er betont: “Der Wochenmarkt ist ein nicht zu unterschätzender Kommunikationsaspekt für den Stadtteil”. Der 70-Jährige schultert gekonnt eine Kiste mit Papayas, “beim Großmarkt bestellt die der Obsthändler hier extra für mich mit”.

Die Verkäufer erfüllen gern den einen oder anderen Sonderwunsch, so habe er auch schon mal eine Platte mit geräuchertem Fisch zubereiten lassen - als Geschenk für Bekannte im Ruhrgebiet.
Das ist nur einer der Gründe, warum Köhnemann gern auf dem Markt einkauft. “Das sind hier Anbieter meines Vertrauens”, sagt er, “hier habe ich die Sicherheit, Qualität zu bekommen”. Den direkten Draht zum Produzenten, bei dem Vieles aus eigenem Anbau kommt - das gibt es im Supermarkt eben nicht. Auch deshalb macht sich Köhnemann in einem Anwohnerverein für die Erhaltung der Wochenmärkte stark.

Früher war er größer, der Wochenmarkt auf dem Brolingsplatz - aber das Angebot ist immer noch stattlich.

Immerhin versorgen hier viele Stände die Anwohner schon seit Jahrzehnten - seit bald fünf Generationen gibt es etwa den Stand von Wilfried Groß: “Wir stehen hier seit 1950.” Der Fischhändler hat hinter sich eine Schwarz-Weiß-Fotografie hängen, auf der die Familie vor der eigenen Räucherei steht. “Dort wird mit Buchenholz geräuchert, ohne Gas oder Thermostat”, sagt Groß, “da wird die Temperatur mit der Hand gemessen”. Seine Fische bezieht der Händler vom Hamburger Großmarkt, aber auch von Ostseefischern und aus Dänemark. “Wir haben auch Süßwasserfische aus der Holsteinischen Schweiz.”

Direkt gegenüber steht die “Konkurrenz”. Auch Detlef Mischnik verkauft Fische, ebenfalls als Familienbetrieb. Wie viele der Standbetreiber muss er angesichts der Frage, wie lange es das Geschäft schon gebe, überlegen: “Über 60 Jahre sind das bestimmt.” Mischnik stellt seine Fischsalate wie der Kollege gegenüber selbst her. Überhaupt liest man das Wort “hausgemacht” auf dem Wochenmarkt immer wieder. Bei Burkhard Langers “Fleisch und Wurstwaren vom Lande”  um die Ecke erklärt die Verkäuferin stolz, dass der Chef “selber schlachtet und selber räuchert”.

Brigitte Schwarz empfiehlt: Spargel aus der Pfanne (Rezept)

Obwohl sie dicht an dicht um die Gunst der Kunden buhlen, haben die Standbetreiber “ein ganz gutes Verhältnis” zueinander, wie Blumenverkäufer Ernst Eick erklärt. Vielleicht liegt das auch daran, dass die Konkurrenz geringer wird: Auch der Wochenmarkt in St. Lorenz-Nord ist in den letzten Jahren geschrumpft. Doch gerade an Sonnabenden ist immer noch viel los - und vielleicht liegt in der Ruhe ja auch die neue Kraft. Klaus Köhnemann gibt jedenfalls zu: “Am Brolingplatz bin ich mittwochs gerade gern, weil es so ruhig ist”.

Händlerliste

  • Bäcker Kröger
  • Eier, Geflügel, Wurst, Wela Produkte, Hausgemachtes (Jansses Bauernhof)
  • Käse (Groß)
  • Zipperndorfer Bäcker
  • Obst und Gemüse (Schwarz)
  • Multani-Textilien
  • Kartoffeln (Firma Horst Maßler)
  • Obst und Gemüse (Sommerfeld)
  • Holsteiner Katenschinken
  • Fisch (Mischnik)
  • Gross' Fische
  • Fleisch und Wurstwaren vom Lande (Langer)
  • Gärtnerei Holzwart