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Auseinandersetzung im Klützer Flüchtlingsheim

Klütz Auseinandersetzung im Klützer Flüchtlingsheim

Kurz vor Silvester mussten zehn Polizisten in der Unterkunft eine Schlägerei zwischen zwei Gruppen beenden.

67 Asylbewerber sind derzeit in Klütz untergebracht, überwiegend handelt es sich um Familien, teilt der Landkreis mit.

Quelle: Malte Behnk

Klütz. Seit drei Wochen ist die Flüchtlingsunterkunft in der Klützer Innenstadt wieder belegt. 67 Bewohner, überwiegend Familien, leben aktuell in dem ehemaligen Kindergarten. Am 30. Dezember gegen 17 Uhr eskalierte ein Streit unter einigen männlichen Bewohnern. „Es gab eine Auseinandersetzung zwischen zwei Gruppen, Grund war offenbar die Reinigung des Gebäudes“, sagt Isabell Wenzel, Sprecherin der Polizeidirektion Rostock. Insgesamt waren zehn Beamte im Einsatz, um die Situation zu beruhigen.

„Das sah dramatischer aus, als es am Ende war“, betont die Sprecherin. „Man darf nicht vergessen, dass die lange Zeit auf engem Raum auch Spannungen mit sich bringt.“ Drei Personen wurden bei der Auseinandersetzung nach Polizeiangaben leicht verletzt, ein Teil der Bewohner wurde anschließend in eine andere Unterkunft gebracht. „Die Umverteilung war notwendig, um die ganze Situation zu entspannen. Im Grunde genommen war es ein Streit, mehr aber auch nicht“, so Isabell Wenzel.

Auch von Seiten des Landkreises, der die Unterkunft in Klütz betreibt, wird der Vorfall vom 30. Dezember eingeräumt. Wie Sprecherin Petra Rappen gestern mitteilte, „kommt es natürlich hin und wieder vor, dass im Rahmen der Unterbringung von Asylbewerbern verschiedene Temperamente aufeinander treffen. Konflikte sind nicht immer zu vermeiden.“ Der Träger der Einrichtung und die Sozialarbeiter des Landkreises Nordwestmecklenburg würden in engem Austausch stehen. Um Konflikte zu vermeiden beziehungsweise Ausweichmöglichkeiten zu schaffen, hat der Landkreis bei der Diakonie in Boltenhagen zusätzliche Räume angemietet. Dort ist Platz für bis zu 60 Personen.

Auseinandersetzungen in Flüchtlingsunterkünften gibt es immer wieder. Auch in Nordwestmecklenburg war die Polizei mehrfach im Einsatz. Im vergangenen Jahr gab es in Wismar einen brisanten Fall, als in einer der Unterkünfte eine Gruppe von Flüchtlingen ihre Mitbewohner regelrecht erpresste. Der Zugriff durch die Beamten erfolgte am 30. Oktober.

Die andere Seite der Medaille sind die zahlreichen Gerüchte, die über die Flüchtlinge im Umlauf sind. So entpuppte sich die Geschichte über die hohe Zahl an Diebstählen durch Asylbewerber in Klütz im vergangenen Jahr in den Discountern und Märkten als frei erfunden. Wie eine Umfrage unter den Betreibern der Läden gab, hatte es keinen Anstieg der Delikte gegeben.

Ein ähnlicher Fall beschäftigte die Menschen in Grevesmühlen kurz vor dem Jahreswechsel. Hier ging es um einen Vorfall, der sich in einem Sozialkaufhaus zugetragen haben soll. Angeblich hatte ein aufgebrachter Flüchtling eine Verkäuferin mit einem Messer bedroht. Weder den Betreibern der Sozialkaufhäuser noch der Polizei ist dieser Fall bekannt.

In Klütz hatte es im Vorfeld der Inbetriebnahme der Flüchtlingsunterkunft auch Widerstand gegen die Unterbringung von bis zu 100 Menschen in dem alten Kindergarten gegeben, der Experten zufolge weder baulich noch lagetechnisch dafür geeignet sei. Wie eine Umfrage in der angrenzenden Schule ergab, gibt es jedoch keine größeren Probleme mit den neuen Nachbarn. Es gab sogar erste Kontakte mit den Bewohnern.

Kritik gibt es indes an der Informationspolitik des Landkreises. Nachdem die Unterkunft im Dezember wieder bezogen worden war, wurden weder die Klützer Lokalpolitiker noch die ehrenamtlichen Helfer informiert. Die Folge war, dass lediglich die hauptamtlichen Kräfte vor Ort waren, eine zusätzliche Betreuung durch die zahlreichen Ehrenamtler gab es nicht. In den Wochen zuvor hatten Mitglieder der Gruppe „Klütz hilft“ nicht nur Bekleidung gesammelt, sondern sich auch um die Neuankömmlinge in der Unterkunft gekümmert.

Zahlen und Fakten
1401 Asylbewerber wurden im vergangenen Jahr in Nordwestmecklenburg untergebracht. Laut Kreisverwaltung wird auch in diesem Jahr mit einer ähnlichen Anzahl an Menschen gerechnet, die vor Krieg und Terror fliehen. Eine genaue Prognose darüber gibt es jedoch nicht.


Tatsache ist, dass der Landkreis Gespräche mit verschiedenen Personen, Firmen und Organisationen führt, um zusätzliche Gebäude anzumieten. In MV sind im vergangenen Jahr rund 22800 Flüchtlinge angekommen.

Michael Prochnow

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